Die für
uns wichtigsten Fragen lauten: Was ist die Erlösung? - Warum war die Erlösung
neben den zehn Geboten Mosis nötig, da zur Wiedergeburt nichts als die Haltung
der Gebote aus reiner Liebe zu Gott benötigt wird? - Warum mußte denn der Allmächtige
von Seinen Geschöpfen so zugerichtet werden und mußte wie ein Verbrecher den
Kreuzestod erleiden, um ihnen die Seligkeit und das ewige Leben geben zu können?
Genügte denn Seine reinste Lehre nicht? (5.GEJ 247,2) - Inwieweit ist die Erlösung
für uns Menschen da und wie können wir Teil an ihr nehmen? (3.Hi. Seite 9,2)
Um
diese Fragen beantworten zu können, müssen wir zurückgehen bis zu der Zeit,
als Gott noch keine Wesen aus Sich hinausgestellt hatte, denn zuerst waren sie
nur in Seinen Gedanken geschaffen. Da war der Raum noch wesenleer und nur die
Kraft, die der Geist Gottes oder der Geist Seines Willens war, erfüllte von
Ewigkeit her die Unendlichkeit. Dieser endlose Raum aber hatte einen
Mittelpunkt, der ebenfalls von Ewigkeit her war. Dieser Mittelpunkt ist das
wesenhaft (oder als Wesen) gestaltete Gottheitszentrum, in dem alle Macht und
Kraft dieses unendlichen Geistes vereinigt ist zu einem Wirken. Dieses
Machtzentrum des unendlichen Gottesgeistwesens ist die Liebe oder das Leben in
der Gottheit. (2.HG 139,20)
Die
Gottheit aber gefiel Sich in Ihrer Liebe und drängte Sich zu Ihr. Alle Mächte
und alle Kräfte stürmten auf die Liebe los, so daß es Ihr immer heißer und
heißer ward. Da entstand ein großes Rauschen, Brausen und Toben und die Liebe
ward geängstigt und gedrückt von allen Seiten, so daß Sie bis ins Innerste
erbebte! Und das Rauschen ward zum Tone, der Ton aber ward in der Liebe zum
Worte, und das Wort sprach: „Es werde
Licht!“ Da entzündete Sich die Liebe und es ward Licht in allen Räumen
der Unendlichkeit. Das Wort oder Licht war aber nicht erst in der Folge des
Urgottseins entstanden, sondern war mit Gott der ewigen Liebe Selbst Gott und
damit ewig. (1.GEJ 1,9) Und Gott sah in Sich die große Herrlichkeit Seiner
Liebe, sah die unendliche Zahl der Gedanken in Ihr, von denen jeder ein Wesen
war, stärkte die Liebe mit Seiner Kraft und verband Sich so auf ewig mit Ihr.
(1.HG 5,2-4)
Wir
werden dann noch hören, wie diese Verbindung durch den Fall der Geister und
durch den Fall Adams wieder eine Trennung erfuhr, bis sie durch den Tod Jesu auf
Golgatha für ewig unverbrüchlich wurde und die ewige Liebe Sich die Gottheit
untertan machte, die Ihr alle Macht, Kraft und Gewalt übergab.
die
Ursache unseres Seins war die ewige Liebe, und somit ist die ewige Liebe unser
Vater. aus der Flamme der entzündeten
Liebe, d.h. aus dem Vater, ging das Wort oder Licht, das aber ewig schon in der
ewigen Liebe war, hervor und das ist die Weisheit und wird der Sohn genannt. Das
Feuer oder die Liebe ist sonach Gott und das Licht oder die Weisheit ist
ebenfalls Gott, denn beide sind ungeschaffen. Die Liebe und die Weisheit sind
aber nun nicht zwei Götter, sondern nur die zwei Grundeigenschaften des einen
Gottes und sind erst zusammen eine Person, denn jede Person hat Liebe und
Weisheit. Jede dieser zwei Grundeigenschaften kann aber, wenn Sie für Sich
allein etwas zum Ausdruck bringen will, von Sich als Gottheit sprechen.
Aus
diesem Grunde haben wir in der Neuoffenbarung verschiedene Betrachtungsweisen
von Vater und Sohn, die nicht miteinander vermischt werden dürfen, weil solch
eine Vermischung keine klare Vorstellung von Gott ergibt. Zumeist wird in diesem
Werk von der ewigen Liebe als Gottheit und Vater und von der Weisheit als Sohn
gesprochen. Wir aber wollen uns nun mit der weniger bekannten Betrachtungsweise
beschäftigen, in der die Weisheit Gottheit und Vater und die ewige Liebe ihr
Sohn ist.
die
Gedanken der Liebe, die selbst Liebe waren und ohne Zahl, gingen in die Gottheit
(Weisheit) über und die Liebe in der Gottheit sprach: „Lasset
Uns die Gedanken der Herrlichkeit festhalten und heraustreten, daß sie frei
werden und Uns empfinden und sehen, wie Wir sie empfinden und sehen und Wir sie
empfanden und sahen, ehe noch das Licht ihre Formen erleuchtete!“ –
Dieses Wort ging in die Gottheit (Weisheit) über, wodurch sie überall Liebe ward. „Da
sprach die Gottheit zum ersten Male: ‘Es werde!’ Und es ward ein Heer der
Geister aus Gott frei, deren Zahl kein Ende hat, und die Liebe sah Sich Selbst
verunendlichfältigt.“ (1.HG 5,5-7) Das war der Anfang unseres Seins als
Geist vor undenklich langen Zeiten und der Beginn der jetzigen Schöpfungsperiode.
Nachdem
die Geister ihre Willensfreiheit erhielten, entzündete sich der Oberste der
drei erstgeschaffenen Geister, der dem Lichte der Gottheit entsprach, (Satana
oder Luzifer der Lichtträger) in seiner Begierde, um sich der Gottheit vollends
zu bemächtigen. Durch ihn entzündete sich ein großer Teil der Geister mit,
die durch ihn geschaffen wurden. Die Folge war, daß sich neben Gott eine der
Ordnung entgegengesetzte Kraft bildete, die Seinem freien Wirken Störungen
entgegensetzte. Doch Gott müßte Selbst unvollkommen sein, um neben Sich eine
Unvollkommenheit zu dulden. (EM 27,13) Da erbrannte die Gottheit (die Weisheit
in Ihrer Gerechtigkeit) in Ihrem Grimme und schleuderte, durch die zwei niederen
Geister der drei, die böse Rotte in die Tiefe der Tiefe Ihres Zornes. (1.HG
5,14) Oder anders gesagt: Die Geister verloren nach langen Zeiten des Falles
durch ihr widergöttliches Handeln schließlich ihr Bewußtsein, ihre Seelen lösten
sich auf und verdichteten sich zu Materie. Die Materie aber ist der Tod, der
reine Geist ist das Leben. Zwischen Materie und Geist besteht eine große Kluft,
die nur schwer überbrückbar ist. Diese Kluft verdeutlicht die Unvereinbarkeit
zwischen Gottes ewiger Ordnung und der Widerordnung. (2.RB 227,2) Materie und
Geist stehen sich so schroff gegenüber, wie die entgegengesetzten Pole eines
Magneten. Das bedeutet jedoch nicht, daß die Materie nie mehr geistig werden
kann, aber die Geister, die einmal zu Materie geworden sind, können sich selbst
unmöglich wieder davon befreien. Deshalb mußte den Gefallenen geholfen werden.
Zwar konnten sie bis zum Rand der großen Kluft geführt werden, aber da sich
Materie und Geist nicht berühren können, mußte über die Kluft eine Brücke
gebaut werden. Es mußte ihnen ein Weg gebahnt werden, den sie dann selbst gehen
konnten und der sie aus der Materie wieder zum Geist zurückführen würde.
Da ereignete sich in Gott folgendes: „Und
es dauerte die Liebe der Verlorenen; aber die Gottheit (Weisheit)
erbebte
in Ihrem Grimme, und es ward gehört in allen Räumen der Unendlichkeit Gottes
ein großer Donner. Und der Donner drang bis zum Innersten der ewigen Liebe, und
die Liebe allein verstand den Donner der Gottheit, und der Donner ward in Ihr
zum Worte und sprach: ‘Alle Macht sei Dir untertan; tue nach Deinem Gefallen
und sprich ‘Es werde!’, und es wird sein! Und siehe, die Liebe wurde gerührt
bis ins Innerste, und es floß die erste Träne aus dem Auge der ewigen Liebe,
und diese Träne floß aus dem Herzen der Gottheit und hieß und heißt und wird
ewig heißen die Erbarmung.“
(1.HG 5,21-22)
Der
Entschluß war gefaßt; Gott erbarmte Sich der Gefallenen und die ewige Liebe
sollte die vom Schöpfer getrennten Geister zurückführen. Dazu wurde Ihr von
der Gottheit freies Handeln und alle Macht eingeräumt. Um zu dieser
Entscheidung zu kommen, hatte Sich Gott die grundlegende Frage stellen und auch
beantworten müssen: „Was sollte mit der
getrennten Unzahl (an Geistern)
werden? Sollte sie für ewig zugrunde gehen oder sollte sie, nur Mir allein möglicher
Weise, zurückgeführt werden? - Siehe, das war selbst für Mich, den Allmächtigen
und allerhöchst endlos weisen Schöpfer, keine so geringe Frage! Denn lasse Ich
sie zugrunde gehen, so ist auch in Mir der Tod zu Hause. Führe Ich sie aber zurück,
dann ist die unantastbare Heiligkeit Meiner urewigsten Ordnung gefährdet. - Was
war und ist sonach hier zu tun? - Siehe, die Löse dieser großen Fragen liegt
jetzt noch vor deinen Augen, und gar viele Ewigkeiten werden damit nicht fertig
werden! Worin aber bestand diese, besteht sie jetzt noch und wird sie ewig
bestehen? - Die Liebe, als das alleinige Leben in Gott, mußte sich (von der
Weisheit) gewisserart trennen, die
getrennte (die vom Schöpfer abgefallene)
Unzahl der Geister ergreifen, sie binden mit ihrer Macht und aus ihnen gestalten
zahllose Weltenmassen (Weltkörper) aller endlosen Arten nach der Beschaffenheit der Geister, die darin
eingefangen wurden.“ (2.Hi. Seite 135,4-7)
Gott
konnte die Gefallenen und im Gericht und Tode sich befindenden Geister nicht
ewig im Tode belassen, denn dann wäre auch in Gott für ewig der Tod vorhanden
gewesen. Er konnte den gerichteten Geistern aber auch nicht einfach die Freiheit
wiedergeben, ohne daß sie im freien Willen zur Ordnung Gottes zurückgekehrt wären,
denn dann wäre Seine seit Ewigkeit geltende Ordnung umgestoßen worden. Gott mußte
deshalb einen Weg finden, der die gefallenen Geister wieder zur Ordnung Gottes
zurückführte, ohne daß Seine Gerechtigkeit und Heiligkeit verletzt würde.
Dazu mußte Sich die ewige Liebe von der Gottheit (Weisheit) trennen, denn die
Weisheit in Ihrer Gerechtigkeit und Heiligkeit konnte und durfte Sich nicht mit
dem befassen, was unrein geworden war. Die Liebe aber scheut Sich nicht, Sich
auch der Verworfenen anzunehmen. (2.RB 157,5) Durch die Trennung konnte die
ewige Liebe nun zunächst allein handeln, die Gefallenen ergreifen, sie in der
Materie binden und die Materie zu Weltkörpern gestalten, ohne daß die
Heiligkeit Gottes verunreinigt worden wäre.
Hier
können wir die Frage stellen: Wie war es möglich, wenn die Liebe und die
Weisheit nur eine Person ist, daß sie sich trennen konnten? - Die Antwort
lautet: Weil eben die Liebe und die Weisheit nur eine Person ist, so war es auch
keine vollständige Trennung, die zwischen der Weisheit und der ewigen Liebe
stattfand, sondern nur eine teilweise. Es blieb eine untrennbare Verbindung
zwischen beiden bestehen. Die Trennung ging aber doch so weit, daß Gottes
Heiligkeit in den Hintergrund trat, Seine Kraft der ewigen Liebe unterstellte,
die nun die vorrangig Handelnde wurde.
In
der Materie, die aus zahllosen Weltkörpern besteht, waren nun die Geister
gefangen und ihre Seelen in Atome aufgelöst. – Auf welche Weise sollten sie
nun aber zurückgeführt werden, daß sie nicht nur wieder die Stufe erreichten,
die sie vor dem Fall hatten, sondern darüber hinaus auch zur vollen Freiheit
und Selbständigkeit der Gotteskindschaft gelangen könnten? - Die Materie
aufzulösen und den Geistern nach einer gewissen Zeit der Gefangenschaft auf
einmal die Freiheit wiederzugeben, hätte nicht zum Ziele geführt, weil sie
dann wieder gefallen wären. (3.Hi. Seite 342,18-21) Deshalb machte die ewige
Liebe die Weltkörper zu Rückführungsstationen, auf denen die Seelenatome aus
kleinsten Anfängen durch die Durchschreitung des Mineral-, Pflanzen- und
Tierreiches sich läutern und immer höher entwickeln konnten, bis sie wieder zu
der Form zusammengesetzt waren, die sie ursprünglich besaßen.
Nachdem
die Seelenatome viele Leibeswandlungen durchgemacht haben, ist die äußere Form
in der menschlichen Gestalt zum Abschluß gekommen. Deshalb begegnen sich im
Menschen zwei Prinzipien: Zum einen das Ende der Entwicklung zur menschlichen
Form, in der die Seele ihr Selbstbewußtsein wiedererlangte und in welcher die
ewige Liebe Seele und Geist dem Tode entriß und zum anderen der Anfang der
Seelenvollendung in der höchsten Willensfreiheit, in der der Mensch, zwar noch
ohne Rückerinnerung in der Materie steckend, die volle Selbständigkeit
erlangen soll. Als Mensch sollen die gefallenen Geister dann im freien Willen zu
Gott zurückkehren, d.h. sie sollen sich von der Materie und all ihren
Begierlichkeiten lösen und durch ein Leben in der Liebe und Demut Gott wieder
ähnlich werden.
Adam
sollte als erster vorangehen. Er sollte die Brücke über die große Kluft
zwischen Materie und Geist bauen. (11.GEJ 75,3-5) Er sollte den Weg bahnen und
alle seine Nachkommen wären ihm gefolgt. Einen Weg zu bahnen bedeutet aber, es
mußte gleich die erste Probe seines freien Willens die Entscheidende sein.
Dabei bestand die Gefahr, daß Adam die Willensfreiheitsprobe nicht bestehen könnte,
wodurch er und durch ihn alle seine Nachkommen, erneut in die Materie zurückfallen
würden, was dann ja auch geschehen ist.
Die
ewige Liebe unterrichtete das neugeschaffene Paar in allem und lehrte sie alle
Dinge kennen, benennen und gebrauchen. Als sie alles verstanden hatten und
gebrauchen konnten, sprach die ewige Liebe zu ihnen: „Nun sehet, ihr erlerntet nun alles, ihr kennet nun alles und könnet
den Gebrauch machen von allem bis auf eines, und dieses Letzte will Ich euch
jetzt lehren und die Kraft in euch legen zur Fortzeugung und Fortpflanzung
euresgleichen; aber ihr dürfet davon erst dann Gebrauch machen, wenn Ich
wiederkommen werde, euch bekleidet werde finden mit dem Kleide des Gehorsams,
der Demut, der Treue und der gerechten Unschuld. Wehe aber euch, so Ich euch
nackt finde; Ich werde euch verstoßen, und der Tod wird die Folge sein!“
(1.HG 7,15) Da verdeckte Sich die ewige Liebe Ihr Angesicht und entfernte Sich
auf eine bestimmte Zeit, damit sich die Neugeschaffenen in ihrer Probe frei
entscheiden konnten, denn zur völlig freien Willensentscheidung gehört, daß
es nicht schon im Voraus feststeht, wie sich jemand entscheiden wird. Jesus
sagt: „Sieh, Ich kann zwar alles wissen
schon von Ewigkeit her, was mit einem Menschen wird, wenn Ich es wissen will;
aber auf daß der Mensch in der Reife seiner Jahre völlig frei und unbeirrt
handeln kann, so ziehe Ich auf eine bestimmte Zeit Meine Augen von ihm ab und
nehme keine Wissenschaft von seinem freien Handeln, außer er bittet Mich inständigst,
ihm zu helfen beim freien Kampfe mit der Welt. Da sehe Ich Mich nach ihm um,
helfe ihm auf den rechten Weg und verleihe ihm beim Kampfe mit der Welt die nötige
Kraft.“ (2.GEJ 137,16)
Von
allen Bäumen im Garten durften sie essen, nur von dem einen Baum, dem Baum der
Erkenntnis des Guten und Bösen, sollten sie nicht essen; d.h. sie durften von
allem Gebrauch machen, was ihnen die ewige Liebe gezeigt hatte, nur von dem
einen noch nicht und das war der Zeugungsakt. Von diesem sollten sie erst dann
Gebrauch machen, wenn sie die sinnliche Begierde überwunden und damit in der
Lage gewesen wären, in Reinheit zu zeugen. Würden sie aber den materiellen Wünschen
oder fleischlichen Begierden nachgeben, so würden ihre Seelen wieder in die
Materie zurücksinken. Da gelüstete es die Eva stark nach der Frucht des
Baumes, von dem sie nicht essen sollten. Adam bemerkte, wie die Begierde in der
Eva emporstieg, was ihm sehr gefiel. Da entbrannte auch Adam in seiner Begierde
und sie genossen, nachdem er zunächst der mahnenden Stimme der ewigen Liebe Gehör
schenkte, von der verbotenen Frucht mit wollüstiger Begierde. Im ersten Buch
Mose heißt es in der Bildersprache: „Sie
nahm von der Frucht des Baumes und aß und gab zugleich auch ihrem Manne davon,
und er aß.“ (1.Mos. 3,6)
Nach
dem Sündenfall erkannten Adam und Eva, daß sie nackt waren, denn sie hatten
sich nicht bekleidet mit dem Kleide des Gehorsams. Sie schämten sich ihrer
Nacktheit und bedeckten sie mit Blättern von einem Feigenbaume. Adam verbarg
sich in einer Höhle und weinte Tränen großen Schmerzes, und die Eva verbarg
sich hinter einem Dornstrauche und trauerte gewaltig über ihre verführende
Schuld. (1.HG 8)
Was
sich nun nach dem Sündenfall zwischen der Gottheit (Weisheit) und der ewigen
Liebe abspielte und anschließend zitiert ist, war so gewaltig, daß wir es kaum
fassen können, was da in Gott vorgegangen ist. Es heißt in der „Haushaltung
Gottes“: "Siehe zu, wie Ich, die
ewige Liebe, sie fand, nackt, verlassen, weinend und trauernd in gerechter Reue
und gerechter Scham, und rief hervor den Adam und zog hervor die Eva.
Und siehe, sie getrauten sich nicht anzuschauen das Angesicht ihres Vaters; denn sie waren erschreckt von einem großen Donner des todbringenden Gerichtes aus der Tiefe des Grimmes der Gottheit.
Und die
Zornflammen Gottes, des Unendlichen, wälzten sich furchtbar durch alle endlosen
Räume zur Erde hinab, auf welcher die große Liebe nun weilte bei Ihren reuigen
und trauernden gefallenen Kindern, geschaffen durch Ihre erbarmende Gnade.
Und siehe, da gab
es einen heißen Kampf zwischen der durch die Reue und Trauer der Geschaffenen
Sich wieder erbarmenden ewigen Liebe und zwischen der alles zerstören
wollenden, ergrimmten Gottheit zur Sühnung Ihrer unbestechbaren Heiligkeit.
Denn siehe, die
Zornflammen der ergrimmten Gottheit stürzten schneller denn Blitze zur Erde
nieder, drangen bis in die Mitte derselben und entzündeten dieselbe in und an
allen Orten und Enden, und es schlugen die verzehrenden Flammen bis an den Mond,
bis an die Sonne, - ja sie ergriffen alle Sterne! Und siehe, da war die ganze,
unermeßliche Unendlichkeit ein Feuermeer, und furchtbare Donner rollten durch
alle endlosen Räume, und es heulte die Erde, und es tobte das Meer, und der
Mond weinte, und die Sonne wehklagte, und alle Sterne schrien lauter denn alle
Donner, von zu großer Schmerzensangst der ewigen Vernichtung gedrückt, und
ihre großen Stimmen widerhallten furchtbar dröhnend aus den endlosen Tiefen
des Grimmes der Gottheit. Und die Stimmen riefen: ‘Großer, erhabener Gott,
besänftige Deinen großen Zorn, und lösche die vernichtenden Flammen Deines übergerechten
Grimmes, und schone der Schuldlosen in Deiner Heiligkeit; denn Deines Zornes
Feuergrimm wird zerstören die Gerechten und wird vernichten die ewige Liebe in
Dir und wird Dich Selbst gefangennehmen in Deiner übergroßen Macht und Kraft
der Heiligkeit!’
Und siehe und höre
mit offenen Augen und offenen Ohren, was da die zornergrimmte Gottheit sprach;
jedoch die Sprache verstand niemand denn allein die ewige Liebe, die in der Zeit
des Zorngrimmausbruchs der Gottheit das reuige neugeschaffene Paar schützte auf
der heulenden Erde und wehrte ab der großen Zornflamme des Grimmes, zu
ergreifen die Reuestätte Adams und die Trauerstätte Evas, durch die große
Macht und Kraft Ihrer Barmherzigkeit.
Und nun höre und
verstehe wohl die Schauerworte des Zornes aus der Tiefe des Grimmes der
Gottheit, und sie lauteten: ‘Was nützt Mir das Heulen und Toben der Erde, was
das Weinen der Monde, was das Wehklagen der Sonnen, und was das Jammergeschrei
der Sterne?! Denn Ich bin allein, verlassen von Meiner Liebe, die Mir untreu ist
geworden und Sich von mir entfernt hat hinab zur Erde zum Auswurf der Bosheit
zwiefältig! Was soll Ich ohne Sie? Daher will Ich zerstören alle Ihre Werke
aus dem Fundamente und vernichten alles, damit nichts da sei, was Meine Liebe
von Mir in alle künftigen Ewigkeiten der Ewigkeiten vermögen sollte abzuziehen
und zu entfernen! Und Ich will bleiben Gott, der Alleinige, in alle Ewigkeiten
der Ewigkeiten, wie Ich war von Ewigkeiten der Ewigkeiten her. Und du, morsches
Gebäude der Schöpfung Meiner schwach gewordenen Liebe, stürze zusammen in
nichtige Trümmer, ins Nichts, damit Ich Meine Liebe wiederfinde und Sie wieder
stark mache durch die Macht und durch die Kraft Meiner ewigen Heiligkeit.
Amen!’
Und siehe, da lösten
sich die Bande der Schöpfungen in allen Räumen der Unendlichkeit Gottes, und
es stürzten die Trümmer durch die weiten Räume unter großem Krachen,
Donnern, Heulen, Toben, Brausen und Sausen in die Tiefen der Tiefen ihrer
Vernichtung zu, und diese war die Erde selbst, die ebenfalls zertrümmert lag im
weiten Schoße der erbarmenden Liebe.
Und die
Neugeschaffenen bebten vor Angst ob des fürchterlichen Anblicks dieser großen,
vernichtenden Schauderszene, deren Größe kein geschaffener Geist je in ihrer
ganzen Fülle ganz erfassen wird; denn sie war unendlich.
Und nun siehe und
höre weiter, was die erbarmende Liebe da sprach und tat! Vernimm die Worte der
Liebe in ihrer Macht, und schaue die großen Taten der Barmherzigkeit in ihrer
Kraft, und höre und verstehe wohl die Worte, welche so lauteten: ‘Großer,
allmächtiger Gott aller Macht, aller Kraft und aller Heiligkeit! Ziehe zurück
Deinen großen Zorn, und lösche aus das Feuer Deines alles zerstörenden
Grimmes, und höre in der Ruhe Deiner Heiligkeit die Worte Deiner ewigen Liebe,
welche das alleinige Leben ist in Dir, ewig wie Du und mächtig und stark wie Du
(und Du) aus Ihr und Sie aus Dir, und wolle nicht vernichten das Leben in Ihr
und Dich durch Sie, sondern lasse Gnade für Recht ergehen, und lasse genugtun
die Liebe Dir, und fordere Sühnung für Deine verletzte und gekränkte
Heiligkeit, und Deiner Liebe wird kein Opfer zu groß sein, das Du von Ihr
fordern möchtest zur ewigen Sühnung Deiner Heiligkeit!’
Und nun siehe und
höre und verstehe wohl, was darauf geschah und was die Gottheit darauf
erwiderte! Es dämpfte sich das Feuer, und aus allen Räumen wehte ein sanfterer
Hauch, untermischt mit noch stark rollenden Donnern durch die fliegenden Trümmer
der aufgelösten Welten, welche von einer Unermeßlichkeit bis zur andern gleich
großen Blitzen noch brennend zuckten. Und die Liebe verstand den Donner Gottes,
welcher heftig sprach: 'Ich will alle Schuld auf Dich legen, gleich den Welttrümmern
auf die Erde, und Du sollst tilgen die Schmach Meiner Heiligkeit, welche das
ewige Band ist zwischen Mir und Dir! Und siehe, Ich verfluche die Erde, damit
kein Fleck besudle Meine Heiligkeit und Ich werden würde gleich Dir ein
unheiliger Gott. Und dieser Fluch sei Deiner Schuld anheimgestellt, die Du auf
Dich zu nehmen hast und zu tilgen für Meine Heiligkeit und zu waschen die Erde
mit Deinem Blute vom Fluche der Schande durch die Sünde Adams!'
Und siehe, höre
und verstehe wohl, was darauf die Liebe entgegnete und sprach: 'Großer, überheiliger
Gott aller Macht und Kraft! Es geschehe nach Deinen Worten!'
Und siehe, da
erlosch auf einmal all das Feuer auf der Erde und in allen den Schöpfungsräumen!
Und die Trümmer der zerstörten Sonnen, Erden und Monde wurden wieder
zusammengefügt durch die Macht und Kraft der von der Gottheit erhörten Liebe
und ordneten sich wieder, wie sie geordnet waren im Anfange ihrer Entstehung.
Sie behielten aber zu ewigen Zeichen die unvertilgbaren Spuren ihrer damaligen gänzlichen
Zerstörung gleich den Wundmalen der ewigen Liebe, die später in der großen
Zeit der Zeiten für alle am Kreuze blutete.
Und es blieben
auch noch hier und da anderweltliche Trümmer liegen auf der Oberfläche, in den
Tiefen und den Meeren der Erde zu Zeichen der Macht und Kraft Gottes und
zugleich aber auch als sprechende Zeugen der übergroßen Taten der erbarmenden
Liebe.
Und siehe und höre
weiter und verstehe es wohl, was nun ferner geschah: Als nun die ewige Liebe die
Anforderungen annahm und dadurch schon im voraus der großen Heiligkeit Gottes
Genüge tat, da ließ die Gottheit in sanfterem Rauschen und Wehen, abermals nur
der Liebe verständlich, Ihren heiligen Willen vernehmen und sprach in der Rede
voll sanften Tones, wie folgt: ‘Siehe, Deine große Barmherzigkeit ist in Mir
aufgestiegen und ist getreten vor Meine allsehenden Augen, und Ich habe erkannt
in der Ruhe Meiner Heiligkeit Deine große Aufrichtigkeit und ewige Treue und
habe gezählt die Reuetropfen Adams und die Trauertropfen Evas und bin mitleidig
geworden durch Deine große Erbarmung durch und durch.
Und siehe, daher
will ich Meine Gerichte zurückziehen in dieser Zeit und nach Deinem Verlangen
Gnade für Recht ausströmen lassen in großer Fülle und will den Schaden,
welchen Meine Gerichte angerichtet haben, wieder gutmachen. Und außer Mir kann
niemand etwas gutmachen denn Ich allein, da niemand gut ist denn Ich, der
heilige Vater; denn das sei Mein Name fürder ewiglich. Und Du, Meine Liebe,
bist Mein Sohn; und die Heiligkeit als das mächtig allwirkende Band der Kraft
zwischen Uns und zwischen allem, was von Uns ausgegangen ist, sei der heilige
Geist, der erfüllen soll alle Räume der Räume und alle Unendlichkeiten der
Unendlichkeiten in alle Ewigkeiten der Ewigkeiten, amen. Und das sagt nun der
gute, heilige Vater. Amen.
Und nun sage Du,
Mein geliebter Sohn, auch dem reuigen und trauernden Paare - und grabe ihnen das
Gesagte tief in ihre Herzen -, daß sie die Gebote der Liebe und der Erbarmung
bis an ihr Lebensende halten sollen unverbrüchlich, und Ich will ihnen dann
einen Mittler zwischen Mir und ihnen zur Zeit, die Ich bestimmt habe, senden, zu
tilgen die große Schuld und zu erleichtern die große, schwere Last ihres
Ungehorsams.
Bis dahin aber
sollen sie verharren in aller Geduld und Sanftmut, und das (geistige) Brot, das Ich ihnen derzeit nur kärglich geben will, sollen sie
dankbar im Schweiße ihres Angesichtes genießen und sollen nicht satt werden
bis zur Zeit des Mittlers, den Ich erwecken werde aus ihrer Mitte vollkommen und
gut, wie Wir vollkommen und gut und heilig sind ewig.
Und sage ihnen
noch hinzu, daß Ich Meine Gerichte nur eingestellt habe für jene, die Meine
strengen Gebote halten werden pünktlich. Den Übertretern aber seien sie für
alle Ewigkeiten in aller Strenge der ewig heiligen Wahrheit angedroht in der
genauesten Erfüllung bei der geringsten Übertretung!
Das spricht der
heilige und alleinig gute Vater durch Seinen Sohn, der die ewige Liebe in Ihm
ist, und durch den heiligen Geist als der wirkenden Gnade aus Uns Beiden zur
einstigen Vergebung der Sünde, welche nun ihre Leiber mühselig machen und dann
aber allezeit töten soll zeitlich zur Erlangung des Lebens nach dem Tode des
Leibes nach der Zeit des versprochenen Mittlers. Das sagt der alleinig heilige
und alleinig gute Vater. Amen.’“
(1.HG 9,6-31).
Mancher
wird sich jetzt vielleicht fragen, nachdem er Vater und Sohn miteinander reden
gehört hat: Besteht Gott nicht doch aus mehreren Personen, wenn die Gottheit
und die ewige Liebe miteinander reden wie zwei verschiedene Menschen? - Nein,
denn in der Haushaltung Gottes lesen wir: „Während
Er, der Heilige, mit Seiner Rechten alles vernichtet im Zorne, der Entheiligung
durch die Sünde des großen Frevlers wegen, schützt Seine gleich heilige Linke
den weinenden Sünder!“ (1.HG 36,13) Aus diesem Vers ersehen wir, daß
Gott nur eine Person ist, die aber in ihrem Wesen zwei sich gegenüberstehende
und ergänzende Seiten oder Eigenschaften hat. Seine Rechte entspricht der
Weisheit und Seine Linke der Liebe. Es reden also nicht zwei Personen
miteinander, sondern es wird uns Menschen der Kampf zweier gegensätzlicher
Eigenschaften, als innere Vorgänge in dem einen Gott, welche die Neugestaltung
Gottes einleiteten, durch Rede und Antwort verständlich gemacht, damit wir überhaupt
begreifen, was da vor sich ging. Es ist das auch wie ein inneres Rathalten oder
tiefes Nachdenken zur Bewältigung von Problemen, das sich bis zu einem inneren
Ringen steigern kann. Auch in uns findet manchmal solch ein Ringen statt. Auch
wir stehen manchmal vor der Entscheidung: Sollen wir die Gerechtigkeit oder die
Liebe walten lassen. Auch solch ein in uns stattgefundenes Ringen könnte in
Rede und Antwort dargestellt werden. (3.Hi. Seite 344,30-31)
Es
wird sich sicher auch mancher fragen, warum die Gottheit wegen einer kleinen Sünde
so erzürnt war, daß Sie die ganze Schöpfung zerstören wollte. (Hier muß
noch gesagt werden, daß der Zorn Gottes nicht wie der Zorn eines Menschen ist,
sondern er ist Gottes Liebeseifer 2.HG 231,35 oder der stets gleiche und feste
Ernst Seines Willens. 4.GEJ 141,3) Später sündigten die Menschen viel
schlimmer als das erste Menschenpaar. Warum also wollte Er da die Schöpfung
zerstören? - Das hat folgenden Grund:
Wäre
Adam der Versuchung widerstanden, so hätte er in sich den Keim zur Sünde
vernichtet. Durch seinen Fall aber hat er diesen Keim nicht nur nicht
vernichtet, sondern der ganzen nachfolgenden Menschheit weitervererbt und es war
dadurch das Zurücksinken seiner Nachkommen in die Materie geschehen. Alle späteren,
manchmal noch viel schlimmeren Sünden seiner Nachkommen waren also schon in der
einen ersten Sünde Adams keimartig enthalten. Die Gottheit wollte also deshalb
die Schöpfung zerstören, weil der Fall Adams grundlegender Natur war. Nach dem
Rückgängigmachen der Zerstörung wuchs dann ja auch der Same der Sünde und
wurde zu einem großen und starken Baume. Dieser Sündenbaum wäre
weitergewachsen, so daß neben der Ordnung Gottes eine neue Widerordnung
entstanden wäre, die immer stärker geworden wäre, wenn nicht Jesus diesen
Baum gebrochen hätte. (11.GEJ 75)
Jesus
sagt: "Damit es aber bei dieser
Neugestaltung der alten Wesen an der Seite Gottes gegen Ihn Selbst keine
Widerordnung gebe, mußte Gott Sich gewisserart durch Meine Menschwerdung Selbst
neu gestalten, hernach bauen einen neuen Himmel und endlich machen, daß da
alles neu werde, gleich Ihm!" (2.Hi. Seite 136,9).
Zwischen
Gott und allen geschaffenen Wesen bestand schon von Anfang an eine unendliche
Kluft, der zufolge sich niemand Gott nahen und ihn sehen konnte, ohne sein Leben
gänzlich zu verlieren. (2.GS 13,5 / 9.GEJ 85,5) Gott sprach zu Mose: „Kein
Mensch kann Mich sehen und leben.“ (2.Mos. 33,20) Die ewige Liebe hatte
aber schon von Ewigkeit her den Plan gefaßt, sich Kinder heranzubilden und das
setzt voraus, daß die Kinder keinen fernen Gott, sondern einen Vater, Freund
und Bruder haben, den sie sehen und dem sie sich nahen können. Dazu mußte Gott
über die unendliche Kluft eine Brücke bauen und diese Brücke war Seine
Neugestaltung durch die Menschwerdung. (9.GEJ 85,5)
Adam
hätte wohl die Brücke über die große Kluft zwischen Materie und Geist bauen
können, wenn er nicht gefallen wäre, aber als geschaffener Geist wäre er
niemals dazu imstande gewesen, die Brücke über die unendliche Kluft zwischen
Gott und Geschöpf zu bauen. Dazu war nur der Allerhöchste Selbst in der Lage.
Deshalb hatte Er Seine Neugestaltung durch die Menschwerdung schon von Ewigkeit
her vorgesehen und dazu benutzte Er den Fall der Geister und den Fall Adams.
Durch den Fall der Geister war bereits die Erlösung aus der Materie notwendig
geworden, diese setzte die Trennung der ewigen Liebe von der Gottheit voraus und
dieser mußte schließlich auch die Wiedervereinigung folgen. Durch Adam sollten
die gefallenen Geister in seinen Nachkommen in jedem einzelnen Menschen aus der
Materie erlöst werden, aber er fiel. (1.HG 36,3)
Voraussetzung
für den Fall Adams war der Fall der Geister. Adam wäre nie gefallen, ja er wäre
nie auf einer materiellen Erde gewesen, wenn nicht der Fall der Geister
vorausgegangen wäre. Wären zwar die Geister, nicht aber Adam gefallen, dann wäre
auch die Kreuzigung nicht geschehen, weil es bei einer ungefallenen Menschheit
keine schlechten Menschen gegeben hätte, die Jesus gekreuzigt hätten. Böse,
selbstsüchtige und herrschsüchtige Menschen, wie es sie auf dieser Erde
gegeben hat und immer noch gibt, hätten nicht sein müssen, aber sie waren eine
Folge des Falles Adams. Jesus sagt: „Ja, ja, es könnte wohl anders sein,
so wie es auch auf zahllos vielen andern Weltkörpern anders ist; aber dann wäre
eben diese Erde nicht ausersehen für die Zucht jener Menschen, die bestimmt und
berufen sind, Meine Kinder zu werden!“ (5.GEJ 157,2) Ohne den Fall der
Geister und den Fall Adams hätte Gott zur Erziehung Seiner Kinder ähnliche
Zustände, wie sie nach dem Fall Adams auf der Erde entstanden sind, künstlich
erschaffen müssen, um sie zu Seinen Kindern heranziehen zu können, denn zur
vollen und höchsten Gotteskindschaft gehört eine große Probe der
Willensfreiheit, die nur mit einem materiellen Übergewicht gegenüber dem Geist
möglich ist. (6.GEJ 239,2)
Jesus
fragt uns: „Kann die wahre, mächtige Liebe sich als solche je völlig
erkennen unter Menschen, die selbst pur Liebe sind? Welchen Probierstein soll
man zur Übung in der Geduld, Demut und Sanftmut den schon von Geburt an mit
aller Liebe erfüllten Menschen geben? So Ich aber schon jedes Menschen Natur
also gestellt hätte, daß er schon von der Geburt an in der höchsten
Vollendung ohne sein Zutun dastünde, welche Übung des Lebens und
Selbstfortschreitens wäre für ihn da wohl noch denkbar?“ (5.GEJ 157,3-4)
Kein geschaffenes Wesen hätte je die volle Gotteskindschaft erlangt, wenn es
nie seine Seelenvollkommenheit verloren hätte. Denn eine bei der Erschaffung
gegebene Seelenvollkommenheit hat bei weitem nicht den Wert, wie eine selbst
errungene. Deshalb kann kein geschaffenes Wesen die volle Gotteskindschaft
erreichen, wenn es nicht selbst den Weg aus der Unvollkommenheit seiner Seele
zur Vollkommenheit gegangen ist. (4.GEJ 245) Deshalb müssen auch alle Gott treu
gebliebenen Engelsgeister den Weg durch die Materie gehen, um die volle
Gotteskindschaft erlangen zu können. Die Gotteskindschaft hatte bis zur
Menschwerdung Gottes noch kein geschaffenes Wesen völlig erreicht, weil bis
dahin auch die Eingeburt des reinen Gottesfunkens noch nicht erfolgt war. Die
ungefallenen Engelsgeister müssen bei ihrer Inkarnation ins Fleisch ihre
Seelenvollkommenheit verlieren, um sie sich neu, aber diesmal völlig selbständig,
erringen zu können. Auch sie können den reinen Gottesfunken erst dann
bekommen, wenn sie als Mensch auf der Erde waren und wenn sie an Jesus geglaubt
und nach Seiner Lehre gelebt haben. Ohne den Fall der Geister und den Fall Adams
wäre nie eine Seele unvollkommen geworden. Erst durch den Fall der Geister und
Adams war alles, was Gott zur Bildung der geschaffenen Wesen zur völligen
Gotteskindschaft benötigte, vorhanden. Es waren der Schmelztiegel Luzifer, die
verlockende Materie und die Unvollkommenheit der Menschenseelen entstanden, ohne
daß Er Sich diese Werkzeuge und Zustände hätte extra erschaffen müssen.
Hätte
Sich Gott die Mittel zur Bildung Seiner Kinder extra erschaffen müssen, so wären
das doch künstliche Mittel gewesen, hinter denen kein voller Ernst gestanden wäre.
Durch das Fallgeschehen aber stand der volle Ernst dahinter, nämlich der Kampf
des Lebens gegen den Tod, für den Gott Selbst sein Leben gab. Auch hätte die
ewige Liebe ohne den Tod Jesu am Kreuz Ihren Geschöpfen die Größe Ihrer Liebe
und Demut nicht in vollem Maße zeigen können. Sie hätte Ihre große Demut und
Ihre große Liebe zu den gefallenen Geschöpfen nicht besser in die Tat umsetzen
können, als daß Sie für die Gefallenen in den Tod gegangen ist. Jesus sagte: „Niemand
hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde.“
(Joh. 15,13) Dazu kommt noch, daß der Tod Jesu am Kreuz gut dazu geeignet war,
die Gottheit neu zu gestalten und die ewige Liebe mit der Gottheit zu vereinen.
Wir werden später noch davon hören. Weil nun der Fall der urgeschaffenen
Geister und der Fall Adams geschehen war, so war die Vereinigung und
Neugestaltung Gottes durch den Tod Jesu am Kreuz der beste Weg zur Gründung
einer neuen Schöpfung und eines neuen Himmels. Es stellt sich nun die Frage, ob
sich Adam und die urgeschaffenen Geister frei entscheiden konnten oder ob Gott
den Fall vorherbestimmt hatte und sie fallen mußten, damit die Menschwerdung
und Neugestaltung Gottes und mit ihr die volle Gotteskindschaft der geschaffenen
Wesen in dieser Weise geschehen konnte?
Dazu
gibt uns Jesus folgende Antwort: „Was da
betrifft den ‘Fall Adams’, so hat solcher schon freilich mehr Objektivität
als der sogenannte ‘Fall der Engel’, ist aber dabei in der Entsprechung
dennoch homogen dem Falle der Engel; nur kommt bei ihm schon wirklich ein
positives Gesetz zum Vorscheine, während es sich bei dem Falle der Engel noch
lange um kein solches Gesetz handeln konnte, weil damals erst mit der großen
Entwicklung der frei zu machenden Wesen der Anfang gemacht ward und sonach außer
Gott noch keine solche Intelligenz dastand, der man irgend ein positives Gesetz
hätte geben können. Darum geschah unter dem sogenannten 'Falle der Geister'
auch eine notwendige und genötigte Scheidung, während die adamitische, als
schon von ihm selbst ausgehend, eine freie war und sonach keine Nötigung,
sondern ein freier Akt des schon in allen seelischen Sphären freien ersten
Fleischmenschen. Im ganzen ist sie aber dennoch auch ein vorhergesehener Aktus
aus der geheimen Ordnung Gottes, die zwar nie als eine absolute Nötigung, aber
dennoch als eine Zulassung unter ‘du sollst’ und ‘du sollst nicht’ dem
freien Willen des Menschen wegen seiner aus der eigenen Tätigkeit zu
gewinnenden Konsolidierung (Festigung)
gegeben wird. Es ist da ein Unterschied wie zwischen einem Kindmenschen, der
seine eigenen Füße noch nicht gebrauchen kann und daher von einem Orte zum
andern hingetragen werden muß und einem gesunden Manne, der schon lange oft nur
schon zu gut und zu fest gehen kann.“ (2.GEJ 224,2-4)
Adams
Entscheidung war eine freie und deshalb hätte er nicht fallen müssen. Er hätte
nur das eine „Du sollst“ – Gebot beachten brauchen, das ihm der himmlische
Vater gegeben hatte. Dem gegenüber stand der Reiz zur Übertretung, der in ihm
aber noch klein war, und deswegen hätte er es sogar leicht gehabt. (11.GEJ
75,5) Es bedurfte nur der Willensanstrengung im Gehorsam und er hätte die Probe
bestanden. Seine Entscheidung war die Entscheidung eines erwachsenen Mannes, der
aber die Festigkeit, in der Ordnung Gottes zu bleiben, erst durch seine
Erprobung im freien Willen erreichen mußte, wegen der selbständigen Erringung
der Gotteskindschaft. Deshalb war der Fall Adams von Gott zwar nicht gewollt,
aber doch ein vorhergesehener Akt aus der geheimen Ordnung Gottes. Die geheime
Ordnung Gottes ist der Umweg, auf dem Gott dennoch zu Seinem Ziel gelangt, auch
wenn die mit freiem Willen ausgestatteten Geschöpfe Seinem ersten Plan
zuwiderhandeln. Welcher Weg nun zum Ziel führt, ob der erste oder der geheime
zweite, darf Gott nicht mit absoluter Gewißheit vorausschauen und auch nicht im
Voraus hinausposaunen, damit der freie Wille der Geschöpfe gewahrt bleibt.
Jesus sagt: „Wir wollen durchaus nicht
laut im vorhinein sagen und behaupten: ‘So und so wird es gehen!’; denn soll
das große Werk gelingen, so darf selbst Ich nicht einen scharfen Blick in die
weite Zukunft tun, auf daß zwischen Mich und die von Mir geschaffenen Menschen
ja nicht das Geringste trete, das da irgendeinen Einfluß auf der Menschen
freiesten Willen zu nehmen imstande wäre.“ (5.GEJ 130,1)
Wenn
es um den freiesten Willen der werdenden Gotteskinder geht, so darf auch Gott,
obwohl Er es könnte, nicht so scharf vorausschauen, daß Er mit 100 prozentiger
Sicherheit weiß, wie die freie Entscheidung ausfallen wird, (3.GEJ 137,16) denn
sonst würde die Vorausschau zur Bestimmung. Deshalb hat Er den Fall der Geister
und den Fall Adams zwar vorhergesehen, aber nicht mit äußerster Schärfe,
sondern nur bis an die Grenze zur Gewißheit, wodurch die freie
Willensentscheidung gewahrt blieb. Weil nun der Fall der Geister und Adams möglich
werden könnte, so hat Er beide als Umwege, die einerseits zwar länger dauern
und schwerer zu gehen sind, aber andererseits Ihm auch einige Vorteile bei der
Bildung Seiner Geschöpfe zu Gotteskindern brachte, geheim mit eingeplant und
zugelassen. „Ohne Meine Zulassung kann
nichts geschehen“, sagt der himmlische Vater,
„wenn Ich aber irgend etwas zulasse, so habe Ich allzeit Meinen besten Grund
dazu!“ (2.HG 158,26) Der Grund Seiner Zulassung war, daß der Fall der
Geister und Adams gut in Seinen Plan paßte, Sich Selbst umzugestalten, Sich
Gotteskinder zu erziehen, alles neu zu machen und eine neue Ordnung einzuführen.
Jesus sagt: „Nach der alten Ordnung
konnte niemand in die Himmel kommen, der einmal in der Materie gesteckt ist; von
nun an aber wird niemand wahrhaft zu Mir in den höchsten und reinsten Himmel
kommen können, der nicht gleich Mir den Weg der Materie und des Fleisches
durchgemacht hat.“ (4.GEJ 109,4) - Alle ungefallenen Engelsgeister werden
noch den Weg des Fleisches gehen müssen, (3.GEJ 180,12) wenn auch nicht alle über
die Erde, sondern auch über die vielen anderen Weltkörper. - „So mache Ich nun alles neu, und alle alten Verhältnisse müssen
umgewandelt werden, dieweil Ich Mich Selbst umgewandelt habe dadurch, daß Ich
Selbst die Materie angezogen habe.“ (4.GEJ 109,8)
Auch
die urgeschaffenen Geister konnten sich frei entscheiden, aber es war die
Entscheidung eines kleinen Kindes, das noch keine Selbständigkeit erlangt
hatte. Es kam zunächst darauf an, die neugeschaffenen Geister zuerst zur Tätigkeit
anzuhalten, weil kurz nach ihrer Erschaffung die Gefahr bestand, daß sie in die
Ruhe zurücksinken würden, aus der sie gerade erst hervorgegangen waren. Dazu
mußte ihnen ein „Du sollst“ – Gebot gegeben werden und mit dem Gebot ein
Trieb oder Reiz zur Übertretung. Gleichzeitig mußte ihnen die schlimme Folge
gezeigt werden, wenn sie dem Gebot zuwiderhandeln würden. Dazu mußte ihnen
aber auch noch gezeigt werden, daß sich anfangs für das dem Gebot
zuwiderhandelnde Geschöpf ein kurzwährender Vorteil erreichen läßt, aus dem
aber später stets ein lange währender Nachteil folgen wird, dem zu begegnen es
dann viele harte Mühe und schmerzliche Anstrengungen kosten wird. Mit allem dem
versehen, kann erst das neugeschaffene Wesen einen wahren Gebrauch von seiner
freien Intelligenz und der daraus hervorgehenden Tatfähigkeit zu machen
beginnen, gehe es dann wie es wolle, krumm oder gerade, recht oder unrecht. Erst
nach der Selbsttätigkeit konnte der Hauptakt zur vollen und wahren Selbständigkeit
beginnen. Ob die Tätigkeit zunächst gut oder schlecht, gesetzlich oder
ungesetzlich ausfiel, das mußte, zumindest dem Schöpfer gegenüber, für den
Anfang eines jeden neugeschaffenen Wesens völlig gleich sein. Für das Geschöpf
war es allerdings nicht gleich, denn es entschied sich damit entweder für ein
seliges oder unseliges Sein. Die Selbständigkeit wird dadurch erreicht,
entweder auf einem kürzeren oder längeren Wege, denn der Rückweg wird einem
jeden gefallenen Geiste offengehalten. Dem Zurücksinken in die Ruhe, aus der
sie als neugeschaffene Wesen erst hervorgegangen waren und damit der vollen
Vernichtung war dadurch vorgebeugt und das war es, was für den Anfang erreicht
werden mußte. (2.GEJ 227) Jesus sagt: „Die
alte, sündige Materie, die an und für sich nichts ist als eine lose und sündige
Erscheinlichkeit der Eigenliebe, der Selbstsucht, des Hochmutes und der
Herrschsucht …entstand zwar aus dem notwendigen Reize, den Ich wegen der
Erkenntnis des eigenen freien Willens
in die Geister legen mußte; aber obschon der Reiz notwendig war, so war ihm als
Folge die sündige Werdung der materiellen Welten durchaus keine Notwendigkeit.
Sie war nur eine aus Meiner Ordnung zugelassene, leider notwendige Folge dessen,
daß so viele Geister dem Reize nicht widerstehen wollten, obschon sie es
vermocht hätten, – ebensogut wie es sechsmal so viele urgeschaffene Geister
vermochten, von denen uns zu Diensten nun einer hier stehet und den Namen
Raphael führt.“ (4.GEJ 108,2-3)
Welche
Ordnung ist besser: Ein erstgeschaffener Engelsgeist neben dem unsichtbaren Gott
an der Spitze aller Geschaffenen oder Gott als sichtbarer Vater mitten unter
Seinen Kindern, die alle gleiche Brüder und Schwerstern sind? – Wohl die
zweite, neue Ordnung, und deshalb hatte Gott sie von Ewigkeit her vorgesehen.
Die erste Ordnung war wohl eine notwendige, weil sie bei der Erschaffung der
zuerst aus Gott hinausgestellten Wesen nicht anders möglich war. Wie Adam als
erstgeschaffener Mensch am Anfang an der Spitze aller Menschen stand, weil sie
alle fleischlich aus ihm hervorgegangen sind, so sind auch alle Geistwesen aus
den drei erstgeschaffenen Geistern hervorgegangen, von denen Luzifer der erste
war. Da Luzifer an der Spitze einer großen Geisterschar stand und er, außer
dem noch unsichtbaren Gott, der Herrlichste und Mächtigste war, so war von
Anfang an die Gefahr groß, daß Luzifer hochmütig werden und fallen könnte.
Das hat aber Gott nicht absichtlich so eingerichtet, denn es war Ihm nicht möglich,
die zweite Ordnung zuerst entstehen zu lassen. Aus dieser ersten Ordnung mußte
erst die zweite, neue Ordnung hervorgehen. Die erste Ordnung, wie die Geschöpfe
erschaffen wurden, war von Gott bestimmt, aber die Entwicklung zur zweiten,
neuen Ordnung bestimmten die Geschöpfe mit. Erst ihr Ungehorsam gegen Gottes
Gebote setzte den geheimen Plan in Kraft, der für die Geschöpfe einen Umweg
bedeutete, auf dem sie das Ziel um vieles schwerer und um vieles später
erreichen würden. (2.GEJ 224,7)
Jesus
fragte einmal den Luzifer: „Weißt du
denn wohl, ob das nicht Mein geheimer Wille ist, daß du eben so sein mußt, wie
du bist?! Weißt du es, ob Ich dich nicht schon von Urbeginn zum Fall bestimmt
habe?!“ (BM 119,10) - Auch für den Fall Satanas und der Geister gilt:
Gott hat den Fall wohl vorhergesehen und mit eingeplant, aber nicht mit
absoluter Gewißheit und deshalb war er keine Bestimmung von Ihm. Er hat auch
nicht die Proben so gestaltet, daß sie nicht hätten bestanden werden können,
um Seinen Plan einer neuen Schöpfung auf die nun in Verwirklichung befindliche
Weise ganz sicher ausführen zu können. Gott will immer den geraden und damit kürzesten
Weg gehen. Ein Fall bringt aber einen langen Umweg und ein unseliges Sein mit
sich und das wollte die ewige Liebe Ihren Geschöpfen ersparen. Der himmlische
Vater sagte sogar vor der Willensfreiheitsprobe zu Adam: „O Mein geliebter Adam, bedenke wohl die Worte deines liebevollsten
Schöpfers, und verdirb Mir ja nicht Mein so weit schon gediehenes, größtes
Werk Meiner Liebe und Weisheit!“ (1.HG 36,7) Wenn aber die Geschöpfe
unbedingt den langen und schweren Umweg gehen wollen, so gebraucht Gott auch die
Vorteile, die sich für Ihn daraus ergeben. Jesus verglich einmal Luzifer und
seinen Anhang mit Tiegeln, in denen Erz geschmolzen wird, die Er Sich als
Werkzeug zur Erziehung Seiner Kinder geschaffen hat und sagte zu ihm: „Ich
aber bin kein harter Erzgießer, sondern ein Meister voll Liebe, so daß Ich
sogar Meine Tiegel aus ihrer langen Glut ziehen will, so sie es wünschen und in
die Ordnung Meiner freien Werke übergehen wollen. Wollen sie das aber nicht und
macht es ihnen mehr Freude, Meine ewigen Schmelztiegel zu verbleiben, so ist es
Mir auch recht, denn da brauche Ich Mir keine neuen zu schaffen.“ „Willst du
dein Los verbessert haben, so wird es geschehen. Willst du es aber nicht, so
wirst du bleiben, was du nun bist so lange, bis aller gegenwärtigen Schöpfung
letzter Gefangene entkeimen wird durch den Weg des Fleisches! - Was aber dann
mit dir, das weiß Ich allein und niemand in der Unendlichkeit außer Mir!“
(BM 119,13+21)
Es
fragt sich nun, wenn Gott den Fall der Geister und den Fall Adams, wenn auch
nicht mit Bestimmtheit, vorhergesehen hatte und Er beide wohl bedauerte, sie
aber andererseits doch auch gut gebrauchen konnte, warum die Gottheit dann so
erzürnt war und warum Sie beim Falle Adams sogar die ganze Schöpfung zerstören
wollte, während Sie das beim Fall der Geister nicht im Sinn hatte? – Ja, Gott
sah wohl den Fall, wenn auch nicht mit absoluter Gewißheit, voraus und hatte
ihn geheim mit eingeplant, aber die Gottheit konnte Sich dennoch nicht anders
verhalten, weil die Weisheit und die ewige Liebe, als gegensätzliche
Eigenschaften des Wesens Gottes, eine unterschiedliche Handlungsweise haben.
Nicht das ganze Gottwesen, sondern nur die Gottheit geriet in Zorn, welcher
aber, wie schon erwähnt, kein menschlicher Zorn, sondern der feste Ernst Seines
Willens war. Die Gottheit, die als Weisheit die Gerechtigkeit und Heiligkeit in
ihrem Wesen vertrat, konnte einen Fall nicht akzeptieren, weil er etwas
Unheiliges war, während die Liebe Gottes die Gottheit zur Erbarmung zu bewegen
suchte, Sich Selbst als Opfer anbot und bei der Rückführung der gefallenen Schöpfung
die vorrangig Handelnde wurde, auch wenn Sie dabei unheilig werden würde. Die
Gottheit zeigte mit Ihrem Zorn (oder
dem festen Ernst Ihres Willens) an, daß es Ihr mit der Rettung der gefallenen
Geister ernst war, aber Sie konnte Sich nicht mit den Gefallenen abgeben. Wenn
Sie da bereits die Schöpfung endgültig hätte vernichten wollen, so hätte Sie
diese in einem Augenblick aufgelöst. Sie wollte die Schöpfung retten, aber Sie
Selbst konnte es nicht, sondern mußte es der ewigen Liebe überlassen und Ihr
Gelegenheit geben, noch die letzte, aber auch schwerste Maßnahme einzusetzen.
Der ewigen Liebe war zwar kein Opfer zu groß, (2.HG 251,17) aber ohne
unbedingte Notwendigkeit hätte auch Sie Sich nicht dafür entschieden, Ihr
Leben hinzugeben. Mit der Zerstörung der Schöpfung, aber ohne sie völlig zu
vernichten, veranlaßte die Gottheit die ewige Liebe Sich für den schweren
Opferweg zu entscheiden, (der so schwer war, daß selbst, wie wir noch hören
werden, die ewige Liebe schwach wurde, als die letzte Entscheidung in Gethsemane
bevorstand) denn es gab nur noch diese eine letzte Möglichkeit zu ihrer
Rettung.
Das
hatte folgenden Grund: Die Zahl der materiellen Weltkörper im Universum ist für
uns unfaßbar, und auf jeder findet die Rückführung statt. Aus jedem Weltkörper
werden ständig Geister frei und kehren, wenn auch manchmal erst nach langen
Umwegen, zu Gott zurück. Jeweils eine große, für uns unzählbare Anzahl von
Weltkörpern ist in einer Hülsenglobe zusammengefaßt. Und die Gesamtzahl der Hülsengloben,
die wiederum für uns unzählbar ist, entspricht in ihrem Aufbau einem Menschen,
- einem toten Menschen.
Das
ist der große Schöpfungsmensch, auch Makrokosmos genannt, der in sich tot ist,
weil er von Gott abfiel. Das ist der Seelenleib Luzifers, der aller seiner
Lichtfülle, Macht und Kraft verlustig ging. Sein Geist aber ist gebunden an
diese Erde, wo er heute noch die Menschen verführt. Und wie ein jeder Mensch in
seinem Herzen einen Lebenskeim, einen Funken hat, durch den er mit Gott
verbunden ist und durch den er das Leben empfängt, das den ganzen Menschen
belebt, geistig und materiell, so hat auch der große Schöpfungsmensch einen
Lebenskeim, also das Universum einen Weltkörper, der diesem Lebenskeim
entspricht, von dem aus die ganze gefallene Schöpfung wieder belebt werden muß.
Und der Lebenskeim des Universums, des großen Schöpfungsmenschen, ist unsere
Erde. Und ausgerechnet auf dieser Erde, auf der durch das erste freie
Menschenpaar nicht nur das ganze nachfolgende Menschengeschlecht seine geistige
Belebung erhalten sollte, sondern darüber hinaus auch das ganze unermeßliche
Universum, erlitt der Rückführungsplan Gottes einen gewaltigen Rückschlag.
Begreifen
wir nun, warum der Sündenfall Adams nicht nur ein kleiner Ungehorsam
irgendeines unbedeutenden Menschenpaares war, sondern daß hier bereits im Keime
die Rückführung der ganzen gefallenen Schöpfung zunichte gemacht wurde? Satan
wäre mit der Zeit Sieger über die ganze Schöpfung geworden, weshalb der Sündenfall
Adams in seiner Auswirkung weit schlimmer war, als der ganze Fall der Geister.
– Begreifen wir nun den Grimm der erzürnten Gottheit und warum sie die ganze
Schöpfung, die für Sie bereits verloren war, zerstören wollte? – Mit der
Zerstörung veranlaßte Sie die ewige Liebe zu Ihrer schwersten aber auch größten
Tat. Wenn Sich die ewige Liebe da nicht entschieden hätte, alle Schuld auf Sich
zu nehmen und versprochen hätte, sie zu sühnen und den Schaden wieder
gutzumachen, d.h. jeden Menschen sonderheitlich zu heiligen, die Schöpfung wäre
aufgelöst, und es wäre in alle Ewigkeit nie wieder etwas erschaffen worden.
Jesus
sagte: „Ich, als Gott von Ewigkeit, könnte
freilich wohl mit Meinem Willen die Hölle, aber mit ihr auch
die ganze Schöpfung zunichte machen. - Was aber dann? Etwa eine neue Schöpfung
beginnen? - Ja, ja, das ginge schon; aber eine neue Schöpfung von materiellen
Welten ist in keiner andern Ordnung denkbar, als die gegenwärtige da ist, weil
die Materie das gefestete und notwendig gerichtete Medium ist, durch das ein Mir
in allem ähnlich werden sollendes Wesen, von Mir ganz abgelöst, die
Willensfreiheitsprobe durchmachen muß, um zur wahren Lebensselbständigkeit zu
gelangen. - Es ist darum besser, alles bestehen zu lassen, aber in einer wohl
gesonderten Ordnung. Diese aber konnte von Mir nur dadurch bewerkstelligt
werden, daß Ich Selbst Mensch geworden bin, Selbst alle Materie durchdrungen
und somit allen ihren noch so alten, gerichteten geistigen Inhalt zur Beseligung
fähig gemacht habe. Und das ist eben die zweite (neue)
Schöpfung, die Ich schon von Ewigkeit her vorgesehen habe, ohne die nie ein
Mensch dieser oder auch einer andern Erde vollkommen selig hätte werden können;
denn vor dieser Meiner Darniederkunft war Ich ewighin ein unschaubarer Gott, wie
es auch im Moses heißt, daß niemand Gott sehen kann und leben. Von nun an aber
bin Ich für jedermann ein schaubarer Gott, und jeder, der Mich sieht, lebt und
wird ewig leben.“ (6.GEJ 239,2-4)
Weil
nun die ewige Liebe die Anforderungen der Gottheit annahm und dadurch ihrer
Heiligkeit schon im voraus Genüge tat, so konnte die Schöpfung bis zur letzten
Entscheidung über ihr Sein oder Nichtsein weiterbestehen. Diese letzte
Entscheidung fiel etwa 4000 Jahre später in Gethsemane. Somit konnten die
Menschen weiterbestehen, obwohl sie später oft ärger sündigten als Adam und
Eva beim ersten Sündenfall. Aber sie waren gerichtet. Sie hatten kein selbständiges
Leben, wie es Adam für die ganze Menschheit, ja für die ganze Schöpfung hätte
erringen können, wenn er die Prüfung bestanden hätte, sondern ein gerichtetes
Leben. Zwar hatten sie die Freiheit, gegen die Ordnung Gottes zu handeln, worauf
dann auch kleinere und größere Gerichte über sie kamen, aber im Grunde
genommen waren sie tot, denn die ganze Schöpfung wäre ja durch die Heiligkeit
Gottes vernichtet worden. Das Leben der Menschheit bestand also vor der Erlösung
nur auf das Versprechen hin, die Schuld zu tilgen und war deshalb so lange ein
gerichtetes, bis daß die ewige Liebe auf Golgatha alles Gericht auf Ihre
Schultern genommen hatte. Ein gerichtetes Ding aber ist tot und gleicht einem
Automaten, der kein selbständiges Leben hat.
„Sie
(die Welt)
war (vor der Erlösung) bloß ein
durch Meine Barmliebe immer gerichteter Automat“, sagt die ewige Liebe in
der Kundgebung „Der sehr Schwache“, „...dem
die Kunst des Bildners sowohl, als die des Mechanikers alles gegeben hätte, daß
ihm nichts abginge, als nur das selbständige Leben, um ein Mensch in aller
Vollkommenheit zu sein. Ja würdet ihr da nicht sehnlichst wünschen, nicht nur
das künstliche Leben diesem Automaten, sondern ein wirkliches selbständiges
Leben (zu geben)? Und wäret ihr (dazu)
fähig, wie Ich es bin, so würdet ihr euch mit eurem Leben im Geiste selbst
hineinziehen in den Automaten und würdet somit alle seine Mängel und
innerlichen Gebrechen notwendig an euch ziehen und euch gewisserart mit
denselben bekleiden.
Sehet,
wie war es denn nun da zu tun, da Ich nur allein das Leben bin, und das Leben
habe in und aus Mir, um der beständig zu richtenden Welt ein wahres freies und
nicht bloß mechanisches Leben zu geben?
Sehet,
da mußte die Liebe sich trennen von Gott oder (von)
der urewigen heiligen Kraft, aus der sie ewig geboren ward und die Kraft Gottes
ewig aus Ihr. Also dieses ewige Leben aus sich selbst oder aus der urewigen
Kraft Gottes, mußte einen Bruch machen mit Gott und mußte sich niedersenken
zur toten Welt und anziehen das Sterbliche derselben, damit das Sterbliche
dadurch die Sterblichkeit verliere und wieder frei lebendig werde in und aus dem
Leben aus Gott, welches ist das Leben alles Lebens, da Gott Selbst ist in diesem
Leben und das Leben selbst in Gott. Und so ist das Leben von Gott ausgegangen,
hat sich mit der Sterblichkeit des Fleisches bekleidet, damit dadurch alles
Fleisch möchte frei lebendig werden in sich durch das Leben aus Gott, wie Gott
Selbst lebendig ist von Ewigkeit und dasselbe ewige Leben der Liebe in Sich.
Sehet,
das ist nun das große Geheimnis, warum die Liebe Gottes im Menschen sich selbst
gemacht hat zur allerartigen Verbrecherin und Sünderin, damit da nicht nur ein
Fleisch, sondern alles Fleisch mit dem Leben aus Gott durchwirket werden mochte.
Und diese nun so mit aller Schuld überladene Liebe mußte sich dann ...vor der
Heiligkeit Gottes, vermöge der an sich genommenen allgemeinen Schuld oder
Sterblichkeit, eben auch bis auf den alleräußersten Punkt aller Punkte demütigen
und mußte ertragen jeden erdenklichen Vorwurf, um dadurch sich mit Gott wieder
vereinigen zu können, wie auch alles das dem Vater oder der Heiligkeit Gottes
lebendig wieder anheimzustellen, was zwar lebendig dereinst aus Gott gegangen
ist, aber sich tot gemacht hat durch die eigenwillige und hochmütige Losreißung
von Gott - oder von Seiner ewigen Ordnung.
Sehet,
nachdem ihr dieses doch so ziemlich mochtet begriffen haben, so will Ich euch
nun auch ein wenig mit den Vorwürfen bekannt machen, die Mir da
notwendigerweise von der Heiligkeit Gottes gemacht wurden, damit ihr da etwas
erfahret, was die Welt bis zur gegenwärtigen Minute noch nicht erfahren hat.
Ihr
wißt, daß alles, was da erschaffen wurde in der ganzen Unendlichkeit, laut des
Zeugnisses Meines lieben Johannes (Joh.
1,1-3) durch Mich gemacht und erschaffen
wurde. Nun nehmet aber die böse gewordene Welt, die dadurch von der Heiligkeit
Gottes immer verdammt ward, daß Ich als der Hervorbringer solcher
Verdammlichkeit ...diesen Vorwurf notwendig teilen mußte, da die Welt und
alles, was in ihr ist, nicht durch sich, sondern durch Mich einzig und allein
ins Dasein gerufen wurde. Da also die Welt schnurgerade entgegen war der
Heiligkeit Gottes, wie war hernach das Bestehen der Liebe, die solches
hervorgerufen hatte, das die Heiligkeit Gottes verdammen mußte, anders als ein
selbstverdammliches?
Nun
denket euch all die namenlosen Taten der Menschen. Sehet, aller dieser Taten
wegen mußte Ich verdammt sein von der Heiligkeit Gottes, weil die Taten selbst
verdammt waren als Erscheinungen in der Welt, die aus Mir hervorgegangen ist.
Was war da zu tun?
Sehet,
nur zwei Wege standen Mir offen, nämlich der Weg nach oben, und der Weg nach
unten, das heißt: (Entweder)
Ich kehre zu Gott zurück, werde Eins mit Ihm und vernichte durch die Kraft
Seiner Heiligkeit alles das, was aus Mir hervorgegangen ist, oder aber Ich
trenne Mich mit allem Vorwurf beladen, mit der höchsten Verdammlichkeit, von
Gott, belebe und heilige da Meine Werke und tue in Meiner unendlichen Demütigung
Genüge der ebenso unendlichen Heiligkeit Gottes.
Sehet,
wenn Ich nicht die ebenso unendliche Liebe selbst wäre, wie Gott die unendliche
Heiligkeit selbst ist, so hätte Ich freilich das erste getan (nämlich
die gefallene Schöpfung vernichtet).
Allein Meine Liebe vermochte das Unaussprechliche aussprechlich (d.h. möglich) zu machen, verleugnete ihre Heiligkeit und machte sich unheilig, da sie
sich belastete mit aller Schuld und somit auch mit des Todes schwerster Bürde.
Allein,
ihr wißt die Begebenheit, als Ich in dem Garten Gethsemani an dem sogenannten
Ölberge zu Gott, von dem Ich Mich der Welt wegen getrennt habe, betete, sehet,
da erst erwachte vollends die große Blindheit Meiner Liebe und sah mit dem
entsetzlichsten Grauen zwischen Sich und Gott die unendliche Kluft. Allda
bereute Ich im Ernste, daß Ich Gott verließ und zum toten Werke Meiner eitlen
Lust Mich gewendet habe, und damals stand die ganze Schöpfung in der großen
Schwebe zwischen Sein und dem ewigen Nichtmehrsein. Denn entweder trinke Ich den
Kelch, so besteht die Welt und alles, was auf ihr ist - oder Ich setze den Kelch
zur Seite und die Welt und alles unter (und über)
ihr wird zunichte in dem Augenblick, da Ich den Kelch zur Seite setze.
Aber
sehet, eben da, wo die Liebe und das Leben in der unendlichen Entfernung von
Gott schwach geworden ist, da erbarmte Sich Gott Seiner Liebe selbst, stärkte
Sie und gebot Ihr, den vorgesetzten Kelch zu leeren, und sprach insgeheim zu
Ihr: 'Noch sind zwischen Mir und Dir die Extreme der Unendlichkeit nicht berührt;
daher senke Dich hinab in die äußerste Tiefe des Todes, welcher ist die äußerste
Grenze im Gegensatze zu Meiner Heiligkeit, damit Ich Dich da wieder erfassen
kann, da der ewige Kreis Meiner Heiligkeit sich schließt.'
Sehet, so ging Ich
dann geduldig diesem Ziele entgegen, allwo Ich in dieser unendlichen Entfernung
von Gott am Kreuze ausrief: ‘Mein Gott, Mein Gott, warum hast du Mich
verlassen?’ - und ferner: ‘Es ist vollbracht!’ und ‘In Deine Hände
empfehle Ich Meine Seele’ - oder die Seele alles Lebens, oder die Seele, aus
der alles, was da ist, hervorgegangen ist.
Sehet, nun werdet
ihr, so ihr dieses ein wenig bedenket, wohl einsehen, wie Ich bei euch Sündern
der ‘Sehr Schwache’ bin, und wie Ich Mir noch immer muß von der Heiligkeit
Gottes an eurer Statt in irgend einer vorgestellten menschlichen schwachen
Beschaffenheit Vorwürfe machen lassen, um euch, jeden sonderheitlich,
neuerdings wieder (vom
Tode) zu erlösen und einzuführen
lebendig in die Heiligkeit des Vaters!“ (3.Hi. Seite 77,7-79,16)
Welch
eine Tiefe des Gethsemanegeschehens und des Kreuzestodes wird uns in dieser
Kundgebung geoffenbart. Die letzte und endgültige Entscheidung war gefallen,
als Jesus ausrief: „Vater, ich weiß, es
ist möglich, daß dieser Kelch vorübergehe, aber Dein Wille allein geschehe
und darum will ich ihn trinken.“ (11.GEJ 72,14) Mit dieser freien
Entscheidung der ewigen Liebe konnte die ganze Schöpfung weiterbestehen, die
sonst zunichte geworden wäre, aber es fing damit auch das Leiden Jesu an. In
diesem Leiden ist nun das große Geheimnis Seines Kreuzestodes verborgen. Verstünden
wir in der Tiefe unseres Herzens dieses große Geheimnis, von dem wir nun schon
einiges vernommen haben, so würden die Engel des Himmels ehrfurchtsvoll und in
höchster Freude zu uns in die Schule gehen. (1.Hi. Seite 326,3) Allein, wir
verstehen noch so gut wie nichts davon und die meisten Menschen werden immer
wieder fragen: „Warum mußte denn der Allmächtige wie ein Verbrecher den
Kreuzestod erleiden, um uns das ewige Leben geben zu können?“
Doch
im 1. Band „Himmelsgaben“ führt der himmlische Vater Seine Kinder noch
tiefer in das große Geheimnis ein. Äußerlich hat Jesus so gelitten wie viele
andere Menschen, die einen Foltertod erlitten haben. „Weil aber das menschlich leidende Ich“, sagt Jesus,
„noch ein anderes, göttliches Ich in sich schloß, so war dieses Leiden auch
ein doppeltes, nämlich das äußere, leibliche und das innere, göttliche.
Worin das äußere Leiden bestand, wisset ihr, aber worin das göttliche Leiden
bestand, das ist eine andere Frage. - Damit ihr euch davon einen Begriff machen
könnet, so denket euch, was das heißen will, wenn der unendliche Gott in
dieser Leidensperiode Sich aus Seiner unendlichen und ewigen Freiheit zurückzog
und in dem Herzen des leidenden ‘Sohnes’ Seine Wohnung nahm!
Nun sehet, Mein Äußeres
wurde durch die bitteren Leiden bis auf den Punkt des Todes gedrückt. Die im
Herzen sitzende Gottheit aber mußte den Tod und die Hölle von dem innersten
Punkte aus besiegen. Nun denket euch den leidenden Gottmenschen, Der da nun
gestellt war zwischen zwei Feuer: Von außen her drückte Mich der Tod und die Hölle
mit all ihrer Gewalt so lange, bis Mein natürliches Leben bis zu dem innersten
Punkte Meines Herzens getrieben ward. Von innen aus aber wirkte diesem Drucke
die Gottheit mit all Ihrer unendlichen Macht und Kraft entgegen und ließ Sich
nur durch die Liebe Selbst bis auf einen Punkt zusammentreiben.
Nun denket euch
wieder: Dieselbe Macht und dieselbe Kraft, welche mit einem Hauche alles, was da
lebt und webt in der ganzen Unendlichkeit, in einem Augenblick zerstören könnte,
dieselbe Macht und Kraft, die alle Ewigkeiten und Unendlichkeiten nicht
erfassen, welche die ganze unendliche Schöpfung aus Sich werden hieß - o höret!
- dieselbe Macht und Kraft in Ihrer vollsten Allheit hat Sich so weit aus ihrer
Unendlichkeit heraus, wie schon gesagt, auf einen Punkt beengen lassen, welche
Beengung die größte freiwillige Demütigung der Gottheit in Mir war!
Wenn ihr dieses
nur ein wenig in eurem Herzen zu fassen imstande seid, welchen leidenden Kampf
Ich da als die ewige Liebe zu bestehen hatte, so werdet ihr euch wohl auch einen
kleinen Begriff machen können, was alles unter Meinem Leiden verstanden wird.
Dieses Leiden
dauerte bis auf den Punkt, da Ich am Kreuze ausrief: ‘Es ist vollbracht!
Vater, in Deine Hände empfehle Ich Meinen Geist!’ - oder mit anderen Worten:
‘Siehe Vater! Deine Liebe kommt zu Dir zurück!’ - Und sobald wurden von der
unendlichen Macht Gottes alle Bande des Todes und der Hölle zerrissen. Hinaus
stürmte die ewige Macht mit verunendlichfältigter Gewalt. Die ganze Erde
bebte, angerührt von der Allgewalt Gottes. Freiwillig öffnete sie ihre Gräber
und trieb die Gefangenen zum Leben hervor.
Und weiter drang
dieselbe Allgewalt über alle sichtbare Schöpfung hinaus, erfüllte in diesem
Augenblicke die Unendlichkeit wieder. Und alle Sonnen in allen endlosen Räumen
zogen ihr Licht aus übergroßer Ehrfurcht vor der sie neu berührenden
Allgewalt Gottes in sich zurück. Daß aber die Gottheit bei diesem neuen
Austritte in diesem Augenblicke nicht alles zerstört und vernichtet hat, war
allein die Liebe schuld, die da nun völlig wieder mit Ihr vereinigt war.
Nun sehet, Meine
lieben Kinder, das ist, so viel ihr es fassen könnt, zu verstehen unter 'Meinem
Leiden'! - Allein es liegt noch Unendliches darin verborgen, daran ihr
Ewigkeiten genug zu erforschen haben werdet, und das zwar immerwährend Größeres
und Unendlicheres. Denn was Ich euch jetzt gesagt habe, verhält sich zur
Vollheit geradeso wie ein Punkt zur Unendlichkeit.“
(1.Hi. Seite 327,8-329,15)
Es
wäre wohl keinem Menschen je in den Sinn gekommen, was das Leiden Jesu und Sein
Kreuzestod noch alles in sich birgt, wenn es uns die ewige Liebe nicht Selbst
geoffenbart hätte. Mit dem Kreuzestod hat der Allerhöchste, wie Er es dereinst
verheißen hat, dem Allerhöchsten das allerhöchste Opfer dargebracht. (1.HG
143,8) Es ist für uns unfaßbar, daß sich der Allmächtige, der größte Geist
von Ewigkeit, von Seinen nichtigen Geschöpfen gefangennehmen und ans Kreuz
schlagen ließ. Ohne die unbegreiflich große Liebe des Schöpfers zu Seinen
Geschöpfen, die verloren waren und die Er dadurch erlöste und für die ewige
Seligkeit fähig machte, ist das nicht zu verstehen. Durch das Gericht und den
Tod Seines Fleisches ist Jesus in das Gericht und in den Tod eingedrungen, um
dessen Bande zu lösen, wodurch Er das, was von Ewigkeiten her durch die
Festigkeit Seines eigenen Gottwillens dem Gericht und dem Tod verfallen war, erlöst
hat. (5.GEJ 247,5-6)
In
Jesus übernahm die ewige Liebe die Stelle der gefallenen Satana, (1.HG 5,19)
deren Hochmut Er durch Seine tiefste freiwillige Demütigung am Kreuz besiegte.
Sein Gehorsam bis zum Tod am Kreuz (Phil. 2,8) machte die Folgen von Adams
Ungehorsam wieder gut, wodurch Er ein neuer Adam, ein neuer Stammvater wurde,
aber nicht mehr für körperliche Nachkommen, wie beim ersten Adam, sondern für
Seine geistigen Nachfolger.
Aus
dem Vorhergehenden „kann nun jeder im
Herzen denkende und sehende Mensch sehr leicht und klar den endlosesten Nutzen
des leiblichen Todes Jesu einsehen.“ (JJ Vorrede, Teil 3) Jesus sagt:
„Was übrigens das Werk Meiner Erlösung bedeutet und ist, so sage Ich euch: Fürs
erste ist es das allergrößte Werk der ewigen Liebe, da hierdurch Ich, der
Allerhöchste, in aller Fülle Meiner Liebe und in der unendlichen Fülle Meiner
Gottheit, selbst Mensch, ja euch allen sogar ein Bruder wurde, die ganze Masse
der Sünden der Welt auf Meine Schultern nahm und so die Erde reinigte vom alten
Fluche der unantastbaren Heiligkeit Gottes. Fürs zweite ist es die Unterjochung
der Hölle unter die Kraft Meiner Liebe, die früher nur in der Macht der
zornergrimmten Gottheit stand und somit entfernt war von allem Einflusse Meiner
Liebe, welche aber ist die furchtbarste Waffe gegen die Hölle, da sie das
allerblankeste Gegenteil derselben ist, wodurch dieselbe auch schon bei der
liebevollen andächtigen Nennung Meines Namens in eine ganze Unendlichkeit zurückgetrieben
wird. Fürs dritte ist sie die Eröffnung der Pforten des Himmels und ewigen
Lebens und der getreue Wegweiser dahin; denn sie versöhnt euch nicht nur wieder
mit der Heiligkeit Gottes, sondern sie zeigt euch, wie ihr euch vor der Welt
erniedrigen müßt, so ihr wollt erhöhet werden von Gott. Sie zeigt euch
ferner, alle Verspottung, Leiden und Kreuz aus Liebe zu Mir und euren Brüdern
zu ertragen in aller Geduld, Sanftmut und Ergebung eures Willens, ja sie lehret
euch, eure Freunde auf den Händen tragen und eure Feinde zu segnen mit der göttlichen
Liebe in eurem Herzen.“ (3.Hi. Seite 18,30)
Durch
die Menschwerdung Gottes in Jesus und Seinen Tod am Kreuz ist die unendliche
Kluft zwischen Gott und Geschöpf beinahe völlig aufgehoben worden. Das ist uns
angezeigt worden durch das Zerreißen des Vorhangs im Tempel, der das
Allerheiligste vom Volk trennte. Durch den Lanzenstich ins Herz der ewigen
Liebe, ließ Sie die heilige Pforte zum Licht und zum ewigen Leben öffnen.
(3.Hi. Seite 18,29) Jesus ist die Tür zum ewigen Leben oder die Brücke über
die wir von der Materie zum Geist und zu Gott gelangen können. Durch unsere
Liebe zu Jesus überschreiten wir die Brücke und finden da Jesus als unseren
Vater, Freund und Bruder. (2.GS 13,13-14) Wir haben dann unseren liebevollsten,
heiligen Vater erkannt, können Ihn mit liebetrunkenen Augen schauen und freuen
uns Seiner über alle Maßen; und auch der Vater freut Sich über alle Maßen,
daß Er nun nicht mehr allein dasteht, sondern mitten unter Seinen Kindern, die
Ihn erkennen und über alles lieben. (3.GEJ 239,13) Jesus sagt: „Des Satans Walten in der äußeren Form mag wohl stets noch bemerkbar
sein, aber den einmal zerrissenen Vorhang zwischen der Gottheit und den Menschen
kann er ewig nicht mehr errichten und so die alte unübersteigbare Kluft
zwischen Gott und den Menschen von neuem wiederherstellen.“ (JJ Vorrede,
Teil 3) Unsere Liebe zu Ihm, der es so gewollt hat, daß die unendliche Kluft
aufgehoben würde, gibt uns aber auch das Verlangen, mitzuhelfen am großen Werk
der Erlösung.
„Das ist der große
Schritt“, sagt
die ewige Liebe, „den ein jeder in
seinem Herzen zu machen hat, daß er helfe, der ewigen Liebe das Kreuz tragen,
damit er dereinst Teil haben möchte an dem großen Werke der bis jetzt noch
immer unbegriffenen Erlösung, der Überwindung des Todes und der
Auferstehung.“ (3.Hi. Seite 76,5)
„Sehet, ein
solcher Mensch, dessen Ich Mich bediene und gewisserart seine Wesenheit anziehe,
um dadurch eure Mängel verhüllt zu tragen, gleicht dem Simon von Cyrene und könnte
ebenfalls großen Lohn erreichen, so er Mir willig auf eine kurze Zeit nur hätte
das Kreuz ein wenig tragen helfen. Allein der Mensch ist schwach und fürchtet
jede Last, am allermeisten aber die Last des Kreuzes, und daher bleibt Mir denn
wieder nichts anderes übrig zu tun, als was Ich dereinst tat, nämlich für
alle das Kreuz Selbst zu schleppen.“ (3.Hi.
Seite 79,16)
„So bin Ich nun
für euch wieder beladen mit allen euren Schwächen und Mängeln und trage sie für
euch in dieser euch etwas fremdartigen Umhüllung, (nämlich als der sehr Schwache) damit, wie ihr schon wißt, euch nicht Schaden geschehe an eurer
Seele.“ (3.Hi. Seite 80,17)
Stellen
wir uns das einmal vor: Mit jeder Sünde, die wir begehen, mit jeder Schwäche,
die wir nicht überwinden, kreuzigen wir die ewige Liebe aufs neue und Sie muß
sich dafür von der Heiligkeit Gottes Vorwürfe gefallen lassen. Wir helfen Ihr
aber mit, das Kreuz zu tragen, wenn wir die Sünde überwinden und wenn wir Not,
Leid, Krankheit, Verfolgung und Beleidigung, wenn sie uns auferlegt werden,
willig, freudig und dankbar auf uns nehmen. Was könnte uns mehr anspornen, die
Materie zu überwinden und Jesus, die ewige Liebe, über alles zu lieben?
Quellenverzeichnis
GEJ
Das große Evangelium Johannes, Jakob Lorber, 10 Bände, 1981-1986
11.GEJ
Das große Evangelium Johannes, Leopold Engel, 1987
HG:
Die Haushaltung Gottes, Jakob Lorber, 3 Bände, 1981
JJ
Die Jugend Jesu, Jakob Lorber, 1996
GS
Die geistige Sonne, Jakob Lorber, 2 Bände, 1955, 1956
RB
Von der Hölle bis zum Himmel, (Robert Blum) Jakob Lorber, 2 Bände, 1963
BM
Bischof Martin, Jakob Lorber, 1960
Hi.:
Himmelsgaben, Jakob Lorber, 3 Bände, 1935, 1993
EM
Erde und Mond, Jakob Lorber, 1953
Lorber Verlag, 74308 Bietigheim/Württ.
Gerd Kujoth
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