01]
Johannes antwortet: »Allerdings, Seinem Gottwesen und Willen nach ist Gott
unendlich und somit auch allgegenwärtig. Aber als wesenhafter Gottmensch und
wahrster Vater Seiner Kinder wohnt Er nur unter Seinen Kindern im Himmel der
Himmel!«
02] Spricht Satan: »Gut, du bekennst sonach die
Allgegenwart Gottes unwiderruflich. So sage mir gefälligst auch, ob Gott
allerhöchst weise und durchaus gut ist und daraus allwissend und allsehend? Und
wählt Er zur Erreichung Seiner Zwecke zufolge Seiner höchsten Weisheit und
endlosen Güte wohl auch alle Male die besten und tauglichsten Mittel?«
03] Antwortet Johannes: »Allerdings; denn Gott
ist in Sich die reinste Liebe, und diese kann nicht anders als ewig durchaus gut
und allerhöchst weise sein! Ich weiß aber schon, wo du hinauswillst; aber frage
nur zu, ich werde dir keine Antwort schuldig bleiben!«
04] Spricht Satan weiter: »Hat Gott wohl alles
erschaffen, was die Unendlichkeit faßt? Oder gibt es noch irgendeinen anderen
Gott, der das, was ihr 'böse' und 'schlecht' nennt, zwischen das von deinem
guten Gott Erschaffene gemengt hat? Oder hat der eine gute Gott aus Sich heraus
wohl Gutes und Böses erschaffen können?«
05] Spricht Johannes: »Im Anfang alles Werdens
und Seins war das Wort, das Wort war bei Gott, Gott war das Wort, und alle Dinge
sind durch dasselbe gemacht. Dies Wort ist dann auch Selbst Fleisch geworden und
hat unter dem geschaffenen Fleische Wohnung genommen; aber die Finsternis der
Welt hat es nicht erkannt.
06] Der Herr Selbst kam, alles neu zu schaffen,
zu den Seinen in Sein Eigentum. Aber diese Seinen erkannten nicht das Licht, die
Weisen der Welt nicht das ewige Wort und die Kinder nicht ihren ewigen heiligen
Vater. Denn du ganz allein hieltest aller Welt Sinne gefangen, auf daß sie Den
ja nicht erkennte, der da von Ewigkeit war, ist und ewig sein wird alles in
allem!
07] Da aber Gott allein Schöpfer aller Dinge ist
und es außer Ihm keinen Gott irgendwo gibt, so ist auch klar, daß alles, was aus
Seiner Hand hervorging, unmöglich anders als nur gut und vollkommen sein konnte.
08] Alle Geister gingen von Ihm aus so rein und
gut, wie Er es Selbst ist. Aber Er gab den Geistern die vollste Freiheit des in
sie gehauchten Willens, demzufolge sie alles tun konnten, was sie wollten. Und
um sie den Gebrauch dieser Gaben zu lehren, gab Er mit dem freiesten Willen auch
durch Ihn Selbst geheiligte Gesetze, die sie entweder beachten oder auch nicht
beachten konnten.
09] Und siehe, alle beachteten die Gesetze bis
auf einen! Dieser eine und erste, mit dem größten Erkenntnislichte begabt,
verschmähte die Gesetze Gottes aus seinem freien Willen heraus und widerstrebte
ihnen, nicht achtend der Folgen!
10] Dieser Geist verkehrte sonach in sich die
göttliche Ordnung mittelst seines freien, ihm von Gott eingehauchten Willens.
Auf diese Weise ist er gegenüber jenen Geistern, die ihren ebenso freien Willen
nicht mißbraucht haben, widerordentlich geworden und für sich selbst böse und
schlecht. Und er mußte sich dann, durch sich selbst genötigt, von der
Gesellschaft entfernen auf so lange, bis er nicht freiwillig umkehren und
eintreten wird in jene Ordnung, die der Herr allen Geistern gleich gegeben hat,
nämlich die Ordnung der Liebe.
11] Gott und uns allen nun rein himmlischen
Geistern gegenüber aber kannst du als der widerordentlich gewordene Geist
unmöglich böse sein, da du uns ewig nie schaden kannst. Böse und schlecht bist
du nur gegen dich selbst, weil du ganz allein nur dir schadest, solange du in
deiner Widerordnung verharrst.
12] Du hast mich nun fangen wollen. Denn du
meintest, ich werde genötigt sein zu sagen, daß Gott auch Böses erschaffen habe,
weil du als ein böser Geist auch ein Geschöpf Gottes bist. Aber wo du hindenkst,
bin ich schon um eine Ewigkeit voraus und kenne schon zu gut alle deine
kniffliche Weisheit! Daher rate ich dir auch ernstlich: behalte deine künftigen,
noch allfälligen Fragen, so sie auf meinen Fang gezielt sein sollten, denn mit
mir wirst du ewig keine Wette gewinnen!
13] Ich sehe es deinen Schalksaugen an, daß du
mir am Ende deiner Fragen sehr gerne bewiesen hättest, daß wir im Ernste von
Gott die unreinsten und Seiner unwürdigsten Begriffe hätten. Dies, da wir bei
unseren Erkenntnissen am Ende doch selbst bekennen müßten: es gäbe entweder zwei
Götter - einen guten und einen bösen -, oder der eine Gott sei ein Zwitter und
somit ein Pfuscher Seiner Werke. Aber siehe, dem ist nicht also, sondern gerade,
wie ich es dir nun gezeigt habe.
14] Wohl aber wäre Gott dann unvollkommen, so Er
den geschaffenen Geistern nur einen gerichteten und keinen vollkommen freiesten
Willen hätte einhauchen können. Davon lieferst aber du selbst den
allermächtigsten Gegenbeweis! Denn wie ungeheuer frei und vollkommen Gott alle
Geister und damit auch dich erschaffen hat, ist eben daraus am hellsten zu
ersehen, daß du, obschon kreuz und quer dem Außen nach gerichtet, dich doch dem
Schöpfer schnurgerade entgegenstemmen kannst, solange du nur willst. Du kannst
aber auch ebensogut wie wir alle vollkommen frei nach dem Willen des Herrn
handeln!
15] Ich sage dir, im ganzen Himmel gibt es
keinen Geist, der einen größeren Beweis für die unbegrenzteste Vollkommenheit
Gottes geben könnte, als gerade du! Du bist sozusagen das größte Meisterwerk des
Herrn und kannst daher auch dem Herrn gegenüber kein Pfuschwerk sein!
16] Daraus aber muß nun auch klar sein, daß du
mich mit deiner Verkehrtheit nie fangen wirst; denn was du weißt, das weiß ich
schon lange! Und das ist wieder ein neuer Beweis für die endlose Vollkommenheit
Gottes, daß ich - als ein aus deinem Wesen gelöster Geist - dir in all deinem
Wollen auf das mächtigste widerstehen kann!
17] Was sagst du nun? Hast du etwa für mich noch
einige Fangfragen in Bereitschaft? Nur heraus mit ihnen, ich werde dir jede
gehörig beantworten!«
18] Hier stutzt Satan gewaltig und kommt in
große Verlegenheit; denn er findet nicht, was er nun dem mächtigen Johannes
erwidern soll.