jl.hag3.339. Kapitel: {07.08.1844}
01] Und also
redete der Herr: »Siehe, du Mein Sohn Mahal, der du Mich also streng
herausgefordert hast, du bist nun still und magst nicht reden und rechten mit
Mir ob Meiner Sünde an dir, wie auch am ganzen Menschengeschlechte! Wenn du aber
nun nichts zu reden und zu rechten weißt, wie werde Ich dir denn da einen
Schadenersatz bieten können?!
02] Ich aber sage dir: Stelle es mir aus, was
dir an Meiner Schöpfung nicht recht ist, und Ich will es ändern im Augenblicke;
nur aber mußt du Mir zuvor gründlich erweisen, daß es da in Meiner Schöpfung
wirklich etwas Schlechtes und somit Verwerfliches gibt! - Rede, und Ich will
sogleich darnach handeln!«
03] Hier bedachte sich der Mahal eine Zeitlang,
richtete sich dann auf und sprach zum Herrn: »Herr, hältst du den für klug, der
ein überaus kunstvollstes Werk mit der größten und tauglichsten Zweckmäßigkeit
zuwege bringt, - wenn es aber in seiner höchsten Vollendung dasteht, da bricht
er es zusammen, wirft es in eine Grube, allwo es verfault und zunichte wird?!
04] Und der Herr sprach: »So das ein Werkmeister
zwecklos täte, da wäre er ein offenbarer Tor und wäre der Verdammnis wert; aber
wenn der Werkmeister damit einen höheren heiligen Zweck verbindet, der ohne
einen solchen dir töricht und unklug dünkenden Vorgang durchaus nicht zu
erreichen ist, da tut er sicher sehr klug und weise, wenn er solch ein wennschon
kunstvollstes Vorwerk vernichtend in eine Verwesungsgrube wirft, - denn er
erreicht dadurch ja einen höheren und heiligen Zweck!
05] Siehe, ein Samenkorn ist gewiß auch ein
höchst kunstvolles Werk sowohl in seiner Konstruktion, wie in den substantiellen
Teilen, aus denen es zusammengesetzt ist; findest du aber die Einrichtung
unklug, daß es in der Erde zuvor verwesen muß, auf daß es dann aus dieser
Verwesung hundertfältig wieder erstehe?!
06] Wenn aber der weise Werkmeister der Dinge
schon bei einem gemeinen Samenkorne eine solche Einrichtung getroffen hat,
meinst du da wohl, Er wird diese Einrichtung in ihrer höchsten Vollendung beim
Menschen auf die Seite gestellt haben und wird dies endlos vollkommenste Werk
bloß darum in die Grube der Verwesung stürzen, um Seiner Laune zu genügen?!
07] O Mahal, wie blind mußt du sein, wenn du an
Mir einen so törichten Werkmeister wähnst! Sagt es dir nicht dein eigen Gefühl,
daß du ewig leben möchtest und möchtest tiefer beschauen Meine endlos vielen
Werke?! Meinst du wohl, daß du dieses Gefühl hättest, so du nur für ein
zeitliches Dasein geschaffen wärest? Wahrlich, sage Ich, dein Schöpfer, es dir,
da würdest du auch nur einen zeitlichen und keinen ewigen Lebenstrieb haben!
08] Da du aber einen ewigen Lebenstrieb in dir
hast und kannst schauen hinaus ins Unendliche, da trägst du ja schon den
lebendigen Beweis in dir, daß du in deiner Grube nicht darum verwesen wirst, um
als ein allervollendetstes Werk Meiner Hand zunichte zu werden, sondern eben
erst durch dieses dir unklug scheinende Mittel das in Fülle und höchster
Vollendung zu erreichen, was du in diesem Vorwerke fühlst und für ewig lebendig
begehrst!
09] Siehe, die Erde ist ein Leib, aus dem vieles
geboren wird, und du weißt es nicht, wie das zugeht, daß da also geschieht; also
muß ja auch dein irdischer Leib wieder in die Erde gelegt werden, auf daß dein
geistiger, unzerstörbarer Leib frei in der Fülle zum ewigen Leben erstehe!
10] Daß sich aber die Sache also verhält, davon
hast du in deinem Leben schon die vielfachsten Beweise erlebt, indem du schon
mit gar vielen geredet hast, deren Leib auch in die Erde gelegt ist worden.
11] Ich meine, daß demnach dein Mir gemachter
Vorwurf unbegründet ist; daher schreite zu einem andern, denn damit wirst du
Mich zu keinem Schadenersatze nötigen!«
12] Als der Mahal solche Rede vom Herrn
vernommen hatte, da war er überzeugt, daß der Herr vollkommen handle in diesem
Punkte; aber er dachte da an den Satan und sprach zum Herrn:
13] »Herr, ich ersehe, daß da nach Deinem ewig
wahren Worte die Einrichtung mit Deinen Werken gut ist, indem Du sicher nur auf
diesem Wege mit Deinen Werken die höchsten Zwecke erreichen kannst; wenn aber
demnach alles gut und vollkommen von Dir ausgegangen ist und außer Dir in der
ganzen Unendlichkeit nichts ist und alles, was da ist, demnach Dir gleich gut
und vollkommen sein muß, - o sage, wessen Ursprungs ist demnach der Satan und
dessen unbegrenzte Bosheit? Woher nimmt er das, womit er nun alle Menschen gegen
Dich aufgewiegelt hat, daß sie Dich verachten und, so es möglich wäre, Dich
Selbst mit allen Deinen Werken vernichten möchten? O sage, wer da ist des Satans
Schöpfer und Werkmeister?!«
14] Und der Herr sprach: »O du blinder
Verfechter blinder Rechte deiner Selbstsucht, was redest du?! Hast du denn
vergessen, wie vollkommen Ich den Menschen geschaffen habe, daß er außer Meiner
Allmacht tun kann, was er will, wie ein zweiter Gott, nach einer frei von ihm
gestellten Ordnung?! Meinst du, der Satan als ein freies Wesen solle
unvollkommener sein als du?! Wenn du Mir gegenüber tun kannst, was du willst,
ohne Berücksichtigung Meiner Ordnung, solle das dem freien Geiste unmöglich
sein?!
15] Muß Ich euch nicht handeln lassen, wie ihr
wollt, so Ich euch nicht gerichtet haben will in Meiner Allmacht?! Wenn aber
also, da sage du, wie Ich den ersten Geist hätte gestalten sollen, daß er nach
deinem Sinne handeln müßte in Meiner Ordnung, dabei aber dennoch haben solle
eine vollkommene Willensfreiheit! Oder besteht die Vollendung der Wesen nicht in
dem nur, daß sie ganz frei wollen und tun können, - ob es nun für oder gegen
Meine Ordnung ist!«
16] Hier ward der Mahal schon wieder stumm und
wußte nicht, was er weiter reden solle.
17] Aber der Herr redete weiter, wie da folgt.