01]
(Jesus:) »Alle diejenigen, welche bereits auf Erden Mir und Meinem Worte
nachfolgen, werden dasjenige Ziel erreichen, welches Ich euch schon so oft als
die Wiedergeburt der Seele bezeichnet habe: das ist also ein
Hindurchdringen des Geistes in die Seele, die dadurch fähig wird, schon im Leibe
in alle höhere Weisheit der Himmel einzudringen und nicht nur Herr ihrer selbst,
sondern auch damit Herr ihrer Umgebung zu werden, ja, selbst auch der Natur und
verborgener Kräfte, wenn sie trachtet, Meinen Willen aus Liebe und zum Nutzen
des Nächsten zu erfüllen. Die Mittel, um zum Ziele zu gelangen, heißen Glaube
und wahre Liebe zum Nächsten.
02] Solche wiedergeborene Menschen können und
müssen auch sehr gerechte Menschen sein, wie es solche auch zu allen Zeiten
stets gegeben hat, die diese äußerste Seelenvollendung besaßen; aber sie
brauchten deswegen noch nicht bis zur Gemeinschaft mit dem persönlich wirkenden
Gottgeiste gelangt zu sein.
03] Ja, bis jetzt war das überhaupt noch nicht
möglich, weil außer in Mir die Gottheit überhaupt noch nicht persönlich
anschaubar vorhanden war! Alle die Gerechten vor Meinem Leibesleben, welche die
Wiedergeburt der Seele erlangten, konnten dessenungeachtet noch lange nicht die
Gottheit schauen, so wie ihr Sie schauet. Es zeigen deswegen ihre Lehren auch
an, daß das Eindringen in die höchste Vollendung ihnen als ein Aufgehen in die
Unendlichkeit erschien, weil Gott Selbst, als unpersönliches Wesen, eben die
Unendlichkeit bedeutet, in der das Wehen Seiner Kraft wohl geistig empfunden
werden kann, nicht aber der Seele damals anschaulich in einer Person dargestellt
werden konnte. (s. J. Lorber, ,Die geistige Sonne', Band 2, Kap. 13,7; ,Die
Haushaltung Gottes', Band 2, Kap. 139,20 und 138,26; ,Das große Evangelium
Johannes', Band 6, Kap. 83,11)
04] Erst nach Meinem Tode, wenn dieser Mein Leib
aufgenommen sein wird als ein Kleid der allmächtigen, unendlichen Gottheit
Selbst, werden alle diejenigen, die vor dieser Meiner Zeit das Leibesleben
verlassen haben, auch imstande sein, durch Anschauung der nun persönlichen
Gottheit in ewiger Gemeinschaft mit Dieser zu leben, und zwar in einer Stadt,
welche Ich euch bereits gezeigt habe, als jene zwölf leuchtenden Säulen die
Jerusalemer nächtlich erschreckten, und welche das wahre himmlische Jerusalem,
die ewige Stadt Gottes, darstellt. Dieses gemeinschaftliche ewige Zusammenwohnen
Gottes mit Seinen Kindern ist die Wiedergeburt des Geistes.
05] Sehr wohl werden nach Mir noch viele die
Wiedergeburt der Seele erreichen können, daher auch sehr selig und glücklich
sein, ohne aber diese höchste und letzte Stufe zu erringen. Viele Abgesandte
Meines Geistes kamen zur Erde nieder und zeigten den verirrten Menschen die
Wege, wie sie zum Frieden und zur inneren Erleuchtung gelangen konnten, ohne
aber imstande zu sein, die direkten Wege zu Mir zu zeigen, weil diese ja noch
nicht geöffnet waren. Alle, welche also die früheren Wege wandeln wollen, können
daher sehr wohl zur Wiedergeburt der Seele gelangen, aber nicht zur Gemeinschaft
mit Mir.
06] Letzteres ist nur möglich durch den Glauben
an Mich, daß Ich wahrlich bin Christus, der Gesalbte, dem alle Kraft und
Herrlichkeit des Vaters ist gegeben worden, damit die Menschen glücklich und
höchst selig werden durch den Sohn. Ich bin die Pforte, - eine andere gibt es
nicht! Wer die Wege zum Himmel betreten will, ohne Mich kennen zu wollen, der
kann wohl einen hohen Grad von Vollkommenheit erreichen, nie aber in klare,
anschauliche Gemeinschaft mit Gott Selbst gelangen. - Habt ihr das nun
verstanden?«
07] Sagten alle: »Ja, Herr, das war doch klar
gesprochen; wer sollte das nicht verstehen?«
08] Meinte Petrus nun wieder: »Herr, werden denn
nun die, welche die Wiedergeburt (der Seele) erlangt haben, und welche drüben
also nun recht selig leben, auch alle die Wiedergeburt im Geiste erlangen, oder
ist es wohl möglich, daß diese auch stehenbleiben auf ihrer Vollendungsstufe?«
09] Sagte Ich: »Diese Frage könntest du dir
eigentlich selbst beantworten; denn es ist doch ganz selbstverständlich, daß da
niemand gezwungen wird! Ist aber ein Land durch einen breiten Strom getrennt,
und es kommt ein geschickter Baumeister, der eine Brücke schlägt, und ruft nun
alle, die bisher ans jenseitige Ufer nicht gelangen konnten, zusammen, mit ihm
hinüberzugehen zum jenseitigen Ufer, - werden ihm da alle folgen? Jedenfalls der
größere Teil, und die Zurückbleibenden werden gewiß nach einiger Zeit des
Harrens, so sie sehen, daß die ersten nicht zurückkommen, auch hinübergehen, -
noch dazu, wenn sie sehen, daß das jenseitige Ufer im hellen Sonnenschein
daliegt und lieblich anzusehen ist!
10] Sieh, so ein Baumeister bin Ich! Und jeder
wird bestrebt sein, den Aufgang der Brücke auch nach Mir zu finden; denn der
innere Geist wird ihm sagen: 'Es gibt noch ein höher, köstlicher Ding als das,
was du dir bereitet hast durch dein gerechtes Leben; suche danach!'
11] Und jeder Suchende, der das Leibesleben
abgeschüttelt hat, wird auch diese Brücke finden können, gleichviel, ob er durch
Meine euch jetzt gegebene Lehre oder durch die eines von Mir erweckten anderen,
früheren oder späteren Lehrers zu einem Gerechten geworden ist.
12] Solchen Gerechten trete Ich Selbst schon zur
geeigneten Zeit als Brückenzöllner entgegen, und sie entrichten dann freiwillig
ihre Maut, das ist, sie nehmen die Lehre an: Der Vater ist in dem Sohn, und wer
den Sohn sieht, sieht auch den Vater!
13] So werden sie dann ebenso aufgenommen wie
alle die, welche von Anfang an Meine Wege wandelten.
14] Darum sollt ihr aber auch nicht verächtlich
auf die Heiden sehen; denn Ich sage euch, es sind darunter Gerechtere, als da
jemals unter dem Volke der Juden gewandelt haben, und darum werden auch die
Heiden angenommen und die Juden verworfen werden!«
15] Sagte Petrus: »Herr, wenn es unter den
Heiden so gerechte Menschen gibt, wie haben sie denn diese Gerechtigkeit
erlangt?«
16] Antwortete Ich: »Ich sagte dir ja schon, daß
stets Abgesandte Meines Geistes diese belehrten, welche das Licht aus Meinen
Himmeln überbrachten und die Menschen je nach ihrem Verständnis belehrten. Diese
Abgesandten lehrten aber vor allen Dingen das Versenken in das Innere des
Geistes, so daß jeder, der in sich die Wahrheit finden wollte, diese auch finden
konnte; das ist aber, wie ihr wißt, die Wiedergeburt der Seele. Dieses Versenken
habe Ich euch auch oft anempfohlen als ein geeignetes Mittel, die Seele frei und
rein zu machen von allen Flecken und Makeln ihrer Selbstsucht und dadurch zu Mir
zu gelangen.
17] Übet euch auch darin, damit das innere Auge
sich mehr öffne und ihr an euch erfahret, was der Geist alles offenbaren kann,
wenn er erst in euch lebendig geworden ist! Wie das aber geschieht, wisset ihr
von Mir ganz genau, und so handelt denn auch danach!«
18] Die Jünger zogen sich nun alle zurück und
dachten viel über Meine Worte nach, die sie sehr beherzigten. Zumal war es
Petrus - der bisher sich wenig mit den Eigenschaften abgegeben hatte, die der
Geist der Seele bringen kann -, welcher sich nun sehr befleißigte, sein
Geistesauge offen zu halten, um sich und seine Umgebung mehr zu erkennen.
01] Es
sind hier nun einige Worte über das geistige Schauen hinzuzufügen für die,
welche Meine Wege wandeln und an sich selbst erkennen wollen, wieweit die Seele
schon im Leibe entwicklungsfähig ist. Es soll hier nicht gelehrt werden,
besondere wunderbare oder magische Eigenschaften zu erlangen, oder das Rezept
gegeben werden, nur nach diesen zu streben, sondern es soll der Weg angegeben
werden, wie die mannigfachen Herzenszweifel überwunden werden, die die Seele
empfindet, solange sie das Fleisch nicht gelockert hat. Dieses aber ist der
wahre Zweck: unabhängig vom Fleische mit allen seinen Gelüsten, Zweifeln und
Irrtümern zu werden, um in der eigentlichen, echten und wahren Welt, in welche
die Seele nach dem Tode völlig frei und unabhängig eingehen soll, sich wohl zu
fühlen und in sie eingehen zu können.
02] Es liegt auf der Hand, daß das Seelenleben
ganz von selbst sich zeigen muß, wenn die einschnürenden Fesseln des Fleisches
sich lockern. Und alle, die wohl mein Wort hören, sonst aber nichts von diesem
inneren Seelenleben verspüren, stecken eben noch ganz in ihren Fleischesbanden,
sind Hörer aber nicht Täter des Wortes.
03] Jeder, der die Fesseln abstreift, erhält
einen klareren Blick über Menschen und Natur, zunächst nur in der Art, daß er
meint, seine Beobachtungsgabe sei sehr geschärft; in Wahrheit aber ist es das
Sichregen des Geistes, der freiere Bewegung erhält. Sodann gewöhne sich der
Mensch, in sich zu blicken, das heißt die Bilder zu erkennen, welche sein
geistiges Auge unabhängig von seinen fleischlichen Augen sieht und beobachten
kann, so wird er schnell, wenn er in der Liebe zu Mir steht und auf diesen Grund
weiterbaut, zu den Eigenschaften des Geistes gelangen, welche ihr 'Hellsehen'
nennt, was jedoch keine magische, sondern eine ganz natürliche Eigenschaft der
Seele ist, gegen welche sie sich allerdings ebensogut verschließen kann, wie ihr
im Fleische euch gegen die Ausbildung verschiedener Fähigkeiten verschließen
könnet.
04] Bei Krankheiten, in denen oftmals eine
Lockerung der Seele vom Körper stattfindet - die aber sodann wegen der
Schwächung des Körpers eine Art ungesunden Hellsehens ist, weswegen da viele
Unrichtigkeiten vorkommen -, ist ein Leben der Seele in ihrer dem Körper fremden
Welt nichts Ungewöhnliches, und viele Phantasien sind da weiter nichts als
Entsprechungsbilder der Seelenwelt, - Entsprechungsbilder darum, weil die
Sprache des Geistes, mit der er zur Seele spricht, nicht Worte, sondern nur
vollständige Begriffe sind, während Worte erst die Begriffe mühsam vermitteln.
05] Diese Fähigkeit auszubilden, die Sprache zu
verstehen, welche als Entsprechungssprache wenigstens im Worte euch bekannt ist,
ist nicht nur zu Lebzeiten nützlich, sondern sogar notwendig, weil sonst nach
dem Leibestode sich die Seele im Geisterreiche vorkommt wie ein Fremder, der in
ein ihm stockfremdes Land eintritt, dessen Sprache er nicht versteht, und dem es
nur mit größter Mühe gelingt, sich verständlich zu machen, - nur mit dem
Unterschied, daß die Bewohner dieses Landes wohl den Fremdling, nicht aber
dieser die Einheimischen begreift, die sich erst in die schwerfälligen Fesseln
des Seelenlebens wieder einfügen müssen, um die ungewohnt gewordene,
schwerfällige Körpersprache wieder anzunehmen, die den Verkehr nur durch Worte,
nicht aber durch Gedankenreihen vermittelt.
06] Geistig vorgeschrittene Menschen bedauern
daher auch oft die Unmöglichkeit, ihre Empfindungen genügend in Worten
ausdrücken zu können, oder die Unmöglichkeit, den Gedankenflug so schnell zu
fixieren, durch Schrift oder Sprache, wie der Geist es die Seele schnellstens
erschauen läßt. Das wäre alles nicht möglich, wenn es diese Sprache des Geistes
in schnellen Bildern und Begriffsreihenfolgen nicht geben würde.
07] Es gibt daher mehr, als Wort und Schrift
vermitteln können, und niemand möge daher glauben, daß die höchst entwickelte
Schriftsprache oder Rednergabe das Glänzendste sei, was die Seele des Menschen
ausdrücken kann; denn das sind nur sehr schwache Ausflüsse des innersten
Geistesbestrebens, die Seele teilhaftig werden zu lassen dessen, was in dem
Geiste höchst vollendet verborgen liegt. Niemand glaube auch daher, etwas
Besonderes zu leisten, wenn er für einen Meister dieser äußeren Mittelwege
gehalten wird. Er ist nur ein elender Stümper gegen die Reichhaltigkeit des
inneren Meisters, der seine Gaben nicht nach außen hin entfaltet.
08] Das Streben, diesen jedoch in sich durch
Meine Kraft und durch die Liebe zu Mir zur vollendetsten Sprache zu bringen,
heißt Meine Wege und Mir nachwandeln; denn Ich ging zur Erdenzeit im Fleische
denselben Weg und mußte mühsam Stufe für Stufe erringen gleichwie jeder andere
Mensch. - Kehren wir jetzt zu den Meinen zurück!