gm.sgeh.017. Kapitel: Mensch und Schöpfung (1) (27. Februar 1871)
01]
Schon mancher von euch und viele andere, denen Meine Worte nicht so zuteil
geworden wie eben gerade euch, haben oft nachgedacht über das menschliche Leben;
wie viele Leiden und bittere Erfahrungen den Menschen von Anfang an, von der
Wiege bis zum Sarge begleiten, wie viele eitle Hoffnungen und Wünsche sich
auflösen wie leichte Nebelgebilde in leeres Nichts, und so mancher dachte da in
seinem Innern eben - zu was so viel des Bitteren auf einer so kurzen Spanne Zeit
der menschlichen Lebensbahn!
02] Manche beschuldigten Mich der Grausamkeit,
der Lieblosigkeit und wer weiß was noch. Manche andere leugneten Mir ab ein
Gefühl für Schmerz und Leidwesen, und manche endlich verleugneten Mich ganz,
nahmen wie einst die Heidenvölker ein Fatum oder blindes Schicksal an, dem
niemand entrinnen könne und das in seinem unaufhörlichen Rollen wie eine Kugel
alles zermalmt, was ihm unter seine Wege kommt.
03] Dem Anscheine nach spricht vieles für die
Gültigkeit solcher Annahme, wo am Ende der Verzweifler sogar auch das Dasein
eines waltenden Gottes verwerfen muß.
04] Aber in der Wirklichkeit ist es nicht so,
nur muß man die Dinge und Verhältnisse von einem anderen Standpunkte aus
betrachten und beurteilen, als wie sie sich dem gewöhnlichen Weltverstand
vorstellen und von ihm beurteilt und bekrittelt werden.
05] Wer die Welt von dieser Seite betrachtet,
der kann freilich zu keiner trostreichen, freudigen Ansicht kommen; denn wenn er
auch eine göttliche Lehre von Gerechtigkeit, Wiedervergeltung, Belohnung oder
Bestrafung annehmen möchte, so sieht er gerade von allem dem meistens das
Gegenteil, und es verwirklicht sich ihm täglich mehr die Wahrheit so mancher im
Volke eingewurzelter Sprichwörter, wie:
06] "Je größer der Lump, je größer das Glück!"
oder: "Die großen Diebe läßt man laufen, und die kleinen hängt man"; oder wie im
ehelichen Leben: "Mann und Weib sind ein Leib, aber nicht ein Magen!", wo der
Mensch dann stets mehr fühlt, daß von den so schön geschriebenen Worten auf
dieser Erde sich keines erfüllt, wie von der Wiege an Krankheiten dem jungen
Leben drohen, mehr erwachsen, die moralischen Versuchungen zum Laster und zu
allerlei Untugenden reizen; wenn er sieht, wie im Jünglingsalter, wo die
schönsten Blumen blühen möchten, um den Lenz des physischen (irdischen) Lebens
zu einem paradiesischen Garten umzugestalten, wenn er sieht, daß gerade dort die
harte, erbarmungslose Hand der Welt alle diese Blumen knickt, damit sie
verwelken, um nie wieder aufzustehen; wenn er sieht, wie dort alle Laster des
berechnenden Verstandes blühen und von der Masse gerechtfertigt werden; wenn er
sieht, wie einer auf den Schultern des andern emporsteigen möchte, wie ein jeder
nur ans Herrschen, aber nicht ans Gehorchen denkt; wenn er sieht, wie alles nur
ums Wohlleben und um die Befriedigung der menschlichirdischen Bedürfnisse sich
gegenseitig bekämpft und abplagt; wenn er sieht, daß je weiter man hinauf kommt
in die höheren Kreise der menschlichen Gesellschaft, dort oben oft das eine
Tugend ist, was bei den niederen Ständen ein Laster genannt wird; wenn er sieht,
daß, will man in solch einer Welt fortkommen und sein Brot in Ruhe verzehren,
wie ihr sagt, "man mit den Wölfen heulen muß" und alle sonstigen, edlen und
schönen Grundsätze des Knaben und Jünglingsalters über Bord geworfen werden
müssen, wenn man nicht vor Hunger sterben oder als Narr vor der Welt erklärt
werden will; wenn er endlich sieht, daß, ist ein Familienkreis gegründet, die
Sorgen in seiner eigenen Kindheit, welche er dort seinen Eltern unbewußt
bereitete, nun an ihn selbst herantreten, sich auch bei ihm fühlbar anmelden;
wenn er dann sieht, wie ein mit großer Sorge, Kummer und Furcht erzogenes Kind
durch Krankheit, später durch Entartung oder gar durch den Tod ihm entrissen
wird; wenn er sieht, wie er oft nach allem, was er für seine Kinder tut, von
ihnen nicht die geringste Anerkennung seiner Opfer, nicht einen Dankesblick,
nicht ein Dankeswort empfängt; wenn er sieht, wie da der Sohn, dort die Tochter
nur wartet, bis der Tod ihn aus der Welt schafft, damit der eine oder die andere
das Erbe ungestört genießen könne, das er im Schweiße des Angesichts und auch
manchmal nicht gerade auf ganz rechtlichem Wege gesammelt hat, weil er dabei
dachte: "Der Zweck heiligt die Mittel!" Und wenn er so nun selbst dem
Greisenalter näher gerückt ist, wenn seine physischen Kräfte und Fakultäten
(Fähigkeiten) abnehmen, wenn Krankheiten sich einstellen (oft Folgen früherer
Verirrungen), wenn er dann sieht, daß er, unbehilflich, den andern stets mehr
zur Last fallen muß und so langsam dem Grabe entgegengeht, welches er fürchtet,
weil es ein ihm unbekanntes Land bedeckt, indem es materiell sein Zunichtewerden,
seine gänzliche Auflösung zu sein scheint; - - usw. -
07] Wer gibt da dem gequälten Menschen nicht
recht, wenn er von allen Hoffnungen enttäuscht, all der schönen Bilder seiner
Jugend durch die spätere Laufbahn in der kalten Wirklichkeit beraubt, leer, mit
sterilem (ödem) Gemüt und voll Erbitterung wegen der Enttäuschungen den Gott
verfluchen will, der ihn in dieses Jammertal setzte, um mit Schmerzen geboren zu
werden, mit Leiden zu kämpfen, und mit schmerzlichem Todeskampf ihn wieder aus
dieser Welt führt, die er nicht verstanden, weder bei seinem Eintritt, und noch
weniger sich klar gewesen bei seinem Austritt aus ihr, ihn endlich in ein
Jenseits führt, von wo, wie er sagt, "noch niemand zurückgekehrt ist".
08] So ist das Bild, welches die Welt einem
Verstandesmenschen vorhält. So wie Ich es hier geschildert, hat so mancher schon
Mich, die Vorsehung und sein eigenes Schicksal angeklagt; so hat so mancher im
stillen Gebet, wenn auf ihn zu viel einstürmte, Mich um Abberufung aus diesem
Leben angefleht!
09] Jeder glaubt, er habe am meisten geduldet,
gelitten, geopfert; ein jeder glaubt, er hätte ein besseres Los verdient, weil
er weit schlechtere als er ist alles das im Überfluß genießen sieht, was er sich
als einziges Glück auf dieser Erde erträumt hatte. Und eben deswegen, weil
solche Anklagen, solche Ideen noch in so manchem von euren Herzen stecken, eben
deswegen wählte Ich diese beiden Worte, die bei diesem Diktat obenan stehen, um
aus diesen wankelmütigen Herzen den letzten Funken der Anklage ihres Schicksals
oder Meiner Führung zu verwischen, damit sie sehen, daß hinter diesem
vermeintlichen Bilde einer menschlichen Laufbahn der herrlichste Zweck und die
größte Seligkeit verborgen liegen, und daß nicht ein blindes Fatum, sondern eine
liebende Hand eines allwaltenden Schöpfers, eines euch alle liebenden Vaters die
Fäden spinnt, welche euch aus diesem Labyrinth von Kalamitäten heraus in Seine
Arme, in Seine Himmel führen.
10] Sehet, Meine Kinder, es herrscht ein
heiliges, großes Gesetz in der ganzen materiellen und geistigen Schöpfung, ohne
welches diese nicht bestehen könnte, und dieses Gesetz hat zwei große, einzige
Lebensfaktoren, der eine heißt (Willens)Freiheit und der andere (ewige)
Vervollkommnung.
11] Wo keine Freiheit ist, wäre keine
Vervollkommnung, kein Fortschritt; und wo kein Fortschritt - kein Zweck; und wo
kein Zweck - kein Endresultat.
12] Nun, als die große Schöpfung von Mir
gedacht, geschaffen und verwirklicht wurde, da mußte Ich, als Geist Geistiges
schaffend, auch diesen Geistern das erstere Prinzip lassen, wollte Ich das
andere erreichen; das heißt, Ich mußte ihnen Freiheit, ja unantastbare Freiheit
geben, sollten sie nicht Maschinen, sondern selbstbandelnde Wesen werden: Diese
Geschöpfe mußten Wesen Meiner würdig sein!
13] Daß, wo jemand eine Macht an einen oder an
viele verleiht, diese auch mißbraucht werden kann, weil dieses in der Freiheit
selbst begründet ist, das versteht sich von selbst.
14] Ich wußte also zum voraus, daß Mißbrauch von
dieser Freiheit gemacht werden wird, ja gemacht werden muß!
15] Daher war schon im zweiten Lebensfaktor
"Vervollkommnung" der Grund gelegt, daß bei Meinem Schaffen kein Stillstand,
sondern nur eine Verbesserung eintreten kann, woraus also hervorgeht, daß, wer
nur stehen bleiben will, während andere fortschreiten, rückwärts gegangen ist!
16] Denn wo Vervollkommnung, da muß auch ihr
Geggnsatz möglich sein - Verschlimmerung; wo Fortschritt - ist Rückschritt, wo
Annäherung - ist Entfernen, wo Licht - ist Schatten, wo Wärme - ist Kälte, wo
Bewegung - ist Ruhe, wo Leben - ist Tod bedingt.
17] Ihr seht also, daß nicht Ich das Böse
erschuf, nicht Ich die Schattenseiten aller möglichen geistigen Eigenschaften in
die Welt setzte als ordnungsmäßig; nein! sie bildeten sich selbst durch das
einzige große Grundgesetz Meines Ichs und Meiner Schöpfung, durch das große Wort
"Freiheit"!
18] Wie nun diese Freiheit gebraucht und
mißbraucht wurde von Meinen erstgeschaffenen Geistern, wie sie noch bis auf den
heutigen Tag gehandhabt wird, oft nicht zum Besten der lebenden Wesen und ihrer
eigenen Bestimmung, das erseht ihr aus den vorangeschickten Klagen eines
Menschen über seine irdische Laufbahn.
19] Nun wollen oder müssen wir annehmen, daß
zwischen einem Schöpfer und Seinen geschaffenen Wesen stets eine ungeheure Kluft
bestehen muß, die nie überschritten werden kann, wo, wie in eurer Mathematik die
Asymptoten (krumme Linien, Kurven, die ewig sich einer Geraden nähern, dieselbe
aber nie berühren), alles Geistige sich Mir ewig nähern, aber Mir nie gleich
(nur immer ähnlicher) werden kann, so seht ihr das zweite große Prinzip - die
Vervollkommnung - als unumgänglich notwendig aus dem ersten hervorgehen.
20] Die abgefallenen Geister, die sich zwar
freiwillig von Mir entfernt und den verkehrten Weg angetreten hatten, konnten
oder wollten nichts von Vervollkommnung, von Fortschritt wissen.
21] Um aber auch ihnen diesen Weg nicht gänzlich
abzusperren, mußten sie in Verhältnisse gebracht werden, wo, unbeirrt ihrer
eigenen Freiheit, sie umkehren können, wann sie wollen.
22] Hierzu nun wurde die materielle Welt oder
das ganze Universum oder der materielle Schöpfungs-Mensch gegründet; in ihm
wurden die Geister, nach dem Grade ihrer Böswilligkeit, in die Materie
eingehüllt (eingekleidet), Kämpfen, Versuchungen und Leiden ausgesetzt, erstens,
um sie nach und nach zur Einsicht ihrer eigenen Fehler durch auf sie einwirkende
Verhältnisse zu bringen, und zweitens auf diese Art ihre freiwillige Rückkehr
selbst einzuleiten.
23] Nun, so viel es Welten, so viel es Sonnen
und Planeten gibt, ebenso viele Millionen und Millionen Abstufungen der Geister
gibt es, die alle den Weg zu ihrem Schöpfer noch einst zurückmachen werden, und
überall könnet ihr sehen, ist das Prinzip "Freiheit" als Erstes und das Prinzip
der Vervollkommnung (Fortschritt) als Zweites festgestellt.
24] Auch die in der Materie gebundenen Geister
wollen sich befreien; die Befreiung führt zur Verwandlung der Materie, die
weniger Schlechten wirken auf die andern ein, das ist das Zersetzen der Materie,
ist ihre Verwandlung, ihre Auflösung.
25] Das Gröbere löst sich in immer Leichteres,
das Festere in Weicheres auf, wo dann immer mehr der Wirkungskreis erweitert,
die Einsicht des Verbesserns mehr klar, mehr gefühlt wird.
26] Von der groben, mineralischen Materie geht
es zu den pflanzlichen Stoffen, die lebend, obwohl an einen Ort gebunden, bis
auf wenige Ausnahmen doch schon freiere Geister enthalten; von den pflanzlichen
zu den tierischen und von den tierischen zu den letzten in der materiellen
Schöpfung, zu den menschlichen Geistern oder Seelen über.
27] Überall sind, wegen der Vervollkommnung, die
Kämpfe mit der andern auf sie einwirkenden Welt, überall ein Streben nach oben,
nach Freierwerden; überall bedingt die Auflösung oder Zerstörung den Schritt zu
einer höheren Stufe.
28] Auch in der kleinsten Pflanzenseele sind
Kämpfe durchzumachen, das Pflänzchen hat bis zum ausgewachsenen Baume mit
allerlei Widerwärtigkeiten (seiner Wesenheit gemäß) zu kämpfen, wie auch der
Mensch von der Wiege bis zum Grabe.
29] Jedes Tier lebt in dem nämlichen Falle,
unmündig zur Welt kommend, bereitet es seinen eigenen Erzeugern Sorgen, hat dann
alle Gefahren zwischen Elementareinflüssen und Feinden, die danach streben,
seinen geistigen oder körperlichen Organismus zu zerstören, durchzumachen. Je
höher das Tier steht, desto empfindlicher mehren sich die Gefühle bei solchen
Gefahren und so weiter. (Man sollte die Vivisektion, die zum Himmel schreienden
Versuche am lebenden Tier sogenannter Gelehrter durch Staatsgesetze verbieten.)
30] Während die niedrigsten Tiere, kaum dem Ei
entschlüpft, schon so beschaffen sind, daß sie sich ihre Nahrung selbst suchen
können, von einer Anhänglichkeit gegen ihre Erzeuger nicht viel oder gar nichts
verspüren, entwickelt sich mit höher steigender Stufe das geistige Innere,
dieses Gefühl für die Brut, die Sorge für die Ernährung der Jungen, die
Schmerzen, wenn entweder gewaltsame Hände diese kleine Welt zerstören oder wenn
andere Umstände die Entfernung oder Vernichtung derselben herbeigeführt haben.
31] Je höher das Tier steigt, desto tiefer,
anhaltender und dauernder sind diese Zeichen einer höheren geistigen Stufe.
32] Es wiederholen sich zum Beispiel in einem
Vogel ebenfalls alle Mißhelligkeiten, welche der Mensch erfährt und weswegen er
sein Schicksal als grausam anklagt. Auch diese kleinen, luftigen Bewohner eurer
Atmosphäre haben ihre Leiden, ihre Kämpfe und ihre Befürchtungen.
33] Hilflos im Neste liegend, der Wiege gleich,
hängen sie von ihren Eltern ab; dann einst von diesem Zwang befreit, gleichsam
im Jünglingsalter, kommen die Gefühle der geschlechtlichen Vereinigung,
Familienleben in Aussicht; da singt der Vogel seine Dankeslieder seinem ihm
unbekannten Schöpfer, jubelt der aufgehenden Sonne entgegen, er freut sich
seines Lebens, denn er kennt keine Gefahr.
34] Doch eben durch dieses Lautwerden seiner
Brust gibt er sich auch seinen Feinden kund, überall lauert Verrat und
Enttäuschung; es kommt die Zeit der Begattung, und die Sorgen, die er seinen
Erzeugern verursachte, fühlt er jetzt selbst; dann naht das Alter heran, wo das
Nahrungssuchen und das den Gefahren Ausweichen schwerer wird; die Elemente
wirken mehr schädlich auf ihn ein, er fällt unter ihrem Einfluß oder unter dem
anderer Umstände dem Schicksal seiner Gattung anheim; alles geht bei ihm wie bei
einem andern Wesen vor sich, nur eins weiß er nicht, was nur dem Letzten in der
Schöpfung vorbehalten wurde, das heißt, er (als Tier) kennt den Tod nicht; er
fühlt wohl, daß eine Verwandlung mit ihm vorgehen will, aber er weiß durch sein
ganzes Leben kein ähnliches Gefühl - er floh bis jetzt nur den Schmerz, aber die
Auflösung, die Transformation oder das Übergehen in eine andere Stufe zu etwas
Höherem kennt er nicht.
35] Dieses ist nur den Wesen, die sich, ihres
Ursprungs bewußt, Mir nähern sollten - diesen Wesen, die Ich nach Meinem
Ebenbilde schuf, diesen allein ward es vorbehalten, nebst allen irdischen Leiden
und Kämpfen das Bewußtsein des Todes zu kennen und eben diesem anscheinlich
schrecklichen, für alle Sterblichen unausweichlichen Gaste mit kaltem Blut ins
Antlitz sehen zu müssen.
36] Aber eben deswegen haben auch diese Wesen
den höchsten Geist in sich, den Ich in materielle Geschöpfe gelegt habe, damit
sie auch dem materiellen Vergehen ein ewiges Bleiben als Geist entgegenhalten
können.
37] Um aber diesen höchsten geschaffenen Geist,
das heißt eine Menschenseele zu erziehen, daß sie, Meiner würdig, Mir einst
gleichen sollte, und daß sie einst in Meiner nächsten Nähe bestehen kann, eben
deswegen ist der Mensch von der Wiege an das unbehilflichste und am meisten der
Fürsorge anderer überlassene Geschöpf; deswegen sind seine Versuchungen und
Prüfungen so stark, damit überall, wo er sich ans Weltliche anklammern oder es
zur Hauptsache machen möchte, es ihn stets zurückstößt, ihm sagend: "Was willst
du von mir, Sprößling einer höheren, geistigen Welt; bei mir findest du nur
Enttäuschung und Betrug, dort in jenem geistigen Reiche ist, was du bei mir
vergeblich suchst!"
38] Deswegen die verschiedenen Zulassungen von
allen möglichen Unglücksfällen, Entbehrungen, Beispielen, wo der eine momentan
glücklich wird, der es nicht verdient, während der Unschuldige leiden, darben
und dulden muß. Deswegen das göttliche "Wort", die Lehre von einem schöneren,
höheren Leben, damit der Mensch nicht verzweifle, wenn die Welt ihn hart
behandelt, wenn er sich mit aller Gewalt in ihre Arme werfen möchte und sie ihn
mit Hohn zurückweist, ihm zurufend: "Du bist nicht für diese, noch von dieser
Welt!"
39] So gehen diese Prinzipien "Freiheit",
"Vervollkommnung" und "Fortschritt" wieder, auch im menschlichen Leben, ihren
Gang.
40] Freiheit lädt zum Mißbrauch derselben ein;
der Mißbrauch, als gegen Meine Ordnung, straft sich von selbst, und um zur
Vervollkommnung zu gelangen, müssen diese Fehler gegen Meine Gesetze diese
großen Enttäuschungen hervorbringen, wo am Ende der Mensch, notgedrungen
freilich, wieder zu dem zurückkehrt, wovon er ausgegangen, das heißt - zu Mir!
41] Was ihm hier nicht gelingt, wird in der
anderen, längeren Lebensdauer wohl ersetzt werden können.
42] Daher, Meine Kinder, klaget nicht die Welt,
nicht die Verhältnisse, nicht Mich an, wenn Unglücksfälle euer Haupt treffen,
eure Familien lichten: Es ist überall nur das zweite, große Naturprinzip, ohne
welches nichts bestehen kann; es ist die notwendige, bedingte Vervollkommnung,
die alles zu diesen Schritten antreibt, und wo Ich Selbst durch Mein
Daniedersteigen auf diese Erde euch den kürzesten Weg gezeigt habe, und welchen
Ich jetzt durch Meine vielen direkten Mitteilungen euch noch bedeutend verkürzen
will.
43] Alles ist so angeordnet, um euer geistiges
Ich zur Vervollkommnung des, wie alles in der ganzen materiellen Welt, auf einer
niederen Stufe Stehenden aus den Ruinen dieser Stufen zu einer höheren zu
führen, wo nach Auflösung des materiellen Lebens Meine Hand euch auf eine
höhere, geistigere Stufe erheben will, wo ihr noch mehr Meine Macht, Meine Liebe
und eure Mission erkennen sollt.
44] Begreifet es doch einmal, es liegt eine noch
weit höhere, größere und schönere Welt vor euch, die ihr zu erringen habt und
die ihr nur dann erreicht, wenn ihr, das Weltliche ganz außer acht lassend, euer
Schicksal geistig auffasset, es in Meine Hände legt und fest überzeugt seid, daß
ein Vater nur liebend, aber nie strafend gegen seine Kinder handeln kann.
45] Dann gewinnt die Welt für euch ein anderes
Ansehen. Lasset sie dem, dem die Welt ihre Ehre, ihr Geld gibt; die Welt gibt
ihm dieses, aber Ich nehme ihm dafür seinen geistigen Schatz; der Weltschatz
wird zerstäuben unter den Verhältnissen der Welt, die im großen ganzen ebenfalls
ihrem Vervollkommnungsprozeß entgegengeht, wie jeder einzelne Mensch.
46] Ihr aber, Meine lieben Kinder, bleibet bei
eurem geistigen Goldbergwerk im Innern eures Herzens! Dorthin nur dringt die
Welt nicht; dort herrscht ein anderes Prinzip, und das heißt: das von Mir für
alle Schöpfungen gegründete Prinzip der geistigen Freiheit!
47] Wenn ihr diesem huldigt und geistig euch
vervollkommnen wollt, so bleibt der Fortschritt dann nicht aus, der euch von der
Welt weg stets näher zu Mir führt, und wo ihr den Weltsorgen und weltlichen
Unglücksfällen nur so viel Wert beilegen werdet, wie sie eigentlich haben, um
euer Inneres wieder um einen Schritt vorwärts zu bringen.
48] Daher bewahret eure geistige Freiheit,
werdet vollkommen, wie euer Vater im Himmel ist, und eure Mission wird erfüllt,
und ihr werdet ganz Mir, eurem Schöpfer und Vater, würdig sein! Amen.