01]
Darauf zogen sie fürbaß, und keiner getraute sich, ein Wort an den Herrn zu
richten, obschon diesmal alle drei - also auch der Henoch nicht ausgenommen -
einen neu vorgefundenen Knoten in sich trugen, der sie in seiner Unentwirrtheit
mehr drückte denn ein viele Zentner schwerer Stein.
02] Da der Allwissende aber solches doch gar
wohl merkte, so wandte Er Sich auch alsobald an den Henoch und sagte zu ihm:
»Auch dir können noch Dinge vorkommen, über welche du wie eine Henne über hohle
Eier brüten kannst?!
03] Ich sage dir aber, es soll nicht also sein,
daß der Mensch in jegliche Tiefe Meiner Weisheit dringe in der Zeit; denn dazu
ist euch von Mir ein ewig's Leben ja bereitet!
04] Euch wohl will Ich lösen, das euch schwer
bedrücket; doch nur euch und niemand and'rem weiter sei's gesagt! Und so denn
höret Mich:
05] Ich bin ein Mann und Weib zugleich in Meiner
Gottheit Tiefen; nicht also doch, wie ihr's pflegt zu nehmen, sondern also nur:
06] Als Mann bin Ich die Liebe ewig selbst, das
freie Leben selbst und alle Macht und Tatkraft selbst, darum in jedem Mann als
Meiner Liebe vollem Ebenmaße sich die echte Liebe kündet, deren des eitlen
Weibes Brust wohl ewig nimmer fähig wird.
07] In solchem Meinem männlich Liebe-Ebenmaße
ist der Mann denn kräftig auch, Mir gleich, und mächtiger in seiner Brust, denn
alle Weiber sind in ihren losen Brüsten, die wohl Säugemilch dem Kindesfleische
bieten, doch des inn'ren Lebens Milch dem Geist' nicht bieten können, da des
hohen, starken Mannes Liebe nicht einwohnt ihrer Brust, obschon sie wohl
einwohnen könnte, wär' das Weib aus sich so eiteltöricht nicht!
08] Also bin Ich als Mann von Ewigkeit bestellt
aus Mir; ihr möget solches fassen!
09] Da Ich aber auch im Weibe bin zu Hause, muß
Ich da nicht auch das Weib ganz völlig in Mir fassen - Sicher; hört, wie konnt'
Ich sonst ein Weib erschaffen?!
10] Wie denn aber solches möglich sei, will Ich
sogleich euch etwas weise künden; denn im Weibe liegt ja List und Witz, ein
scharfer Sinn und Schlauheit stets begraben; also (ebenso) spricht das Weib auch
offen nie und pflegt stets ihr Licht und Herz zu bergen, darum auch der locker
baut, wer sich der Weiber Brust vertraut.
11] Also kann Ich aus Meiner Weibessphäre nicht
auch gleich verständig reden wie aus der des Mannes, da der weiblich Teil dem
Liebelicht entstammt aus Mir und als die Weisheit, wennschon nicht in sich, so
aber dennoch gleich dem Strahlenlichte ist, das hehr dem Urstammlicht entströmt.
12] Demnach ist denn das Weib in Mir der
Weisheit ewig strahlend Licht, das ewig fort und fort in gleicher Kraft und
Stärke in der Liebe wird erzeugt.
13] Diese Weisheit ist der Liebe Gottes ewig
eigentümlich unzertrennlich rechtes Weib, mit dem Ich ewig ein'ger Gott doch
alle Dinge hab' gezeugt und geschaffen, - und kein and'res Weib war ewig je
vonnöten Mir, dem ein'gen, ewig wahren Liebegott, dem Mann' von Ewigkeiten her,
dem Ersten ewig und dem Letzten ewig!
14] Ewig zeugte Ich mit diesem Meinem treu'sten
Weibe zahllos Milliarden Wesen, die da Mir beschaulich waren, wenn auch keines
sich da noch in sich beschauen konnt' und durfte.
15] Doch auch ewig war in Mir beschlossen,
einstens all die endlos viel in Meinem Geist' gezeugten Wesen frei zu stellen,
zu erkennen sich und Mich!
16] Ein Wille ward aus Mir getrieben, und ein
übermächtig ,Werde!' drang ihm nach durch all die endlos weiten Tiefen Meiner
ew'gen Gottheit Macht und helle leuchtend Walten.
17] Da ward aus all den ewig vielen
ausgegang'nen Strahlen - hört und faßt! - ein wesenhaftes Eins, ein Träger alles
dessen, was von Ewigkeit aus Mir, dem Mann und ew'gen Weib, in Eins ist je
geflossen in den wesenhaften Strahlen geistig tief, endlos und ewig klar.
18] Der Träger ist das neugeschaff'ne Weib und
ward gestaltet frei zu einem großen Sammelplatze alles wesenhaften Lichtes, das
von Ewigkeiten Mir in wesenhafter Fülle ist entströmt, damit in ihm die
ausgegang'ne Wesenfülle sich ausreife unter Meiner steten Gnadenstrahlenwärme
frank und frei, Mir schaulich gegenüber angenehm durch freies Leben und also
auch Mich beschaulich (das heißt beschauend) aus dem ihm von Mir gereichten
Liebelicht.
19] Und hört, die Zeugung ist gelungen; ihr
beschaut und faßt Mich euren Schöpfer, schon!
20] Doch noch ist nicht die Zeit der vollen
Reife und der Ernte voll gediehen; große Dinge brauchen große Zeiten auch!
21] Darum erfaßt solches, - aber schweiget; denn
in solchem Werdungsstreit' zur einst'gen großen Reife ist nicht gut zu
schwätzen!
22] Denn zu seiner Zeit werd' Ich wie euch,
schon wieder Meiner Erde neu es künden, und aus euch gar späte Kinder werden es
in sich gar finden und der Erde es entbinden! Amen.«
23] Hier schlugen sich die drei auf die Brust
und sprachen: »O du unendliche Weisheit Gottes! Wer wird dich ewig je
erfassen?!'
24] Der Herr aber sagte: »Schweigt nun von
allem; denn sehet, die Kinder eilen Mir schon entgegen mit ausgestreckten Armen!
Daher eilen auch wir ihnen entgegen! Amen.«