Die Menschwerdung Gottes

 

Wer war Jesus, als Er einst auf Erden wandelte? – War Er nur ein Mensch oder ausschließlich Gott oder war Er beides zugleich, also ein Gottmensch? - Die Beantwortung dieser Frage ist von nicht geringer Bedeutung, denn Jesus Selbst hat uns gesagt: „Das ist aber das ewige Leben, daß sie Dich, den allein wahren Gott, und den Du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.“ (Joh. 17,3) „Denn wer Gott nicht richtig erkennt“, sagt Jesus im „großen Evangelium“, „kann nie vollkommen an einen Gott glauben, noch weniger Ihn über alles lieben und somit auch des Geistes Gottes nie völlig teilhaftig werden. Denn aus einer unrichtigen Erkenntnis Gottes kommen mit der Zeit, vermöge des freien Willens der Menschen, allerart Irrtümer unter die Menschen, die dann wie eine tausendköpfige Hydra fortwuchern... und den Menschen die Pforte zum wahren, ewigen Leben verrammen.“ (6.GEJ 228,19) Deshalb fragte Er auch Seine Jünger: „Für wen halten die Leute den Menschensohn?“ Sie sprachen: „Etliche sagen, Du seiest Johannes der Täufer; andere aber Elia; noch andere Jeremia oder einer der Propheten.“ Wieder andere sagten, Er sei ein Betrüger, Er sei ein Magier, Er verrichte Seine Wunder durch einen mächtigen Geist der Unterwelt oder Er sei einfach nur ein frommer Mensch. Aber niemand behauptete und glaubte, daß Er Christus (Messias) sei. (6.GEJ 159,10) Dann fragte Jesus Seine Jünger: „Ihr aber, für wen haltet ihr Mich?“ Da antwortete Simon Petrus und sprach: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ (Matth. 16,13-16)

Es waren also schon während der Lehrzeit Jesu die verschiedensten Meinungen über Ihn vorhanden, die Ihn für einen Propheten, Magier oder Betrüger und somit für einen gewöhnlichen Menschen hielten. Auch in der heutigen Zeit hält man Ihn zumeist nur für einen Menschen. Nur sagt niemand mehr: „Er war Elia oder ein Magier“, sondern jetzt sagt man: „Er war ein Religionsstifter, ein Wanderprediger, ein Revolutionär, ein aufgestiegener Meister oder ein inkarnierter hoher Lichtgeist.“ Ein gläubiger Christ aber, der einer der Kirchen angehört, wird wie Petrus antworten: „Er ist der Sohn Gottes!“ Doch Er war nicht nur Gottes Sohn, denn Jesus sprach von Sich: „Wer Mich sieht, der sieht den Vater!“ (Joh. 14,9) Der Vater war in Ihm (Joh. 14,10-11) und aus diesem Grund sah jeder, der Jesus sah, auch den himmlischen Vater. „Ich und der Vater sind eins“, (Joh. 10,30) sagte Jesus und deshalb war Er mit dem Vater eine Person, wie Seele und Geist nur zusammen eine Person sind. Paulus schrieb: „In Christus wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.“ (Kol. 2,9) Damit wollte Paulus ausdrücken, daß nicht nur die Kraft Gottes in Ihm war, sondern daß Gott in Seiner ganzen Fülle in Jesus leibhaftig Mensch geworden ist.

Aber hier stellt sich die Frage: Kann Gott denn überhaupt Mensch werden? - Gott oder der Geist Gottes erfüllte mit Seiner Kraft von Ewigkeit her die Unendlichkeit des Raumes. Dieser unendliche Raum ist Gott Selbst. Im Zentrum Seiner Unendlichkeit aber ist Gott ein Mensch. Dieser Mensch ist in Sich Selbst ein Feuer, dessen Gefühl die Liebe ist; ein Licht, dessen Gefühl die Weisheit ist und eine Wärme, deren Gefühl das Leben selbst ist. (4.GEJ 56,1) Das Verhältnis zwischen der Weisheit als Gottheit und Vater und der ewigen Liebe als Sohn, habe ich unter dem Titel „Der Sohn Gottes und das Geheimnis der Erlösung“ beschrieben. Im Folgenden betrachten wir die ewige Liebe als Gottheit und Vater und die Weisheit als Ihren Sohn, denn die Weisheit ist aus der Liebe hervorgegangen, sind aber dennoch beide gleich ewig.

Johannes schrieb: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott... und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns.“ (Joh. 1,1+14) Das bedeutet: Im Urgrunde oder auch in der Grundursache alles Seins war der große heilige Schöpfungsgedanke oder die wesenhafte Idee oder das Licht, was alles eines und dasselbe ist. Dieses Licht war bei Gott und war Gott Selbst. Jesus sagt: „Das Licht trat als wesenhaft beschaulich aus Gott und war somit nicht nur in, sondern auch bei Gott und umfloß gewisserart das urgöttliche Sein, wodurch schon der Grund zu der einstigen Menschwerdung Gottes gelegt erscheint.“ (1.GEJ 1,6) Indem das Licht, das schon ewig in Gott war, als wesenhaft beschaulich aus Gott, der ewigen Liebe trat, stellte Sich Gott in Seinem ewig vollkommensten Sein Selbst dar. Das ewige Wort als das Urgrundsein alles Seins, als das Licht alles Lichtes, als der Urgedanke aller Gedanken und Ideen, als die Urform und der ewige Urgrund aller Formen konnte nicht formlos sein. Gott ist der höchste und allervollkommenste, ewigste Urmensch aus Sich Selbst, (4.GEJ 56,1) weshalb Er auch Mensch werden konnte. Nach dieser Form, nach dem Bilde Gottes ist der Mensch erschaffen worden. Wir sind das Ebenmaß des Urlichtes, das aus Sich die Wesen hervorrief. (1.GEJ 1,6-13)

Warum aber ist Gott Mensch geworden? – Der erste Hauptgrund Seiner Menschwerdung war es, zwischen Sich und Seinen Geschöpfen ein volles Vater-Kind-Verhältnis herzustellen, denn zu einem solchen Verhältnis gehört es, daß der Vater sichtbar unter seinen Kindern weilen kann. (4.GEJ 255,3-4) Gott war für die geschaffenen Geister, die Er einst aus sich herausstellte, unsichtbar. Sie konnten Ihn wohl hören und empfinden, aber nicht sehen. Jesus sagt: „Nur ein Erstes kann ein Erstes sehen, ein Zweites nur ein Zweites - und das Zweite ein Erstes nur dann, wenn das Erste die Gestalt eines Zweiten angenommen hat. So könntet ihr Mich als ein rein göttliches Wesen nie sehen. Da Ich aber ein Zweites, Geschöpfliches angenommen habe, so könnet ihr Mich sehen insoweit Ich ein vollkommenes, bleibendes Zweites aus Mir Selbst geworden bin.“ (2.RB 292,5-6)

Nach dem Fall Luzifers wurden den treu Gebliebenen die Augen geöffnet, und sie sahen zum ersten Male die ewige Liebe. Da sprach die ewige Liebe: „Der erste unter euch ging verloren; daher übernehme Ich seine Stelle und werde sein unter euch ewiglich!“ (1.HG 5,15-19) Das Gotteszentrum oder die ewige Liebe wurde den Geistern aber nun nicht wie ein Wesen ihresgleichen schaubar, sondern zunächst als eine Sonne. (11.GEJ 75,10) Diese geistige Sonne war in ihrer Sichtbarkeit aber nicht unmittelbar Gott Selbst, sondern nur die Ausstrahlung Seiner Liebe und Weisheit, (2.RB 283,13) aber Er wohnte in dieser Sonne. (6.GEJ 88,3) Jesus sagt: „Es ward wohl Moses gesagt, als er verlangte, Jehovas Angesicht zu schauen: ‘Gott (der ein verzehrendes Feuer ist, 8.GEJ 57,15) kann niemand sehen und dabei erhalten sein Leben’ das heißt das Leben des Leibes. Damals aber war nur von Gottes ewigem Geiste die Rede, indem Gott in jener Zeit noch kein Fleisch angenommen hatte, weil dazu die Zeit nach Seiner ewigen Ordnung noch nicht da war.“ (9.GEJ 85,3)

Und doch kam der himmlische Vater sichtbar als der hohe Abedam und als Asmahael zu den Urvätern der Menschheit und belehrte sie. Auch nach der großen Flut hat sich der Herr als Melchisedek den Menschen persönlich gezeigt und hat mit ihnen gesprochen. Wenn zu jener Zeit selbst die allerreinsten Engelsgeister das Gotteszentrum nie anders sehen konnten, als wie wir die Sonne am Firmamente, wieso hat Er sich dann den Menschen persönlich zeigen können? (2.GS 13,5-7)

Jesus erklärt uns im „großen Evangelium“, auf welche Weise das möglich war und sagt: „Ich war für kein geschaffenes Wesen ein schau- und begreifbarer Gott, auch nicht für einen vollkommensten Engel. So Ich Mich jemandem, wie dem Abraham, Isaak und Jakob, gewisserart beschaulich machen wollte, so geschah das dadurch, daß Ich einen Engel besonders mit dem Geiste Meines Willens erfüllte, daß er dann auf gewisse Momente Meine Persönlichkeit darstellte.“ (8.GEJ 57,14) Es konnte damals also niemand Gott unmittelbar schauen, sondern Gott war nur das, was da durch den Geschauten sprach und wirkte. (1.HG 151,29)

Erst mit der Menschwerdung Gottes in Jesus ging die Verheißung der ewigen Liebe an die treu Gebliebenen, daß Er unter ihnen sein werde, vollumfänglich in Erfüllung. Jesus sagt: „Nun aber hat nach der Weissagung der Propheten Jehova das Fleisch der Menschen dieser Erde angenommen und dadurch zwischen Sich als dem urewigen Geiste und den Menschen eine Schutzwand gestellt, auf daß sie unbeschadet ihres Lebens Ihn sehen, berühren, hören und sprechen können, und es hat sich da niemand zu fürchten, daß er durch Meine sichtbare Gegenwart irgend vernichtet werde.“ (9.GEJ 85,4)

„Das verzehrende Feuer ist nun in Mir bedeckt und gedämpft durch diesen Meinen Leib, und es heißt nun nicht mehr: ‚Gott kann niemand schauen und leben!‘, sondern: ‚Von nun an wird ein jeder Engel und Mensch Gott schauen und leben können; und wer nicht Gott schauen wird, der wird ein sehr elendes und gerichtetes Leben haben!“ (8.GEJ 57,15) Gott hat durch Jesu Fleischleib zwischen Sich und Seinen Geschöpfen eine Schutzwand gestellt, die das verzehrende Feuer bedeckt und dämpft, so daß uns das Urwesen Gottes, das kein Geschaffener direkt schauen und dem sich niemand nahen konnte, (1.HG 151,26) nicht mehr unbegreiflich und unschaubar ist, sondern ein Mensch wie wir, den wir sehen, dem wir uns nahen und mit dem wir wie mit einem Bruder reden können. (10.GEJ 207,11) Mit Seiner Menschwerdung hat Gott Seinen Kindern wohl die höchste Seligkeit bereitet, aber auch Sich Selbst. Denn welche Seligkeit könnte das für Gott auch sein, so Er wohl Seine Kinder sehen könnte, diese Ihn aber nie anders als ein unendliches Lichtmeer oder eine Sonne zu Gesichte bekommen könnten? (3.GEJ 183,20)

Der zweite Hauptgrund, warum Gott Mensch wurde, war die Erlösung der gefallenen Schöpfung, die kein Mensch mehr hätte vollbringen können, weil die Hölle zu mächtig geworden war. Die Erlösung, die Jesus vollbrachte, bestand in Seiner Lehre und in Seinen Taten. Jesus sagt: „Da die Hölle ihre Gewalt über die ganze Erde ausübte, war es nun an der Zeit, daß Ich Selbst in die Materie herabkommen mußte, um dieses alte, aber notwendige Gericht mit aller Meiner Fülle zu durchbrechen und dadurch der sich selbst geschaffenen Hölle einen Damm zu setzen, den sie nimmerdar also durchbrechen wird, wie es bis jetzt der Fall war. Ich, der Allerheiligste, mußte Mich mit der Unheiligkeit der menschlichen oder geschöpflichen Schwachheit bekleiden, um Mich der Hölle, wegen ihrer Besiegung, als ein starker Held nahen zu können.“ (6.GEJ 240,2-3)

Nun stellt sich die Frage, auf welche Weise Gott denn nun Mensch geworden ist? War Gott in dem Menschen Jesus so vorherrschend, daß Er die Schwere des Erdenlebens mit Leichtigkeit ertragen konnte? - Jesus sagt: „Ich als Gott wollte Meinen Geistern durch Meine Menschwerdung und das als Mensch erlebte Schicksal (Seiner Gefangennehmung und Kreuzigung) das größte Beispiel der Demütigung geben, wie Ich es auch wirklich getan habe. Nun frage Ich euch, wäre das ein Beispiel der Demütigung gewesen, wenn Ich als Gott auf der Erde gelebt, gewirkt und gelitten hätte? Gewiß nicht! Denn als Gott wäre es in meiner Macht gestanden, entweder alle Leiden zu vermeiden, oder wenn Ich wollte, mit einer Fühllosigkeit auch die größten Schmerzen zu ertragen. Wo wäre dann das Beispiel der Aufopferung und der Demut geblieben? Ich mußte also, als Ich auf diese Welt kam, ganz Mensch sein, und deswegen als Selbst-Mensch auch seine Leidenschaften und Gebrechen, die Ich wohlweislich in ihn gelegt habe, ebenfalls mit leiden, selbe bekämpfen, und wie Ich es auch von den Menschen verlange, selbe auch besiegen.“ (G. Mayerhofer, Be. Fe. Dr. Seite 19)

Jesus war also nicht ausschließlich Gott, sondern auch ganz Mensch wie wir, denn sonst wäre Sein Erdendasein ohne alle Wirkung geblieben. Er wollte ja einen Weg zeigen und vorangehen, so daß Ihm alle nachfolgen konnten, und dazu mußte Er ganz Mensch sein, ohne göttliche Vorteile, denn diese mußte Er sich erst erringen. „Es heißt in der Schrift: ‘Und Er nahm zu an Gnade und Weisheit vor Gott und den Menschen und blieb untertänig und gehorsam Seinen Eltern‘, (Luk. 2,51-52) bis da Er Sein Lehramt antrat.

Frage: Wie konnte Jesus denn, als das alleinig ewige Gottwesen, an Weisheit und Gnade vor Gott und den Menschen zunehmen, da Er doch Gott von Ewigkeit war? Und wie namentlich vor den Menschen, da Er doch von Ewigkeit das endlos allervollkommenste Wesen war?

Um das richtig zu fassen, muß man Jesum nicht abgeschlossen als den alleinigen Gott ansehen; sondern man muß sich Ihn als einen Menschen darstellen, in dem die alleinige ewige Gottheit Sich gerade also untätig scheinend einkerkerte, wie da in eines jeden Menschen Wesen der Geist eingekerkert ist.

Was aber ein jeder Mensch nach göttlicher Ordnung tun muß, um seinen Geist frei zu machen in sich, das mußte auch der Mensch Jesus ganz vollernstlich tun, um das Gottwesen in ihm frei zu machen, auf daß er eins würde mit Ihm.“ (JJ 299,1-7)

Hier wird Jesus als das „alleinig ewige Gottwesen“ und als „Gott von Ewigkeit“ bezeichnet, aber gleichzeitig auch als Mensch. In diesem Menschen Jesus war das Gottwesen eingekerkert und zwar in der Art und Weise, wie in eines jeden Menschen Wesen der Geist eingekerkert ist. So wie im Seelenherzen eines jeden Menschen der Lebens- oder Menschengeist oder auch essentielle Geist in einem Bläschen eingekerkert ist, so war auch das alleinig ewige Gottwesen zur Zeit der Kindheit und Jugend im Seelenherzen des Menschen Jesus eingekerkert. Zu dieser Zeit hatte der Mensch Jesus das Gottwesen in Ihm noch nicht völlig freigemacht und Er war da noch nicht eins mit dem Geiste Gottes, der in Ihm in aller Fülle wohnte. Das Zunehmen an Weisheit und Gnade vor Gott und den Menschen bezeichnet das allmähliche Freimachen und Wachsen des Gottwesens im Menschen Jesus bis zur Einswerdung mit Ihm. (JJ 0,6)

Nun fragt es sich: Wer war das Gottwesen oder der allein wahre Gott in Jesus und wer war der, den Er gesandt hat, der Mensch Jesus, der Christus, der ein anderer als Gott zu sein scheint? – War Jesus Christus (Jesus, der Gesalbte) der höchste geschaffene Geist, wie es z.B. von einem Medium durchgegeben worden ist, der einzige, der direkt von Gott ins Dasein gerufen worden sei, also der erste Engel des Himmels? (VGG, Seite 330) - Nach dieser Ansicht wäre Jesus Christus, auch wenn Er der erste und einzige direkt von Gott geschaffene Sohn wäre, in keiner Weise Gott, sondern nur ein Geschöpf.

Ohne den Glauben an die Gottheit Jesu kann das wahre Christentum nicht fortbestehen, weil „von dem Begriffe Meines Erdenwandels, ob als Gott oder als Mensch, oder als beides zugleich, das ganze Glaubensgebäude abhängt.“ (Mayerhofer, Be. Fe. Dr. Seite 19) Deshalb ist eine Gemeinschaft, die Christus nicht in der Wahrheit und in seinem wahren Geiste predigt, (EM 73,1) „keine Kirche“, sagt Jesus, „weil sie Mich, den Herrn, (als Gott) leugnet und Mich zu einem gewöhnlichen Menschen und Volkslehrer der Vorzeit macht. Sie verwirft sonach auch den Grundstein, auf dem sie ihr Gebäude aufführen will, und ihr Haus wird daher einen schlechten Stand haben.“ (1.RB 1,4)

Gott hat zuerst drei Geister geschaffen, von denen der Oberste, Luzifer, der dem Lichte entsprach, von Gott abfiel. (1.HG 5,12-14) War der Mensch Jesus, wie manche meinen, der aus Luzifer zuerst hervorgegangene, nach dem Fall höchste, Gott treu gebliebene Lichtgeist, der dann mit dem Vatergeist von Ewigkeit verschmolzen worden wäre? Das kommt in Kundgaben, die den Anspruch erheben, vom himmlischen Vater durchgegeben worden zu sein, zum Ausdruck. Da heißt es: Jesu „Seele war wahrlich der höchste Lichtgeist, der als erstgeborener Sohn von Mir... d. h., aus Meiner Kraft und dem Willen dessen, den Meine übergroße Liebe als erstes geschaffenes Wesen herausgestellt hatte, ausgegangen war.“ (Nr. 8750) „...ein solches geschaffenes Wesen war auch ich, (Jesus) ein Kind Gottes.“ (JCH Nr. 5148 - 10.6.51) „...zu einer Sünde, die ein solches Erbarmungswerk erforderte, wie es der Mensch Jesus vollbracht hat, der es erkannte, daß eben um der Gerechtigkeit willen diese Sünde einmal entsühnt werden mußte. Eines der reinsten Engelswesen erbot sich für dieses Sühnewerk.“ (UB Nr. 8923 - 1.2.65) „Der Mensch Jesus hat wohl auf Erden das Bitterste erlitten, doch er hat durch seine Liebe das Höchste errungen, er stieg als hohes Lichtwesen zur Erde und kehrte als Gott wieder in das Lichtreich zurück, denn Er ist völlig verschmolzen mit Mir, (dem Vatergeist von Ewigkeit) der Ich euch Menschen als Heiland Jesus Christus schaubar geworden bin.“ (GL Nr.5213 - 16.9.1951)

In diesen Kundgaben wird Jesus als „geschaffenes Wesen“, als „Kind Gottes“, als „erstgeborener Sohn“, als „Engelswesen“ und als „höchster Lichtgeist“ bezeichnet. In diesem auf Erden inkarnierten, geschaffenen Engelswesen soll der Geist Gottes Wohnung genommen haben, mit dem dann das Engelswesen völlig verschmolzen worden wäre. – Wenn auf diese Weise Gott Mensch geworden wäre, dann wäre wieder ein Engelsgeist zwischen Gott und Mensch gewesen, wie das schon mit dem hohen Abedam und Melchisedek der Fall war. Dann würde der Engelsgeist zwischen den Herzen der Menschen und Gott stehen und die volle Liebe zu Ihm dämpfen. Das ist ja gerade der Unterschied zu dem, wie es vor der Menschwerdung Gottes war, daß Sich Gott Seinen Kindern nun nicht mehr durch einen Engelsgeist naht, sondern Sich in Jesus unmittelbar schaubar gemacht hat. Gott hat sich nur eine Hülle geschaffen und mit dieser das verzehrende Feuer gedämpft. Wenn der Mensch Jesus ein Engelsgeist gewesen wäre, dann hätte nicht der Sohn Gottes, sondern der hohe Engelsgeist die Schmerzen und den Tod erlitten und somit das Kreuzesopfer vollbracht und der Sohn Gottes hätte nicht Selbst das Beispiel der Aufopferung und Demut gegeben.

Gott wollte durch Seinen Sohn oder das Wort, welches Fleisch wurde, in diese Welt kommen. (6.GEJ 88,11) Wenn es aber stimmen würde, daß die Fülle des Geistes Gottes in einem hohen Engelswesen Mensch geworden wäre, so wäre Gott nicht Selbst voll Mensch geworden. Dann wäre die Schriftstelle „und das Wort wurde Fleisch“ nicht in Erfüllung gegangen, denn dann wäre nicht das Wort Fleisch geworden, sondern der Engelsgeist. In den Schrifttexterklärungen heißt es: „Der Ewige erschuf Sich hier (auf dieser Erde) Selbst zum ersten und zum letzten Male zu einem Menschen.“ (Schr. 8,6) Das heißt, Gott erfüllte nicht eines Seiner Geschöpfe mit der Fülle Seines Geistes, sondern Er Selbst gestaltete Sich zu einem Menschen. Auch können wir anhand des eben zitierten Wortes: „zum ersten und zum letzten Male“ alle diejenigen als falsche Christusse erkennen, die behaupten, der reinkarnierte oder wiedergekommene Christus zu sein. Weiter geht daraus hervor, daß angebliche Vorinkarnationen Jesu auf Unwahrheit beruhen.

Die Frage war nun: Wer war der allein wahre Gott und wer war der, den Er gesandt hat, der Mensch Jesus Christus? – Jesus erklärte Sein Wesen dem Nikodemus, als dieser in der Nacht zu Ihm kam: „Ich sage es dir: Gott ist die Liebe und der Sohn ist Dessen Weisheit. Also aber liebte Gott die Welt, daß Er Seinen eingeborenen Sohn, d. h. Seine aus Ihm Selbst von Ewigkeit hervorgehende Weisheit, in diese Welt gab, auf daß alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben sollen! - Sage Mir, verstehst du dieses?“

Sagte Nikodemus: „Es kommt mir wohl vor, als sollte ich es verstehen, aber im Grunde verstehe ich es doch nicht. Wenn ich nur wüßte, was ich aus dem Menschensohn machen sollte, da wäre ich dann schon so ziemlich in der Ordnung! Du sprachst nun auch vom eingeborenen Sohne Gottes, Den die Liebe Gottes in die Welt gab. Ist der ‚Menschensohn‘ und der ‚eingeborene Gottessohn‘ eine und dieselbe Individualität?“

Sagte Jesus: „Sieh her! Ich habe einen Kopf, einen Leib und Hände und Füße. Der Kopf, der Leib, die Hände und Füße sind Fleisch, und dieses Fleisch ist ein Sohn des Menschen; denn was da ist Fleisch, das kommt vom Fleische. Aber in diesem Menschensohne, der Fleisch ist, wohnet Gottes Weisheit, und das ist der eingeborene Sohn Gottes. Aber nicht der eingeborene Sohn Gottes, sondern nur des Menschen Sohn wird gleich der ehernen Mosis-Schlange in der Wüste erhöhet werden.“ (1.GEJ 21,1-3)

Jesus unterscheidet in diesem Gespräch zwischen Gott als der Liebe, (Feuer, Vater) dem Gottessohn als der Weisheit (Licht, Sohn) und dem Menschensohn als dem Fleischleib. (geschaffene Umhüllung) Im Menschensohn (Fleischleib) wohnte Gottes Weisheit oder der eingeborene Sohn Gottes, den Gott in diese Welt (ins Menschenfleisch) gab, um Selbst durch Seinen Sohn auch in diese Welt zu kommen. Jesus sagte: „So wie Ich als Christus auf die Welt kam, und so oft Ich Meinen ‚Vater’ im Himmel anrief, so war es stets die Weisheit, welche die Liebe in Mir anrief.“ (G. Mayerhofer, Be. Fe. Wei. Seite 10) Der Vater wohnte in seinem Sohn, in der Kindheit zunächst im Seelenherzen, in einem kleinen Bläschen eingekerkert, im Jugend- und Mannesalter nach und nach befreit und während der Lehrzeit eins mit Ihm. Jesus sagt: „In Gott aber befinden sich unterscheidbar zwei Wesenhaftigkeiten, obschon sie Sein Urgrundsein und sonach Sein unteilbares Eine Ursein ausmachen. Die eine unterscheidbare Wesenhaftigkeit ist die Liebe als die ewige Lebensflamme in Gott, und die andere unterscheidbare Wesenhaftigkeit aber ist als Folge der allerhellsten Lebensflamme das Licht oder die Weisheit in Gott.“ (7.GEJ 198,14-15)

Wenn „Gott von Ewigkeit“ im Seelenherzen des Menschen Jesus eingekerkert war, so waren nicht die Liebe und die Weisheit zusammen eingekerkert, weil sie im Grunde nur beide zusammen der eine Gott sind, sondern nur die Liebe oder der Vater, denn die Liebe ist das Urgrundwesen oder innere Wesen Gottes (5.GEJ 51,3) und wird hier deshalb allein als Gott bezeichnet. (2.RB 157,10) Die Weisheit aber als der Sohn ist das äußere Wesen Gottes. Diese mußte sich von der ewigen Liebe trennen (3.Hi. Seite 77,9) und wurde von Ihr in die Welt (ins Menschenfleisch) gesandt und war der Mensch Jesus Christus, in dem Sich Gott (die ewige Liebe) drei Tage vor der Geburt einkerkerte. Diese Unterscheidung ist sehr wichtig, um zu einer wahrheitsgemäßen Erkenntnis von dem allein wahren Gott und den Er gesandt hat, Jesus Christus, zu kommen. (Joh. 17,3)

Jesus sprach: „Denn als Mensch bin Ich Mensch, wie ihr Menschen seid; aber in Mir wohnt die Urfülle der göttlichen Herrlichkeit des Vaters, der in Sich pur Liebe ist. Und nicht Ich als euer Mitmensch rede nun das zu euch, sondern das Wort, das Ich zu euch rede, ist das Wort des Vaters, der in Mir ist, und den Ich wohl kenne, ihr Ihn aber nicht kennet; denn würdet ihr Ihn kennen, so wäre Meine Sendung eitel. Aber eben, weil ihr Ihn nicht kennet und noch nie erkannt habt, bin Ich Selbst gekommen, um Ihn euch zu zeigen und vollauf kennen zu lehren.“ (3.GEJ 178,3) Hier spricht Jesus von Sich als Mensch, als einer, der gesandt worden ist, aber auch Selbst als die Weisheit gekommen ist, um den Menschen den Vater zu zeigen. – Wer war nun der, welcher „Ich“ sagte und der sprach: „als Mensch bin Ich Mensch, wie ihr Menschen seid?“ – Jesus bestand wie alle Menschen aus Leib, Seele und Geist. Sein Geist war der Gott in Ihm und war der Geist Gottes als die ewige Liebe oder der Vater. (3.GEJ 100,3) Sein Leib war aus Fleisch und Blut, wie wir es auch haben. Dieses wurde am Kreuz erhöht, denn nur ein Fleischleib kann an ein materielles Kreuz geheftet werden. (2.RB 155,13) Der Leib aber hat kein eigenes Bewußtsein und kann nicht „Ich“ sagen. Der Mensch Jesus, der „Ich“ sagt, hat das Bewußtsein Seiner Seele, denn „die Seele ist der eigentliche Mensch zwischen Geist und Leib“ (2.Hi. Seite 328,5) während des Menschen Geist, der mit Gottes Geist identisch ist, (4.GEJ 228,4) das zweite, innere oder höhere „Ich“ des Menschen ist. Die Seele ohne den Leib kann zwar nicht an ein Kreuz geheftet werden, sondern nur, wenn sie in einem Leib steckt, aber sie ist es, welche die Schmerzen erleidet. – Wer aber war die Seele Jesu? War sie göttlich oder menschlich? War sie geschaffen oder ungeschaffen und ewig? – Hierin liegt das Geheimnis der Person Jesu und der Menschwerdung Gottes verborgen.

Ist Jesu Seele eine Naturseele gewesen, die pur aus dieser Erde hervorgegangen ist? –Jesus sagt: „Es wohnen auf dieser Erde oder Welt zweierlei Art Menschen. Die eigentlichen und meisten sind nach der geordneten Stufenfolge des geschöpflichen Emporklimmens der Seele und dem Leibe nach pur von dieser Erde, und man kann sie ‘Kinder der Welt’ nennen. Ein viel geringerer Teil der Menschen dieser Erde aber ist nur dem Leibe nach von eben dieser Erde, der Seele nach aber entweder aus den verschiedenen Sternenwelten oder mitunter sogar als reinste Engelsgeister aus den reinen Geisterhimmeln.“ (5.GE J 225,3-4) Menschen, die von oben her kommen, bringen ihre Seele auf diese Erde mit. Die Geister von den Sternen und die ungefallenen Engelsgeister bekommen nur den Leib von dieser Erde, ihre Seele aber stammt entweder aus einer Sternenwelt oder aus dem Geisterhimmel.

Manche meinen, reine Engelsgeister hätten keine Seele gehabt und müßten deshalb eine Naturseele von dieser Erde bekommen. Aber dem ist nicht so. Wie der Gottesgeist den Weg des Fleisches durchmachte, so müssen auch die Engelsgeister den Weg des Fleisches durchmachen, wenn sie Gotteskinder werden wollen. Dabei bringen sie ihre reine Seele mit. Jesus sagt: „Was zu öfteren Malen geschieht und hinfür noch öfter geschehen wird, das besteht darin, daß auch gar viele Engel den Weg des Fleisches also durchmachen werden, wie Ich Selbst als der höchste Geist Gottes ihn nun durchmache, auf daß sie dann Gottes wahre Kinder werden können. Aber da werden sie sich selbst eine rechte, noch nie in einem Fleische gewesene Seele erwählen und sie in das Fleisch einer reinen Mutter geben, und sie werden dann sorgen für das Weitergedeihen und für die rechte Lebensbildung nach ihrem Lichte und nach ihrer Kraft, auf daß eine solche Seele erstarke für die ewige Einigung mit ihnen.“ (5.GEJ 267,8-9) Engel, die erstmalig ein Fleisch zu tragen bekommen, erwählen sich eine Seele. Das ist keine Naturseele von dieser Erde, sondern eine Seele, die noch nie in einem Fleische war. Naturseelen waren schon oft in einem Fleische, denn sie haben sich aus den Tieren entwickelt.

Was ist das dann aber für eine Seele, die sie sich erwählen? – Jesus erklärt im „großen Evangelium“, was eine Seele ist. Er sagt: „Die Seele als der in die lebendige Substanz umgewandelte Gedanke des Geistes, der im Grunde der Geist selbst ist, kann doch gewisserart als ein zweites aus dem Geiste Hervorgehendes angesehen und betrachtet werden, ohne deshalb ein anderes zu sein, als da ist der Geist selbst.“ (8.GEJ 25,10) Das heißt: Die Seele, die sie sich erwählen, ist aus den Gedanken ihres Geistes und damit aus ihnen selbst hervorgegangen. Jesus sagt es hier noch einmal ganz deutlich, daß die Seelen der Engel aus dem Himmel stammen: „Mancher Menschen Seelen sind gar vormalige Engel der Himmel gewesen. Nun, bei denen kann leichtlich nichts verdorben werden! Johannes der Täufer und mehrere Propheten, wie Moses, Elias, Jesaja und noch andere mehr, können dir als Beispiele dienen.“ (4.GEJ 34,9)

Kein Mensch, der von oben kommt, hat eine Seele, die aus der Naturseelenentwicklung dieser Erde hervorgegangen ist. Das haben nur Menschen, die von unten kommen. Deren Seelen sind noch sehr unrein und sind anfänglich nicht viel reiner als der Leib. (2.GEJ 210,2) Erst eine völlig wiedergeborene Seele ist geistig, denn dann ist ihre mit der Materie verwandte Substanz in rein geistige Essenz umgestaltet worden. (8.GEJ 136,10) Aber dennoch unterscheidet sie sich auch dann noch vom reinen Geiste in ihr, denn sie ist das Gefäß oder der Leib des Geistes. Raphael sagt im „großen Evangelium“: „Mein geistiger Leib (Raphaels Seele) ist gleich der göttlichen Weisheit, und mein Leben (Raphaels Geist) ist die ewige Liebe Gottes des Herrn... Was Gott der Herr von Ewigkeit in Sich Selbst war, ist und bleiben wird ewig, das müssen ja auch wir sein, weil wir vollkommen aus Ihm und somit auch völlig in allem Sein Wesen sind.“ (2.GEJ 218,5-6) Der Lebensgeist oder essentielle Geist ist dem Wesen nach ein Funke der göttlichen Liebe (3.Hi. Seite 11,6) und ist Gottes ewige Liebe Selbst und die Seele ging hervor aus dem Urlicht der göttlichen Weisheit. (1.RB 146,9) Der Lebensgeist ist das innere, die Seele das äußere Wesen eines Geistes. Der essentielle Geist muß ein Gefäß haben, in dem er wohnen kann und das ist die Seele. (Der essentielle Geist ist aber gleichzeitig auch eine Seele oder ein Gefäß des neuen, reinen Geistfunkens aus der Vaterliebe. 1.Hi. Seite 54,6) Deshalb haben auch die ungefallenen Engelsgeister eine reine, geistige Seele. Deshalb konnte Jesus von Moses sagen, daß sein Geist und seine Seele rein aus den Himmeln herstammten. (10.GEJ 178,15)

Auch Gott hatte bereits seit Ewigkeit eine vollendetste Seele, und Er brachte sie bei Seiner Menschwerdung mit. Jesus sagt: (Der Vater), der Mich gesandt hat, war zwar in Mir, wie Ich in Ihm, aber Er war der Geist Gottes als Vater von Ewigkeit; Ich aber war und bin dessen Seele. Diese besitzt zwar ihre eigene Erkenntnis und Fähigkeit, als die höchste Seele und die vollendetste Seele aller Seelen; aber dennoch durfte diese Seele nicht tun, was sie wollte, sondern nur, was Der wollte, von dem sie ausgegangen ist.“ (EM 70,8) Der Mensch Jesus, der hier „Ich“ sagt, ist die Seele des Vaters von Ewigkeit. In der Seele war der Geist Gottes, der Vater oder die ewige Liebe. (8.GEJ 138,10) Mit Seele meint Jesus nicht eine geschaffene Naturseele, sondern Sich Selbst, die Weisheit, als ewige Seele. Das geht daraus hervor, daß Jesus sagt, daß diese Seele vom Vater ausgegangen und in die Welt gesandt worden ist. Nur die ewige Seele konnte vom Himmel auf die Erde gesandt werden, denn welch eine Mission sollte wohl eine neu geschaffene Naturseele haben? (9.GEJ 213,15)

Jesus spricht: „Weder Jehova in Mir, noch Ich Seele als Dessen ewiger Sohn, sondern allein dieser Leib als des Menschen Sohn wird getötet werden in Jerusalem, aber am dritten Tage als völlig verklärt auferstehen und dann für ewig eins sein mit Dem, der in Mir ist und Mir alles offenbart, was Ich als Menschensohn zu tun und zu reden habe.“ (5.GEJ 246,17) Wenn Jesus von Sich sagt: „Ich Seele, als Jehovas ewiger Sohn“, so bedeutet das, daß der Sohn Gottes oder Jehovas oder der ewigen Liebe, die Seele Gottes ist und diese ist die Weisheit, das Licht oder das Wort Gottes. Mit dem Begriff „ewiger Sohn“ bezeichnet Er auch Seine Seele als ewig und ungeschaffen und damit als göttlich. Jesus sagt denn auch in der „Jugend Jesu“, daß Er eine göttliche Seele hatte, die der eigentliche Sohn war (JJ 299,19) und dieser ist die Weisheit. In der materiellen Welt sichtbar war nur Sein Leib und mit diesem war der Gottessohn auch ein Menschensohn. Der Mensch Jesus war deshalb zugleich Gottessohn und Menschensohn oder ein Gottmensch.

Wer war nun also die Seele Jesu? – Sie war das Fleisch gewordene Wort und das heißt nichts anderes, als wie es der Evangelist Markus in der „Geistigen Sonne“ sagt, daß „wirklich die Weisheit Gottes, als Sein ewiges Wort aus der ewigen Liebe hervorgehend, das Fleisch angenommen hat und Gottes Sohn hieß.“ (1.GS 51,21) Wenn die Weisheit Gottes das Fleisch angenommen hat, so bedeutet das, daß die Weisheit oder das Wort als göttliche Seele Jesu durch den Nervengeist mit dem Fleisch verbunden war. So wurde der Gottessohn durch Seinen Leib zum Menschensohn und dieser bedeckte und dämpfte das verzehrende Feuer Gottes für die damaligen Menschen. Was aber dämpfte das Gottesfeuer für die jenseitigen Geister nach dem Tode Jesu, nachdem Er Seinen Leib verlassen hatte? – nach Seinem Tode bildete der Nervengeist die Hülle und dämpfte das unzugängliche Licht Gottes, so daß Seine jenseitigen Kinder ihn sehen und dabei am Leben bleiben können. Denn der Nervengeist ist der eigentliche Leib, der beim Tode von der Seele aufgenommen wird. (BM 1,7) Die fleischlichen Teile aber sind nur Exkremente des Nervengeistes (3.Hi. Seite 16,22) und wurden bei der Auferstehung nach ihrer Verklärung als Gewand der Seele Jesu bzw. Seinem Nervengeistleib hinzugefügt. (11.GEJ 76,1)

Wenn aber die Seele Jesu eine göttliche war, wieso heißt es dann in der Jugend Jesu: „Seine Seele war gleich wie die eines jeden Menschen und war mit um so mehr Schwächen behaftet, weil der allmächtigste Gottgeist Sich Selbst in die gewaltigsten Bande legen mußte, um in Seiner Seele gehalten werden zu können? (JJ 299,17) Wenn Jesu Seele gleich wie die eines jeden Menschen war, so heißt das nicht, daß Seine Seele eine geschaffene Naturseele war, sondern daß sie wie die Seelen aller anderen Menschen im Fleisch und deshalb mit Schwächen behaftet war, damit der Gottgeist in Seiner Seele eingekerkert und gehalten werden konnte. Das heißt weiter, daß Er diese Schwächen wie ein jeder andere Mensch durch die alleräußersten Selbstverleugnungen überwinden mußte, (Ich habe die Welt überwunden) um zur Einswerdung mit dem Geiste Gottes in Ihm zu gelangen. (3.Hi. Seite 138,6) – Und jetzt kommt die Frage, bei der die Irrtümer über die Seele Jesu entstehen und manche meinen, der Menschensohn Jesus sei ein Engelsgeist oder Seine Seele sei eine Naturseele gewesen, und diese Frage lautet: „Woher kamen die Schwächen Seiner Seele, wenn Sie göttlich war?“

Jesus sagte einmal zu Robert Blum: „Deine Seele ist nicht von dieser, sondern von einer andern Erde. Etwas, das mit dem Fleisch deines Leibes zusammenhing, ist wohl von dieser Erde hinzugekommen; aber im ganzen gehörst du zu den Seelen der Erdenwelt, die da heißt Uranus.“ (2.RB 265,3) Die Seele Robert Blums stammte nicht von dieser Erde, sondern von einem Stern. Zu solchen Seelen, die von oben kommen, kommt dann noch Seelisches von dieser Erde hinzu.

auch zu den Seelen der Engelsgeister kommt Seelisches von dieser Erde hinzu. Jesus sagt: „Die Seele hat das Fleisch und Blut gebildet und hat nachher selbst ihre formelle Ausbildungsnahrung aus denselben (aus Fleisch und Blut) genommen.“ (3.GEJ 170,9) Die Seele ist schon vor der Bildung des Fleischleibes da, denn sie ist es, die von der Befruchtung an den Leib aus der Nahrung der Mutter bildet, dann aber aus dem Fleisch und Blut Seelensubstanz für die Ausbildung und Festigung ihrer Form nimmt. Auch nach der Geburt nimmt die Seele aus der Nahrung das ihr Verwandte auf. (10.GEJ 209,5) Auf diese Weise kommen zu einer Seele von oben unreine Seelensubstanzen hinzu, die eine reine Seele schwächen, bis diese von ihr vergeistigt worden sind.

Aber auch das Fleisch des Leibes, das geistig noch sehr unrein ist, schwächt eine reine Seele, denn es ist eine Versuchung für sie. Jesus sagt: in das Fleisch ist für den Geist des Menschen ein denselben probendes Gegengewicht gelegt und heißet Versuchung!“ (5.GEJ 70,4) Das sehen wir am Beispiel Johannes des Täufers. Über ihn sagt Jesus: „Johannis Geist ist groß und größer denn alle Geister, die je auf dieser Erde in einem Leibe gewirkt haben; aber sein Leib gehört dieser Erde an, und aus dessen Schwächen hat sich auch eine schwache Seele entwickelt.“ (1.GEJ 145,2) Aus der Nahrung und dem Fleisch, das sich schließlich auch aus der Nahrung gebildet hat, kommen die Schwächen in eine reine Seele von oben. Auch die Schwächen der göttlichen Seele Jesu sind auf die gleiche Weise in sie gekommen, wie das bei den reinen Seelen der Engelsgeister geschehen ist.

Der materielle Leib hat einen eigenen Genußwillen und diese Begierde muß die Seele überwinden. Der reine Geist ist in einem kleinen Bläschen im Seelenherzen eingeschlossen und muß sich von der Seele, indem sie sich vergeistigt, befreien lassen. Die Seele kommt völlig unausgebildet und ohne Rückerinnerung auf die Welt, bekommt aber vom Geist die Fähigkeit, Wahres vom Falschen und Gutes vom Bösen zu unterscheiden und völlig frei zu denken und zu wollen. (8.GEJ 24,11-12) Andererseits macht die Seele auch selbst durch die äußeren Sinne ihres Leibes Erfahrungen von guten und schlechten, wohltuenden und schmerzlichen Eindrücken. Außerdem wird ihr von Gott auf dem Wege der inneren und äußeren Offenbarung, durchs Wort die göttliche Ordnung gezeigt. Also ausgerüstet ist die Seele imstande, sich frei selbst zu bestimmen, die göttliche Ordnung anzunehmen oder abzulehnen, nach ihr zu handeln oder nicht nach ihr zu handeln. (2.GEJ 210,5-6)

Der innere Geist arbeitet zwar unablässig dahin, die Seele ehestmöglich reif und von der Materie frei zu machen, aber er darf ihr nicht den geringsten Zwang antun. (7.GEJ 69,6) Die Seele muß sich aus ihrem eigenen Wollen (DTT 21,19) und mit ihrem freien Willen für das Wahre und Gute entscheiden, (8.GEJ 24,12) muß des Leibes Genußwillen (4.GEJ 226,1) und ihre eigenen seelischen Wünsche und Begierden (8.GEJ 24,10) überwinden und all ihr Trachten, Tun und Treiben allein nach dem rein Geistigen ausrichten. (5.GEJ 51,3) Wenn die Seele so in den Willen des Geistes eingeht, der auch der Wille Gottes ist, dann nimmt sie ihrem Geiste die Fesseln ab, der Geist wird frei und vereinigt sich mit der vergeistigten Seele. Will aber die Seele etwas geistig Törichtes, so zieht sich der Geist wieder in sein Bläschen zurück und überläßt der Seele allein die Ausführung ihres Wunsches. Läßt die Seele wieder von ihren Selbstlustträumereien ab, so vereinigt sie sich, wenn alles überwunden ist, mit dem Geiste. (4.GEJ 226,3-4)

Unter diesen Bedingungen mußte auch die Seele Jesu ihre Schwächen überwinden und den Versuchungen ihres Fleisches widerstehen. Nun war aber die Seele Jesu mit Schwächen behaftet, die bei weitem stärker waren als bei allen anderen Menschen und zwar aus dem Grunde, damit die Fülle der Gottheit, welche die reinste Gottesliebe war, (2.RB 157,10) in Seiner Seele gehalten werden konnte. Jede Seiner Eigenschaften war ja in Seiner Seele im höchsten Grade ausgeprägt, während die Eigenschaften aller anderen Menschen jeweils nur mehr oder weniger schwach hervortreten. Deshalb mußte Er als Fessel Seines Geistes zu jeder Seiner Eigenschaften auch die größten Schwächen in Seiner Seele haben. Er, aus dem alles hervorgegangen war, der ein Herr war über alles Geschaffene, dem alles auf den leisesten Wink untertan war, hatte deshalb auch die größte Herrschlust als Schwäche in Seiner Seele. Diese bändigte Er durch die Untertänigkeit und den willigsten Gehorsam zu denen, die wie alle Menschen gegen Ihn wie gar nichts waren. Er, der alles Sein Eigentum nennen konnte, hatte deshalb den Stolz als Schwäche zu überwinden. Diesen demütigte Er durch die Armut. Aber welch ein hartes Mittel war das für Den, dem alles gehörte und der dennoch nichts in Seinen irdischen Besitz bringen durfte. Er, der seit Ewigkeit die allerhöchste Freiheit genoß, hatte auch den größten Freiheitssinn als Schwäche zu überwinden, und es war für Ihn endlos schwer, sich den Menschen wie ein sklavischer Knecht gefangenzugeben. Es heißt in der Jugend Jesu: „Da Er ferner die Bosheit der Menschen mit einem Blicke durchsah und sah ihre Hinterlist und Heuchelei, Verschmitztheit und ihre Selbstsucht, so ist es auch begreiflich, daß Er sehr erregbar war und konnte leichtlichst beleidigt und erzürnt werden; aber da mäßigte Er Sein göttliches Gemüt durch Seine Liebe und darauf erfolgte Erbarmung.“ (JJ 300,14-16) „Er kämpfte aus dem Willen der Seele gegen alle diese gar mächtigsten, tödlichsten Triebfedern Seiner Seele!“ (JJ 300,5) Und also übte Er Sein Leben durch lauter schwerste Selbstverleugnungen, um dadurch die zerrüttete ewige Ordnung wiederherzustellen.“ (JJ 300,17)

Hätte der Mensch Jesus aus dem Willen Seiner Seele gegen diese gewaltigsten Schwächen kämpfen können, ohne je im geringsten zu fallen, wenn Seine Seele eine Naturseele gewesen wäre? - Sie wäre wohl mehr als einmal gefallen. Durch Seine Selbstverleugnungen stellte die göttliche Seele, die Weisheit, die zerrüttete ewige Ordnung wieder her und dazu war keine Naturseele in der Lage. Aber auch einem Engelsgeist wäre es wohl zu schwer geworden, das zu vollbringen, was die göttliche Weisheit vollbrachte.

Weil nun Jesu Seele eine göttliche war, dürfen wir nicht meinen, Er hätte es leichter als wir gehabt, zur Einswerdung mit dem Geiste Gottes zu gelangen. Gerade das Gegenteil war der Fall. Jesus sagt: „Da Ich... Meinem inneren Geistwesen nach (welches die ewige Liebe war) etwas mehr denn ein purer Mensch bin, ...so hatte Ich es eigentlich schwerer, weil Ich (die göttliche Weisheit) als Mensch dieser Erde nie einen eigenen Willen in Mir aufkommen lassen durfte, sondern stets den Willen Dessen (der ewigen Liebe) auf das genaueste befolgen mußte, der durch Mich (die Weisheit) in diese Welt kommen und den Menschen das ewige Leben bringen und geben wollte.“ (6.GEJ 88,11) Jesus durfte nicht ein einziges Mal auch nur eine kleinste Sünde begehen, weil Er sonst mit Seiner Mission völlig gescheitert wäre, während die gewöhnlichen Menschen bis zu einem gewissen Grad sündigen konnten, ohne daß sie gänzlich versagt hätten.

Jesus verbrachte die Jahre bis zu Seinem Lehramtsantritt unter beständigen harten Bekämpfungen von Versuchungen und übte so Sein Leben lang lauter schwerste Selbstverleugnungen. (JJ 300,17-18) über diese Zeit, die bis zur Taufe im Jordan ging, sagt der himmlische Vater: „Bis zu dieser Zeit war Jesus ein Mensch, welchen der Vater (der Geist Gottes in Ihm als die ewige Liebe) ganz vollkommen für Sich erzog, und dieser Mensch Jesus war der Sohn Gottes (die Weisheit) darum, weil ihn Gott (die ewige Liebe) unmittelbar für Seine allerhöchste Aufnahme durch eine Jungfrau geboren werden ließ und ihm auch von Seiner allerhöchsten Seite Selbst die gehörige Erziehung gab. So war dieser Jesus bis auf diesen ersten Auftrittszeitpunkt weiter nichts als ein noch unbekanntes fleischgewordenes Wort Gottes (die ewige Weisheit im Fleischleib) und mußte als Mensch sich freitätig gleich jedem anderen Menschen durch die alleräußersten Selbstverleugnungen auf das allertüchtigste vorbereiten zum bevorstehenden Vollempfange des Geistes Gottes.“ (3.Hi. Seite 138,6)

Der Mensch Jesus war von der Geburt an bis zu Seiner Einswerdung mit dem Geiste Gottes, der ewigen Liebe, nur das fleischgewordene Wort. Es heißt in den Schrifttexterklärungen (17,4-6): „Christus war nur ein Mensch“ aber gleichzeitig auch: „Christus war die Grundweisheit des Vaters.“ Das bedeutet, daß die Grundweisheit des Vaters als Mensch so gestellt war, wie es alle anderen waren, ein Mensch mit Fleisch und Blut, der in diese Welt geboren worden ist. Jesus sagt: „Ich beschloß in Meiner Liebe, Meine Weisheit von Mir zu trennen und selbe auf einem kleinen unansehnlichen Weltkörper als Mensch einzukleiden.“ (G. Mayerhofer, Be. Fe. Dr. Seite 29) Die Weisheit mußte Sich von der Liebe trennen und wurde als Seele eingezeugt. Die Zeugung geschah geistig durch Ihn Selbst. Jesus sagt: „Ich bin, als nun ein Mensch im Fleische vor euch, der Sohn und bin niemals von einem andern als nur von Mir Selbst gezeugt worden und bin eben darum Mein höchsteigener Vater von Ewigkeit.“ (8.GEJ 27,2)

Gott oder der Vater in Ihm hat die Seele oder den Sohn wohl erzogen, aber Er durfte sie nicht zwingen, damit sie sich völlig frei entscheiden und handeln konnte. Es heißt in der Vorrede der Jugend Jesu: „Ich lebte die bekannte Zeit bis zum dreißigsten Jahre geradeso, wie da lebt ein jeder wohlerzogene Knabe, dann Jüngling und dann Mann, und mußte durch den Lebenswandel nach dem Gesetze Mosis die Gottheit in Mir – wie ein jeder Mensch Mich in sich – erst erwecken. Ich Selbst habe müssen so gut wie ein jeder andere ordentliche Mensch erst an einen Gott zu glauben anfangen und habe Ihn dann stets mehr und mehr mit aller erdenklichen Selbstverleugnung auch müssen mit stets mächtigerer Liebe erfassen und Mir also nach und nach die Gottheit erst völlig untertan machen.“ (JJ 0,1-2) Die göttliche Seele Jesu mußte durch die alleräußersten Selbstverleugnungen die gewaltigen Schwächen, die der Vater wohlweislich in sie gelegt hatte, überwinden, um eins zu werden mit Ihm. Jesus sagt: „Also mußte die Seele Jesu auch die größten Versuchungen, Sich Selbst verleugnend, bestehen, um ihrem Gottgeiste die Bande abzunehmen, Sich damit zu stärken für die endloseste Freiheit des Geistes aller Geister, und also völlig Eins zu werden mit Ihm. Und ebendarin bestand denn auch das Zunehmen der Weisheit und Gnade der Seele Jesu vor Gott und den Menschen, und zwar in dem Maße, als Sich der Gottgeist (die ewige Liebe) nach und nach stets mehr und mehr einte mit Seiner freilich göttlichen Seele, welche da war der eigentliche Sohn. (die ewige Weisheit)

Die Weisheit ist das helle Schauen der ewigen Ordnung Gottes in sich, und die Gnade ist das ewige Liebelicht, durch das alle die endlosen und zahllosen Dinge, ihre Verhältnisse und Wege erleuchtet werden!“ (JJ 299,18-19+15) Die Seele Jesu nahm in dem Maße an Weisheit und Gnade zu, wie die göttliche Weisheit die in ihre Seele gelegten Schwächen überwand und in demselben Maße wuchs der göttliche Geist, der zunächst nur keimartig in Seiner Seele lag.

Jesus sagte: „Ich als Mensch, wie Ich nun vor euch dastehe, bin kein Gott, wohl aber ein Gottessohn, was eigentlich ein jeder Mensch sein soll... Einer von ihnen aber ist von Gott aus und von Ewigkeit her bestimmt, der Erste zu sein, das Leben in Sich zu haben und es jedermann zu geben, der an Ihn glaubt und nach Seiner Lehre lebt. Und dieser Erste bin Ich!

Aber Ich habe solches Leben aus Gott nicht etwa vom Mutterleibe aus in diese Welt gebracht! Der Keim lag wohl in Mir, aber er mußte erst entwickelt werden, was Mich nahe volle dreißig Jahre Zeit und Mühe gekostet hat. Nun stehe Ich freilich als vollendet da vor euch und kann euch sagen, daß Mir alle Gewalt und Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden, und daß der Geist in Mir (die Flamme des Feuers der Liebe, 4.GEJ 252,1) völlig eins ist mit dem Geiste Gottes (der ewigen Liebe)... der freilich wohl in aller Fülle in Mir wohnt.

Dieser Geist ist wohl Gott, doch Ich als purer Menschensohn nicht; denn Ich habe als solcher auch, jedem Menschen gleich, durch viele Mühe und Übung erst Mir die Würde eines Gottes erwerben müssen und konnte Mich als solcher erst einen mit dem Geiste Gottes. Nun bin Ich wohl eins mit Ihm im Geiste, aber im Leibe noch nicht; doch Ich werde auch da völlig eins werden, aber erst nach einem großen Leiden und gänzlicher und tiefst demütigender Selbstverleugnung Meiner Seele.“ (6.GEJ 90,9-12)

Wenn Sich Jesus als ein Gottessohn bezeichnet und ein jeder Mensch ein Gottessohn sein soll, heißt das dann nicht, daß Seine Seele wie die Seelen aller anderen Menschen eine geschaffene Seele war? – Nein, Seine Seele war die ungeschaffene göttliche Weisheit, während alle anderen Seelen geschaffen wurden. In diesem Sinne war Er der einzige oder eingeborene Sohn von Ewigkeit. (4.GEJ 252,4) Deshalb ist Er auch von Gott aus und von Ewigkeit her bestimmt, der Erste zu sein und das Leben (die ewige Liebe) in Sich zu haben. In Ihm lag das Leben (die ewige Liebe) als Keim im Bläschen des Seelenherzens, das erst entwickelt werden mußte. Bis zum Anfang Seiner Lehrzeit war der Keim voll entwickelt und Vater und Sohn waren eins.

Jesus sagte: „Ich bin ein Mensch, in dem eine göttlich unsterbliche Seele (die Weisheit) und der Geist Gottes (die Liebe) wohnt in Seiner Fülle, so weit, als es für diese Erde notwendig ist, und das ist der Vater (die Liebe) im Himmel, dessen Sohn Ich (die Weisheit) bin und dessen Kinder auch ihr seid. Aber ihr alle waret blind und seid es noch in vieler Beziehung; aber Ich kam sehend in die Welt, um euch allen den Vater zu zeigen und euch Mir gleich sehend zu machen.“ (3.GEJ 100,3-4) Alle Menschen kommen blind, nur Jesus kam sehend in die Welt. Das heißt nun nicht, daß Er allwissend in die Welt kam, sondern „sehend“ heißt, daß Er fortwährend auf das lebendigste die allmächtige Gottheit oder den Vater in Sich fühlte. Es war ja trotz der Trennung immer eine innere Verbindung zwischen der Weisheit und der Liebe vorhanden. Und Er wußte es in Seiner Seele, daß alles in der ganzen Unendlichkeit Seinem leisesten Winke untertan ist und ewig sein muß. (JJ 300,2) Jesu Leib und Seele mußten erst alles lernen, (JJ 55,23-24) wie bei allen anderen Menschen. nur zur Zeit, in der ein besonderes Wirken notwendig war, tauchte die Gottheit aus Ihrem Eingekerkertsein zur Wundertätigkeit auf. (JJ 0,2)

Jesus spielte schon als kleiner Junge mit anderen Kindern oftmals auf eine sehr weise Art. (JJ 297,26) Da waren Seine Spiele nicht die üblichen Spiele, wie Kinder sie spielen, sondern sie waren geistige Belehrungen. Er brauchte auch keinen Schulunterricht, denn der Unterricht, den Er bekam, kam aus Seinem Inneren. Die Lehrer, die Jesus etwas beibringen sollten, richteten mit Ihm nie etwas aus. Einem Lehrer, der Jesus Lesen und Schreiben beibringen wollte, las Jesus etwas aus dem Daniel vor und erklärte es ihm auf eine Art, daß er ganz verwundert sagte: „O Bruder Joseph, jetzt begreife ich es klar, warum mit diesem Knaben kein Lehrer es auszuhalten vermag! Der Knabe versteht ja ohnehin mehr als alle Lehrer zusammen auf der ganzen Erde! – O darum behalte ihn ja daheim!“ (JJ 296,20-21) Schon als kleines Kind redete Er als die göttliche Weisheit und sprach: „Der Vater und Ich (der Sohn) sind einer Liebe und eines Herzens!“ (JJ 91,12) Später aber sprach Er zum Joseph: „Von jetzt an bin Ich wieder wie ein jeglich Menschenkind – und muß es sein; denn auch Mein Fleisch muß wachsen zu euer aller Heile.“ (JJ 226,4) Von da an redete das Jesuskind wieder ganz kindisch, und in Seiner Rede war keine Spur mehr von irgend etwas Göttlichem. (JJ 226,16) Jesus sagt: „Wenn Ich in Meiner frühesten Kindheit schon Worte des Geistes sprach, wo andere Kinder noch unverständliche Laute hervorbringen, wenn Ich, wie während des dreitägigen Aufenthalts im Tempel, Aufklärungen gab und sogar Wunder wirkte, so müßt ihr bedenken, wessen Geist in diesem Jesus verborgen lag, und wie leicht er bei der geringsten Erregung durch die Menschenhülle durchleuchtete.“ (PH 7,5)

als zwölfjähriger Knabe sprach Jesus im Tempel: „Ich aber kenne Meinen Geist und bin schon lange eins mit ihm und kann darum auch aller Natur gebieten, weil der Geist wahrhaft ein Gottesgeist ist.“ (DTT 21,21) Nun fragt es sich aber, warum Jesus als zwölfjähriger sagte, daß Er schon lange mit Seinem Geiste (der ewigen Liebe) eins sei, obwohl es doch hieß, daß diese Einswerdung erst am Anfang Seiner Lehrzeit erfolgte? – Dem Außen nach hatten Sich die Liebe und die Weisheit wohl wie getrennt, (2.GS 95,12) aber dem Inneren nach waren Sie immer eins.

Eine weitere Frage ist die, warum Jesus während Seiner Lehrzeit sagte, daß der Geist in Ihm völlig eins sei mit dem Geiste Gottes, der in aller Fülle in Ihm wohnt? (6.GEJ 90,11) Bis jetzt war immer nur die Rede von der göttlichen Seele Jesu und dem in ihr zunächst eingekerkerten und später mit Ihm einsgewordenen Geiste Gottes. Wer ist nun der Geist des Menschen Jesus, der eins ist mit dem Geiste Gottes in Ihm? – Dieser Geist ist kein Engelsgeist und auch kein sonstiger neu geschaffener essentieller Geist, denn diese hätten jeweils ein eigenes Ich, welches nicht das Ich des Vaters (der Liebe) und des Sohnes (der Weisheit) wäre. Gott aber kann Seine Herrlichkeit keinem anderen geben. (8.GEJ 26,6)

An dem Vergleich des Wesen Gottes mit der Sonne, den Jesus anstellt, können wir verstehen, wer dieser Geist ist. Im Innersten der Sonne brennt ein allerheftigstes Feuer, dessen Lichtkraft die Lichtstärke der äußeren Lichtatmosphäre ums unaussprechliche übertrifft. Dieses inwendige Feuer erzeugt fortwährend eine reinste Sonnenluft. Im Inneren der Sonne ist demnach stets Luft vorhanden, deren Überfluß aus dem Sonnenkörper entweicht und die Lufthülle bildet. An der Oberfläche der Lufthülle wird die Luft selbst Feuer und Licht, aber in einem Mindergrade als das Feuer im Zentrum der Sonne. Das inwendige Feuer ist gleich dem Geist Gottes oder dem Vater in Jesus und die äußere Luft ist gleich Seiner Seele. Das Feuer aber könnte ohne die Luft nicht bestehen und die Luft könnte ohne das Feuer nicht erzeugt werden. So muß, wenn der Vater da ist, auch der Sohn vorhanden sein, wenn ein Geist da ist, auch eine Seele vorhanden sein. Des Feuers Flamme ist nur Luft, deren Geister sich in der größten Tätigkeit befinden, und die Luft ist in sich wie die Flamme, aber im Zustand der Ruhe ihrer Geister, aus denen sie besteht. Das Feuer mit seiner lichten Flamme und die Luft sind deshalb in ihrem Wesen eins – und doch besteht zwischen beiden ein großer Unterschied, denn wenn die Luftgeister nicht bis auf einen gewissen Grad erregt werden, bleibt die Luft immer nur Luft. Wird sie aber im höchsten Grade erregt, dann wird sie auch ganz dem innersten Feuer gleichen. Jesus sagt: „Dieses innerste Feuer der Sonne ist gleich dem Vater in Mir, und Ich (die Weisheit) bin das aus dem Grundzentralfeuer stets gleich hervorgehende Licht und auch Feuer, durch das alles, was da ist, erschaffen ward, lebt und besteht. Also bin Ich in Meinem gegenwärtigen Sein das Äußere und Auswirkende des innersten Vaters in Mir... Ich bin wohl die Flamme Seiner Liebe, und Meine Seele ist das Licht aus dem Feuer der Liebe des Vaters.“ (4.GEJ 252,1-15)

Der Mensch Jesus als die Weisheit, ist das äußere Wesen Gottes, das mit der Lufthülle der Sonne vergleichbar ist. Diese wird an ihrer Oberfläche zu Feuer und Licht. Das Licht entspricht der Seele Jesu und die Feuerflamme Seinem Geist, der gleichen Wesens mit dem Geiste Gottes (dem innersten Feuer der Sonne) in Ihm ist. Jesus sagt: „Die Gottheit trat in Ihm nur bei Gelegenheiten in dem Maße wirkend auf, als Er als Mensch durch Seine Taten dieselbe in Sich flott machte; aber ohne Taten tauchte die Gottheit nicht auf.“ (Schr. 8,9) So wurde zur Zeit der Kindheit und Jugend Jesu, wenn Seine Seele durch ein besonderes Ereignis angeregt wurde, dieselbe vom inneren Gottesgeistfeuer entzündet, so daß sie zur Flamme wurde. In diesem Zustand konnte Jesus dann, obwohl er noch ein kleines Kind war, als der Sohn Gottes oder die Weisheit sprechen und auch Wunder wirken. Wenn Sich der Gottesgeist oder der Vater wieder zurückzog, so benahm Sich das Jesuskind wieder wie die anderen Kinder Seines Alters.

Jesus lebte und handelte stets so, daß der Geist Gottes in Ihm nach und nach befreit wurde, bis Er Sich mit der Seele vereinte. Jesus sagt: „Sein Handeln ging lediglich aus seiner fortwährend großen Liebe zum Göttlichen und eben also auch aus der Liebe zu dem Nächsten hervor. Er opferte jede Handlung Gott auf und übte sie also, daß er dabei nie seinen Vorteil, sondern bloß den seines Nächsten vor Augen hatte. Daneben verwendete dieser Mensch tagtäglich eine Zeit von drei Stunden der allgemeinen Ruhe in Gott.“ (Schr. 8,14)

Bevor Sein innerer Gottgeist (1.GEJ 150,6) Sich mit der Seele Jesu vereinen konnte, mußte Er Ihn durch Seine äußere Tätigkeit, die stets aus der Liebe hervorgehen mußte, erst erwecken. Jesus sprach: „die volle Einung der Fülle der Gottheit mit dem Menschen Jesus ist nicht auf einmal, wie mit einem Schlage, sondern – wie alles unter der Leitung Gottes – erst nach und nach, gleich dem sukzessiven Erwachen des göttlichen Geistes im Menschenherzen, und erst durch den Kreuzestod vollends erfolgt.“ (JJ 0,6) So kam die Zeit heran, in der die Seele Jesu die Welt überwunden hatte und die ewige Liebe von allen Fesseln befreit, sich mit Ihr vereinigen konnte. Die Einswerdung geschah bei der Taufe im Jordan, als der Geist Gottes, die ewige Liebe, sichtbar über Ihn kam. Da sprach der Geist Gottes: „’Dieser Mensch Jesus ist Mein geliebter Sohn, an dem Ich ein Wohlgefallen habe’ – das heißt: mit welchem Ich Mich jetzt auf ewig unzertrennlich in Eins verbinde. Diesem Menschen Jesus sollet ihr von nun an folgen und hören Sein Wort! Sehet, hier ist Jesus Eins mit dem Vater, (der ewigen Liebe) so zwar, daß da zwischen Ihm und dem Vater es keinen Unterschied mehr gibt.“ (3.Hi. 138,8-9) Die Liebe Gottes, des Vaters, nahm nun volle Wohnung im Menschen Jesus, aber nicht so, als wäre diese Liebe von außen in Ihn gekommen, sondern sie quoll hervor aus Seinem Innersten. So konnte Jesu große Mission ihren Anfang nehmen, um jedem Menschen, der Seine Lehre annimmt und befolgt, das Leben zu geben, das Er für alle Geschaffenen erkämpft hat.

Jesus sagt: „Ich habe die Fülle des Lebens vom Vater überkommen und kann jedermann, der das Leben will, auch das Leben geben; denn es hat der Vater Mich also schon vor der Welt verordnet, daß in Mir alle Fülle des Lebens wohne und durch Mich alle Menschen leben sollen. Und dieser Verordnete bin Ich Meiner Seele nach; dem Geiste nach aber bin Ich eins mit Dem, der Mich verordnet hat... die Seele wird mit der Ablegung des Leibes nur freier, heller und lebendiger, und vollends eines mit Dem, der sie vor aller Welt verordnet hatte zum Heile aller, die an den Sohn des Menschen glauben werden und halten Seine Gebote.“ (3.GEJ 100,5+7) Der Mensch Jesus hat die Fülle des Lebens vom Vater überkommen, (Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben) der Ihn schon vor aller Welt verordnet hat, um den Menschen das Leben zu geben. Der Verordnete aber war die Weisheit, die in die Welt gesandt wurde, damit auch der Vater (die ewige Liebe) durch sie in die Welt kommen konnte.

Hier taucht noch die Frage auf: Wieso mußte denn die Seele Jesu, der Sohn, mit dem in Ihr wohnenden Geiste Gottes, dem Vater, eins werden, da doch Jesus von Sich und dem Vater sagte: „Wir sind ja von Ewigkeit Eins gewesen!?“ (1.GEJ 148,9) – Weil zum einen die Liebe Sich dem Außen nach von der Weisheit wie getrennt hatte (2.GS 95,12) wegen des Ungehorsams des ersten Menschenpaares und zum anderen, weil damals der Sohn im Fleisch war, in dem Er Seine Schwächen wie jeder andere Mensch, durch ein Leben der Liebe und Demut überwinden mußte, um dadurch erst wieder eins zu werden mit dem Vater. Dazu sagt Jesus: „Ich als Gott bestehe, bestand und werde stets bestehen aus zwei Dingen oder Hauptprinzipien, das Eine heißt die Liebe, das andere die Weisheit! Das Eine ist ‘der Vater’ das andere ‘der Sohn’. So müsset ihr also diese Eigenschaften gesondert betrachten, die jede wie für sich ihre Sphäre haben kann, ohne die andere zu beeinträchtigen. Der Vater ist die allumfassende Liebe, die zu allem Erschaffenen den Impuls gab, und alles durch dieses Band zusammenhält; die Weisheit ist der ordnende Sohn, Der der Liebe unbegrenztes und unbeschränktes Wirken, die nirgends Nein sagen könnte, regelt, ihr mäßigende Schranken setzend.

Als Ich den Geistern Mein Probebeispiel von (einer) Demütigung geben wollte, trennte sich gewissermaßen die Weisheit von Mir (dem Vater), und wurde Mensch, und die Liebe beeinflußte selbe nur insoweit, als selbe mit ihr in Verbindung stehen mußte, da Liebe nicht völlig ohne Weisheit und Weisheit nicht ohne Liebe sein kann. Da also (selbst bei der dort nötigen Trennung) stets eine Verbindung dieser beiden Eigenschaften, die Mein eigentliches Ich ausmachen, vorhanden war, so waren ja die Reden Jesu stets gerechtfertigt, wenn Er vom ‘Vater’ sprach, z.B. wo Er sagte: ‘Ihr kennet Ihn nicht, aber Ich kenne Ihn’, oder ‘Ich komme vom Vater und gehe zum Vater.’

Auf dem letzten Gange nun, im Garten, wo die Weisheit als Mensch den letzten bittersten Akt als Schlußstein Ihres Probelebens begehen mußte, sah zwar dieselbe Ihr unerbittliches Schicksal voraus, allein die Liebe, um Sich Selbst konsequent zu sein, mußte Ihn, den Sohn, den Menschen Jesus, ganz allein als Mensch Sich Selbst überlassen wegen Seiner Aufgabe. (Da fiel auf Ihn) die ganze Wucht Seines Versprechens, die gefallene Menschheit durch Seinen Tod als Selbst-Mensch wieder vom Tode zu erlösen, und die Geister alle wieder auf den rechten Weg zurückzuführen, der allein nur möglich zur Erreichung des großen Zieles war. Und in dieser letzten totalen Verlassenheit fühlte Ich als Jesus Mich alles Göttlichen beraubt, ein Zustand, der bis dort noch nie eingetreten war, und deswegen rief Ich: ‘Wende den Kelch von Mir ab, aber nicht Mein, sondern Dein Wille geschehe!’ Es war der Moment der Todesangst und größten Demütigung, der wichtigste Moment Meiner Mission, die, hätte Ich sie nicht erduldet, wie Ich sie dort wirklich erduldet habe, wirkungslos für euch Menschen und alle Geister gewesen wäre.

Begreifet ihr nun, warum Ich als Mensch so sprach und so betete? - Weil Ich da eben ganz wie ihr nur Mensch und nichts anderes war; nur mit dem kleinen Unterschied, daß Ich noch die Voraussicht hatte dessen, was Mir begegnen wird, welche ihr als gewöhnliche Menschen entbehret; deswegen aber auch diese Stunde im Garten vor Meiner Gefangennahme so verhängnisvoll und bitter für Mich war.“ (G. Mayerhofer, Be. Fe. Dr. Seite 19-20)

Im Garten Gethsemane trat erstmals seit der ganzen Ewigkeit der Moment ein, in dem die göttliche Weisheit Sich alles Göttlichen beraubt fühlte, weil Gott, die ewige Liebe, Sich in dem Menschen Jesus zurückzog. Hier mußte Sich die Weisheit ganz allein als Mensch entscheiden, Ihr Versprechen einzulösen, die gefallene Schöpfung vom Gericht zu erlösen und den Weg des Gehorsams und damit des Leidens zu gehen. In dieser totalen Verlassenheit, in der Jesus nur ein schwacher Mensch war, kam auf Ihn die ganze Last Seiner Aufgabe, das unmittelbar bevorstehende Leiden und Sterben am Kreuz, das Er klar vor Seinen Augen hatte.

Der Apostel Johannes sagt: „Was tat der Herr am Kreuze als die alleinige göttliche Weisheit, da Sie gewisserart dem Außen nach wie geschieden war von der ewigen Liebe? – Er, als die Weisheit, und als solche der Grund aller Gerechtigkeit, wandte Sich Selbst an den Vater oder an die ewige Liebe, forderte diese nicht gewisserart gerechtermaßen um Rache auf, sondern Er bat die Liebe, daß Sie allen diesen Missetätern, also auch allen den Hohepriestern und Pharisäern alle ihre Tat vergeben möchte, indem sie nicht wissen, was sie tun!“ (2.GS 95,12) Die Liebe mußte sich von der Weisheit trennen, weil die Weisheit in ihrer Heiligkeit nach dem Fall der Geschaffenen unerfüllbare Gerechtigkeit von der Liebe forderte. (Schr. 17,4) Die Weisheit aber fühlte Sich verlassen ohne die innigste Vereinigung mit der Liebe. Um sich aber mit der Liebe wieder zu vereinigen, mußte die Weisheit in dem Menschen Jesus die von Ihr gestellten Aussöhnungsbedingungen Selbst erfüllen. Sie durfte nicht Gerechtigkeit fordern, sondern nur um Liebe bitten.

Über den Bibelvers: „Mußte nicht Christus solches leiden und so eingehen in Seine Herrlichkeit?“, (Luk. 24,26) sagt uns der himmlische Vater: „Man wird hier freilich sagen: ‘Christus war ja ohnehin das ewige Leben Selbst und besaß in Sich alle Herrlichkeit desselben; warum mußte Er denn hernach leiden, um in diese Herrlichkeit einzugehen?’

Ich aber sage: Christus war nur ein Mensch und mußte Sich als erstes Grundvorbild die vollkommene Herrlichkeit Gottes erst durch Seine Taten vollkommen zu eigen machen! Und hätte Er dieses nicht getan, so wäre es um die ganze Schöpfung geschehen gewesen; denn erst in Ihm ward Vater und Sohn wieder eins oder - was dasselbe ist - die göttliche Liebe und die göttliche Weisheit. Denn zuvor hatte sich die Liebe abgezogen von der Weisheit, weil die Weisheit in ihrer Heiligkeit sich zu unerreichbar allerhöchst aufgestellt hatte, und ihre Forderungen waren über alle Erfüllungsmöglichkeit gestellt.

Aber die Weisheit war öde ohne die innigste Vereinigung mit ihrer Liebe. Wie konnte sich aber jene mit der Liebe wieder vereinigen? - Sie mußte in dem Menschen Jesus die von ihr gestellten Aussöhnungsbedingungen Selbst erfüllen; sie mußte sich demütigen bis auf den kleinsten Punkt, und dadurch erst ward sie vollkommen wieder eins mit ihrer Liebe, welche der ‘Vater’ ist. Darum verschmähte denn auch Christus, als Selbst die ewige, allmächtige Grundweisheit des Vaters, alle Weisheit der Weisen der Welt; und alle Schriftgelehrten mußten Ihm ein Greuel sein, so ihre Taten nicht aus dem Grunde des Lebens der Schrift gemäß waren. Er als die ewige Weisheit des Vaters mußte Werke der Liebe tun und lehren die Menschen das alleinige Gesetz der Liebe; ja, Er mußte am Ende Sich von der Weisheit der gelehrten Priester gefangennehmen und kreuzigen lassen und mußte auf diese Weise als das urewige Licht des Vaters oder der Liebe die größte Schmach und an Sich Selbst die größte Verfinsterung erleiden, darum Er denn auch ausrief: ‘Vater! Warum hast Du Mich verlassen?!’

Daß aber Er als das urewige Licht der ganzen Unendlichkeit in Sich Selbst eine gänzliche Verfinsterung erdulden mußte, beweist jener bisher noch von niemandem verstandene Augenblick, in welchem nach dem Verscheiden Christi am Kreuze eine Verfinsterung der ganzen unendlichen Schöpfung eintrat. Und es war dieser Verfinsterungsmoment auch gleich dem, von dem ihr wisset, daß in ihm die Seele Christi nach dem Tode in die Hölle hinabstieg, um da die Geister, welche in der alten Weisheit gefangen waren, zu erlösen und sie zu führen an das neue Licht, welches aus der Wiedervereinigung des Sohnes mit dem Vater alle Unendlichkeit zu erfüllen anfing. Christus mußte daher das alte Gesetz der Weisheit in Sich Selbst bis auf ein Häkchen erfüllen, um dadurch alle Irrungen wider dieselbe vor dem Angesichte des Vaters zu sühnen; oder es mußte alle Weisheit gekreuzigt werden, damit dadurch die Liebe des Vaters gerechtfertigt ward!

Nun, das tat also Gott Selbst; was wollet denn dann ihr tun? Meinet ihr wohl, daß ihr durch die Rechtfertigung eurer Weisheit in die Herrlichkeit des ewigen Lebens eingehen werdet? Wenn Christus, als die göttliche Weisheit Selbst, Werke der Liebe tun und lebendigst predigen mußte und alle Seine Weisheit kreuzigen und in die größte Finsternis übergehen lassen mußte, um dadurch vollkommen wieder einzugehen in die Herrlichkeit des Vaters, welcher die getrennte Liebe in Christus Selbst war, so werden doch auch die Menschen ebenfalls diesen Weg wandeln müssen und werden Christus nachfolgen müssen, so sie mit Ihm in die Herrlichkeit Seiner väterlichen Liebe eingehen wollen.

In der Urkirche der Welt hieß es: ‘Ihr Menschen könnet nur durch die Liebe Gottes gelangen zu der sonst unerreichbaren göttlichen Weisheit!’ mit Christus aber heißt es: ‘Nun bin Ich als die göttliche Weisheit Selbst, als der Weg und das Leben die Tür zur Liebe oder zum Vater! Wer nun zum Vater will, der muß durch Mich eingehen!’ Wie aber? - Etwa durch die Weisheit, weil Christus als die Tür die göttliche Weisheit Selbst ist? - O nein; denn eben diese Weisheit ließ sich demütigen bis auf das letzte Atom! Sie, als die unantastbare Heiligkeit Gottes stieg unter alle Sünder tief herab; diejenige Weisheit, die ehedem kein allervollkommenster Engelsgeist in ihrem Grundlichte ansehen durfte, ging jetzt mit Sündern um und speiste unter ihrem Dache und mußte sich am Ende von heidnischen Kriegsknechten und Schergen ans Kreuz schlagen lassen!

Aus dieser endlosen Demütigung der göttlichen Weisheit Selbst aber geht doch mehr als sonnenklar hervor, daß da niemand etwa mit seiner aufgeblasenen Weisheit in die Herrlichkeit des ewigen Lebens gelangen wird! Niemandem werden seine durchstudierten Bücher und Schriften zu Stufen in das Himmelreich werden, sondern allein seine wahre Demut und die wahre werktätige lebendige Liebe zum Vater. In Christus ging alle urgöttliche Weisheit in die Liebe zum Vater über; dadurch ward aus Sohn und Vater eins. Desgleichen muß es aber auch bei dem Menschen der Fall sein. Bevor er nicht in seinem hochmütigen Verstande und in allen Begehrungen desselben, welche auf allerlei Ehrungen hinauslaufen, bis auf den letzten Tropfen gedemütigt wird, - ja, bevor er nicht alles der Liebe zu Füßen legen wird und darum erleiden wird eine kurze Verfinsterung aller seiner weltlichen Weisheit, wird er wahrlich nicht in die Herrlichkeit des Vaters eingehen! Christus mußte solches leiden und tun, um in die Herrlichkeit des Vaters einzugehen; also muß es auch ein jeder Mensch tun und muß Christus lebendig nachfolgen, wenn er in die Herrlichkeit des Vaters eingehen will.“ (Schr. 17,3-17)

Hier sind die Leiden der göttlichen Weisheit beschrieben, die Leiden der ewigen Liebe sind unter dem schon erwähnten Titel: „Der Sohn Gottes und das Geheimnis der Erlösung“ gesondert erläutert und können dort nachgelesen werden. Jesus sagt: „Weil aber das menschlich leidende Ich noch ein anderes, göttliches Ich in sich schloß, so war dieses Leiden auch ein doppeltes, nämlich das äußere, leibliche, und das innere, göttliche.“ (1.Hi. Seite 327)

Von zwei „Ichs“ ist hier die Rede, vom menschlichen „Ich“ und vom göttlichen „Ich“. Das menschliche „Ich“ ist die Seele, der Sohn, das Licht, die Weisheit oder das Wort, das Fleisch wurde. Das göttliche „Ich“ ist der Geist in Ihm, der Vater, das Feuer, die ewige Liebe oder der Gedanke, der dem Wort zugrunde liegt. Diese beiden, die das persönliche Gotteszentrum sind, hatten Sich getrennt (wenn auch nicht total) und vereinigten Sich wieder in dem Menschen Jesus. Bei Seinem Tod am Kreuze aber geschah die Vereinigung mit dem Allerinnersten des Vaters. (4.GEJ 252,4) „Diesem unendlichen Wesen Gottes hat es einmal wohlgefallen“, sagt der Evangelist Johannes, „und zwar zu einer Zeit, in welcher die Menschen am wenigsten daran dachten, sich in Seiner ganzen unendlichen Fülle zu vereinen, und in dieser Vereinigung anzunehmen die vollkommene menschliche Natur!“ (2.GS 13,8)

Zu den Urvätern der Menschheit sagte damals der himmlische Vater, daß Er arm sei, weil Er alles von Sich gegeben habe, als Er die Schöpfung aus Sich ins Leben rief und Er nur Sein Leben als Seine Liebe in Sich zurückbehalten habe. Wenn es sich aber darum handeln würde, daß da ein Kind nur dadurch zu retten wäre, daß Er Sein Leben für dasselbe dahingeben müßte, so würde Er es eher von Sich lassen, als eines Seiner Kinder zu verlieren. – Auf diese Rede hin weinten alle, weil sie von zu großer Liebe zum Vater ergriffen wurden. Der himmlische Vater aber sprach: „O Kindlein, solches hat nun euer guter Vater geredet, damit ihr Seine Liebe erkennen möchtet! Aber nicht umsonst hat Er solches geredet; denn was Er geredet hat, das wird Er einst auch tun durch Sein fleischgewordenes Wort in der großen Zeit der Zeiten. Ja, einen Sohn werde Ich zeugen, und Ich werde diesem Sohne geben all Mein Leben, und Ich werde sein im Sohne, und der Sohn wird sein in Mir, und der Vater und der Sohn werden dann ewig vollkommen eins sein!“ (2.HG 251,20)

Auf diese Rede wurde es dem Henoch wehmütig ums Herz, denn er meinte, daß dann wohl alles Leben zugrunde gehen müßte, wenn der Grundquell des Lebens in den Tod ginge. Der Vater aber sprach zum Henoch: „Dir, Mein Henoch, soll es gegeben sein, das große Geheimnis Meines Reiches zu erfahren und zu erfassen, aber sonst keinem außer dir (bis zur großen Zeit der Zeiten)... Also wird es auch sein in der großen Zeit der Zeiten, da das ewige Wort als der wesenhafte Grund aller Dinge in Sich Selbst Fleisch wird, in dem da wohnen wird alle Fülle Meines Wesens. Das Fleisch aber wird die Welt töten; aber die im Fleische wohnende Gottesfülle, also die ewige Liebe, wird das Fleisch alsbald wieder beleben aus Sich, und dann wird wohnen die Fülle Gottes ewig in Seinem fleischgewordenen Worte als ein Mensch gegenüber Seinen Geschöpfen, und diese werden Ihn schauen und sprechen wie einen rechten Bruder. Dieser Gottmensch erst wird euch allen bringen das wahre, ewige Leben; bis dahin aber werdet ihr leben nur ein getrenntes Leben.“ (2.HG 252,6+18-20) In dem Menschen Jesus, im fleischgewordenen Wort, wohnte die Gottesfülle, und diese war die ewige Liebe. Jesus war Gott und Mensch zugleich. Er war der einzige, der das je hat werden können und Er wird auch der einzige bleiben. Er hat unsere Schwächen angenommen, weil Er uns kein ferner Gott, sondern ein naher und leicht erreichbarer Vater, Freund und Bruder sein wollte. (9.GEJ 85,5)

Der Gottessohn ist vom Vater als ein Menschensohn in diese Welt gesandt worden, aber der Vater hat Seinen Sohn nicht allein gesandt, sondern Er kam durch und in Seinem Sohn mit und wollte durch Ihn in diese Welt kommen. Jesus sagt: „Der Vater, der Mich als einen Menschensohn in diese Welt gesandt hat, ist in Mir. Ich und Er aber sind nicht zwei, sondern vollkommen Eins; des Vaters Wille ist sonach auch Mein Wille, und der wirkt allenthalben. Den Vater für Sich aber kann kein Mensch sehen; denn Er wäre ohne Mich nicht da und Ich nicht ohne Ihn, weil Ich und Er vollkommen ein Wesen sind. Wer aber nun Mich sieht und hört, der sieht und hört auch den Vater; denn Ich als Vater habe Mich durch Meinen Willen Selbst in diese Welt gesandt. Darum wohl euch, die ihr an Mich glaubet; denn wer an Mich glaubt, der glaubt auch an den Vater, der Mich gesandt hat, und Der wird ihm darum geben das ewige Leben.“ (8.GEJ 158,16-17)

Der Gottmensch Jesus hat uns das wahre ewige Leben gebracht, denn bis dahin lebte der Mensch nur ein von Gott getrenntes Leben. Nun aber ist es allen Menschen möglich, mit Gott eins zu werden. Jesus sagt: „Ihr werdet durch die volle Wiedergeburt eures Geistes mit Mir eins, so wie Ich auch eins bin mit dem Vater im Himmel, doch mit dem Unterschiede, daß ihr alle mit Mir eins sein werdet in gesonderter Persönlichkeit, während Ich und der Vater, der Meine Liebe ist, miteinander in ewig ungesonderter Persönlichkeit vollkommen eins sind.“ (4.GEJ 163,6)

Ein jeder geschaffene Mensch oder Engelsgeist bleibt trotz des Einswerdens mit Jesus für sich eine gesonderte Persönlichkeit. Deshalb konnte in Jesus kein Engelsgeist gewesen sein, denn ein solcher hätte nicht mit dem Geiste Gottes in ungesonderter Persönlichkeit eins werden können. Es kann bei jedem Menschen mit seinem Geiste nur seine zu ihm gehörende Seele in ungesonderter Persönlichkeit eins werden und sie sind dann nur eine Person. Deshalb konnte die Seele Jesu als Sohn nur mit Seinem Geiste, dem Vater in Ihm in ungesonderter Persönlichkeit eins werden, so wie sie schon ewig in ungesonderter Persönlichkeit eins waren.

Die Menschwerdung Gottes gehört neben dem Geheimnis der Erlösung zu den allergrößten Geheimnissen Gottes, die Er aber uns Menschen dieser Erde in Seinem neuen Wort, wenn auch etwas versteckt, offenbart hat. Den Weisen und Klugen sind diese göttlichen Geheimnisse dennoch verborgen, den Unmündigen aber, das heißt denen, die nicht verstandesmäßig klug und weise sind, dafür aber Gott über alles lieben, sind sie verständlich. „Seht“, sagt Jesus, „die Schrift der Propheten... sagt und erklärt, daß Ich, namens Jesus Christus - auch Menschensohn genannt -, der wahre Gott sei, obschon Er unter verschiedenen Namen, als Vater, Sohn und Geist bezeichnet und benannt wird! Und dennoch ist Gott nur eine persönliche Herrlichkeit in der vollkommensten Form eines Menschen.“ (8.GEJ 25,14)

Und nun ist „Jesus der vereinigte Gott in aller Seiner Fülle.“ (2.GS 13,18) Er ist das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende. (Off. 22,13) „Er“, (der Vater) sagt Jesus, „ist kein anderer denn Ich und Ich (der Sohn) kein anderer denn Er, bis auf die Haut, die uns beide umgibt.“ (2.GEJ 32,4)

 

Quellenverzeichnis

 

GEJ                      Das große Evangelium Johannes, Jakob Lorber, 10 Bände, 1981-1986

HG                       Die Haushaltung Gottes, Jakob Lorber, 3 Bände, 1981

GS                       Die geistige Sonne, Jakob Lorber, 2 Bände, 1955, 1956

JJ                         Die Jugend Jesu, Jakob Lorber, 1996

RB                       Von der Hölle bis zum Himmel, (Robert Blum), Jakob Lorber, 2 Bände, 1963

DTT                     Die drei Tage im Tempel, Jakob Lorber, 1952

Schr.                    Schrifttexterklärungen, Jakob Lorber, 1985

EM                       Erde und Mond, Jakob Lorber, 1953

Hi.                        Himmelsgaben, Jakob Lorber, 3 Bände, 1935, 1993

Be. Fe. Dr.           Unser Betrachtungsbuch, Der Fest-Garten, Zur Dreieinigkeit, 1899

Be. Fe. Wei.         Unser Betrachtungsbuch, Der Fest-Garten, Weihnachten, 1899

PH                       Predigten des Herrn, Gottfried Mayerhofer, 1968

                            Lorber Verlag, 74321 Bietigheim-Bissingen

JCH                     Jesus Christus unser Heil, Bertha Dudde, Urgemeinde Gottes Nr.6

GL                       Geisteslehrer und Liebeboten, Bertha Dudde, Urgemeinde Gottes Nr.10

                            Herausgeber: Karl Veit, Wiesbaden-Schierstein, Wörthstr.5

UB                       Ursprung des Bösen, Bertha Dudde, herausgegeben von W. Kühner

 

 

                                                                                                                                                 Gerd Kujoth

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