DES
ERSTEN BUCHES
MOSE
1.
KAPITEL
1.
Im Anfang schuf Gott den Himmel und
die Erde.
2.
Und die Erde war eine Leere und Öde
und Finsternis auf den Angesichten des Abgrunds. Und der Geist Gottes schwebend
über die Angesichte der Wasser.
3.
Und Gott sprach, es sei Licht, und es
ward Licht.
4.
Und Gott sah das Licht, daß es gut;
und Gott schied zwischen dem Licht und zwischen der Finsternis.
5.
Und Gott nannte das Licht Tag, und die
Finsternis nannte Er Nacht. Und es war Abend, und es war Morgen, der erste Tag.
6.
Und Gott sprach, es sei eine
Ausbreitung inmitten der Wasser, und sei ein Scheidendes zwischen den Wassern für
die Wasser.
7.
Und Gott machte die Ausbreitung und
schied zwischen den Wassern, die unter der Ausbreitung und zwischen den Wassern,
die über der Ausbreitung, und es ward so.
8.
Und Gott nannte die Ausbreitung
Himmel. Und es war Abend, und es war Morgen, der zweite Tag.
9.
Und Gott sprach, es sammeln sich die
Wasser unter dem Himmel an einem Ort, und es erscheine das Trockene, und
es ward so.
10.
Und Gott nannte das Trockene Erde; und
die Sammlung der Wasser nannte Er Meere; und Gott sah, daß es gut.
11.
Und Gott sprach, es lasse die Erde
hervorsprossen zartes Kraut; Kraut, das Samen besamt; den Fruchtbaum, der Frucht
bringt, nach seiner Art, in der sein Same auf der Erde; und es ward so.
12.
Und die Erde brachte hervor zartes
Kraut; Kraut, das Samen besamt nach seiner Art; und den Baum, der Frucht bringt,
in der sein Same, nach seiner Art; und Gott sah, daß es gut (war).
13.
Und es war Abend, und es war Morgen,
der dritte Tag.
14. Und Gott sprach, es seien Lichter an der Ausbreitung der Himmel, zu scheiden zwischen dem Tag und zwischen der Nacht, und sie sollen sein zu Zeichen und zu bestimmten Zeiten und zu Tagen und Jahren.
15.
Und sie sollen sein zu Lichtern an der
Ausbreitung der Himmel, Licht zu geben auf der Erde, und es ward so.
16.
Und Gott machte die zwei großen
Lichter, das große Licht zu herrschen des Tags, und das kleine Licht zu
herrschen des Nachts, und die Sterne.
17.
Und Gott setzte sie an die Ausbreitung
der Himmel, Licht zu geben auf der Erde.
18.
Und zu herrschen bei Tag und bei Nacht
und zu scheiden zwischen dem Licht und zwischen der Finsternis; und Gott sah, daß
es gut.
19.
Und es war Abend, und es war Morgen,
der vierte Tag.
20.
Und Gott sprach, es lassen die Wasser
hervorwimmeln das Kriechtier, eine lebende Seele; und der Vogel fliege über der
Erde, über den Angesichten der Ausbreitung der Himmel.
21.
Und Gott schuf die großen
Seeungeheuer (Seetiere); und jede lebende kriechende Seele, welche die Wasser
hervorwimmeln ließen, nach ihren Arten; und jeden Vogel des Fittichs nach
seiner Art; und Gott sah, daß es gut.
22.
Und Gott segnete sie, sprechend,
befruchtet und mehret euch und füllet die Wasser in den Meeren; und der Vogel
soll sich mehren auf Erden.
23.
Und es war Abend, und es war Morgen,
der fünfte Tag.
24.
Und Gott sprach, es bringe die Erde
hervor die lebende Seele nach ihrer Art, das Tier und was sich regt und sein
Wild der Erde, nach seiner Art, und es ward so.
25.
Und Gott machte das Wild der Erde nach
seiner Art, und das Tier nach seiner Art, und alles Kriechende des Bodens nach
seiner Art; und Gott sah, daß es gut.
26.
Und Gott sprach, lasset uns machen
einen Menschen in unser Bild, nach unserer Ähnlichkeit; und sie sollen
herrschen über die Fische des Meeres und über den Vogel der Himmel und über
das Tier und über die ganze Erde und über alles Kriechende, das kriecht auf
der Erde.
27.
Und Gott schuf den Menschen in Sein
Bild; in das Bild Gottes schuf Er ihn; Mann und Weib schuf Er sie.
28.
Und Gott segnete sie, und Gott sprach
zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet die Erde und machet sie
untertan, und herrschet über die Fische des Meeres und über den Vogel der
Himmel und über alles Lebendige, das kriecht auf der Erde.
29.
Und Gott sprach: siehe, Ich gebe euch
alles Samen besamende Kraut, das auf den Angesichten der ganzen Erde, und allen
Baum, an dem Frucht; der Baum, der Samen besamt, soll euch zur Speise sein.
30.
Und allem Wild der Erde und allem
Vogel der Himmel und allem Kriechenden auf der Erde, in dem eine lebende Seele,
alles Grüne des Krauts zur Speise, und es ward so.
31.
Und Gott sah alles, was Er gemacht,
und siehe, (es war) sehr gut. Und es war Abend, und es war Morgen, der sechste
Tag.
INHALT
6.
Die sechs Tage oder Zeiten, die ebenso
viele aufeinanderfolgende Zustände der Wiedergeburt des Menschen sind,
verhalten sich im allgemeinen so:
7.
Der erste Zustand ist der,
welcher vorausgeht, sowohl von der Kindheit an, als zunächst vor der
Wiedergeburt und wird genannt Leere, Öde und Finsternis. Und die erste
Bewegung, welche ist die Barmherzigkeit des Herrn, ist der Geist Gottes,
schwebend (motitans se) über den Angesichten der Wasser.
8.
Der zweite Zustand ist, wenn
unterschieden wird zwischen dem, was des Herrn ist und dem, was des Menschen
Eigenes ist. Was des Herrn ist, wird im Worte genannt Überreste,
und hier sind es vornehmlich Kenntnisse des Glaubens, die er von Kindheit an
erlernt hat. Diese werden verborgen gehalten und liegen nicht offen zu
Tage, bevor er in diesen Zustand kommt. Dieser Zustand findet heutzutage selten
statt ohne Versuchung, Unglück, Betrübnis, die machen, daß das, was des
Leibes und der Welt ist, somit das, was Eigenes ist, ruht und gleichsam stirbt.
So wird, was dem äußeren Menschen angehört, getrennt von dem, was dem inneren
angehört; im inneren sind die Überreste, die vom Herrn bis zu dieser Zeit und
zu diesem Gebrauch verborgen gehalten werden.
9.
Der dritte Zustand ist der der
Buße. In diesem spricht er aus dem inneren Menschen fromm und demütig und
bringt Gutes hervor, wie die Werke der Liebtätigkeit, die jedoch noch unbeseelt
sind, weil er meint, (er tue sie) aus sich, und sie werden genannt zartes Kraut,
dann Samenkraut, hernach Fruchtbaum.
10.
Der vierte
Zustand ist, wenn er angeregt wird von der Liebe und erleuchtet vom Glauben.
Zuvor sprach er zwar Frommes und brachte Gutes hervor, aber aus dem Zustand der
Versuchung und Beängstigung, nicht aus Glauben und Liebtätigkeit. Darum werden
jene im inneren Menschen nun angezündet und heißen die zwei Lichter.
11.
Der fünfte Zustand ist, daß
er aus dem Glauben spricht, und sich aus ihm im Wahren und Guten bestärkt. Was
er alsdann hervorbringt, ist beseelt und wird genannt
Fische des Meeres und Vögel der Himmel.
12.
Der sechste Zustand ist, wenn
er aus dem Glauben und infolgedessen aus der Liebe Wahres spricht und Gutes tut.
Was er jetzt hervorbringt, wird genannt lebende Seele und Tier. Und
weil er jetzt anfängt, wie aus dem Glauben, so auch zugleich aus der Liebe zu
handeln, wird er ein geistiger Mensch, der Bild genannt wird. Sein
geistiges Leben findet Vergnügen und Nahrung in dem, was zu den Kenntnissen des
Glaubens, und in dem, was zu den Werken der Liebtätigkeit gehört. Diese heißen
seine Speise, und sein natürliches Leben findet Vergnügen und Nahrung in dem,
was dem Leib und den Sinnen angehört. Hieraus entsteht
ein Kampf, bis daß die Liebe herrscht und er ein himmlischer Mensch wird.
13.
Die wiedergeboren werden, kommen nicht
alle zu diesem Stand, sondern einige; und zwar der größte Teil heutzutage bloß
zum ersten. Einige nur zum anderen, einige zum dritten, vierten, fünften,
selten zum sechsten, und kaum jemand zum siebenten.
INNERER
SINN
14.
Im Folgenden wird unter dem Herrn
einzig verstanden der Welt Heiland Jesus Christus, und Er heißt Herr ohne die
übrigen Namen; als Herr wird Er anerkannt und angebetet im gesamten Himmel,
weil Er alle Gewalt hat in den Himmeln und auf Erden; Er hat es auch geboten,
indem Er sagte: „Ihr heißet Mich Herr und saget recht daran; denn Ich bin
es“: Joh. 13/13. Auch haben Seine Jünger Ihn nach der Auferstehung Herr
genannt.
15.
Im gesamten Himmel weiß man auch
keinen anderen Vater als den Herrn, weil Er der Eine ist, wie Er selbst gesagt
hat: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; da spricht Philippus:
zeige uns den Vater; und spricht zu ihm Jesus: so lange Zeit bin Ich bei euch,
und du kennest Mich nicht, Philippus? Wer Mich gesehen, hat den Vater gesehen;
wie sprichst du denn: zeige uns den Vater; glaubest du nicht, daß Ich im Vater
bin und der Vater in Mir ist; glaubet Mir, daß Ich im Vater bin, und der Vater
in Mir“: Joh. 14/6, 8-11.
16.
Vers 1: Im Anfang schuf Gott den
Himmel und die Erde.
Anfang
wird genannt die älteste Zeit, bei den Propheten hin und wieder die Tage des
Altertums, wie auch die Tage der Ewigkeit. Der Anfang schließt auch in sich die
erste Zeit, wenn der Mensch wiedergeboren wird, denn alsdann entsteht er von
neuem und empfängt Leben. Die Wiedergeburt selbst heißt
daher die neue Schöpfung des Menschen. Schaffen, bilden und machen
bedeuten beinahe überall in den prophetischen Schriften wiedergebären, mit
einem Unterschied, wie bei Jes. 43/7: „Jeden, der gerufen ist in Meinem Namen,
den habe Ich auch zu Meiner Herrlichkeit geschaffen, ihn gebildet und auch ihn
gemacht“. Darum wird der Herr genannt Erlöser, Bildner von Mutterleibe,
Macher, wie auch Schöpfer z.B. bei Jes. 43/15: „Ich Jehovah, euer Heiliger,
der Schöpfer Israels, euer König“. Ps. 102/19: „Ein geschaffenes Volk wird
loben den Jah“. Ps. 104/30: „Du sendest Deinen Geist aus, sie werden
geschaffen werden, und Du erneuerst die Angesichte des Landes“. Daß der
Himmel bedeutet den inneren Menschen und die Erde vor der Wiedergeburt den äußeren,
mag aus dem Folgenden ersehen werden.
17.
Vers 2: Und die Erde war eine Leere
und Öde, und Finsternis auf den
Angesichten des Abgrundes, und der Geist Gottes schwebend über die Angesichte
der Wasser.
Der
Mensch vor der Wiedergeburt wird genannt eine leere und öde
Erde, auch ein Land, dem nichts Gutes und Wahres eingesät ist. Leer ist, wo
nichts Gutes, und öde, wo nichts Wahres ist, daher Finsternis, d.h. Stumpfsinn
und Unwissenheit in allem, was zum Glauben an den Herrn und somit zum geistigen
und himmlischen Leben gehört; ein solcher Mensch wird beschrieben vom Herrn
durch Jerem. 4/22, 23, 25: „Dumm ist Mein Volk, Mich kennen sie nicht; törichte
Söhne sind sie und nicht verständig, weise zum Böses tun, und Gutes zu tun
wissen sie nicht; Ich sah hin zur Erde, und siehe, eine Leere und Öde, und zu
den Himmel auf, und kein Licht derselben“.
18.
Die Angesichte des Abgrundes sind
seine Begierden und die Falschheiten aus diesen, aus denen und in denen er leibt
und lebt. Weil er kein Licht hat, so ist er wie ein Abgrund oder eine dunkle
verworrene Masse. Solche heißen auch hin und wieder im Worte Abgründe und
Meerestiefen, die ausgetrocknet oder abgeödet werden, ehe der Mensch
wiedergeboren wird, wie bei Jes. 51/9-11: „Wache auf wie in den Tagen des
Altertums, in den Geschlechtern der Ewigkeiten; bist nicht Du es, der
austrocknet das Meer, die Wasser des großen Abgrundes, der setzt die Tiefen des
Meeres zu einem Wege, daß hinübergehen möchten die Erlösten; die Erlösten
Jehovahs mögen zurückkehren“. Ein solcher Mensch, wenn er aus dem Himmel
angesehen wird, erscheint auch wie eine schwarze, leblose Masse. Dieselben Worte
schließen im allgemeinen in sich die Abödung des Menschen, wovon bei den
Propheten mehreres. Dieselbe geht der Wiedergeburt voraus, denn ehe der Mensch
das Wahre wissen und vom Guten angeregt werden kann, ist zu entfernen, was
hindert und was widerstreitet. So muß der alte Mensch sterben, ehe denn ein
neuer empfangen werden kann.
19.
Unter Geist
Gottes wird verstanden die Barmherzigkeit des Herrn, von welcher ausgesagt wird,
sie schwebe wie die Henne pflegt über
die Eier hin, hier über das, was der Herr beim Menschen verbirgt, und hin und
wieder im Wort Überreste genannt wird. Es sind Erkenntnisse des Wahren und
Guten, die nicht ans Licht oder an den Tag kommen, ehe das Äußere abgeödet
ist. Diese Erkenntnisse werden hier genannt Angesichte der Wasser.
20.
Vers 3: Und Gott sprach: Es sei
Licht, und es ward Licht.
Das
erste ist, daß der Mensch zu wissen beginnt, daß das Gute und Wahre etwas Höheres
ist. Ganz äußerliche Menschen wissen nicht einmal, was gut und was wahr ist.
Denn sie meinen, alles, was Gegenstand der Selbstliebe und Weltliebe ist, sei
gut, und meinen, alles, was jene Liebe begünstigt, sei wahr. Sie wissen somit
nicht, daß jenes Gute böse ist, und daß jenes Wahre falsch ist. Wenn aber der
Mensch von neuem empfangen wird, fängt er zuerst an zu wissen, daß sein Gutes
nicht gut ist. Und wenn er noch mehr zum Lichte kommt, daß der Herr ist, und daß
der Herr das Gute und Wahre selbst ist. Daß man wissen muß, daß der Herr ist,
sagt Er selbst bei Joh. 8/24: „Wenn ihr nicht glaubet, daß Ich bin, werdet
ihr sterben in euren Sünden“. Dann daß der Herr das Gute selbst oder das
Leben und das Wahre selbst oder das Licht und somit, daß kein Gutes und Wahres
ist, außer vom Herrn, auch bei Joh. 1/1, 3, 4, 9: „Im Anfang war das Wort,
und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Alles ist durch dasselbe
gemacht und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In Ihm war das
Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Das Licht aber scheinet in der
Finsternis. Er war das wahrhaftige Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der in
die Welt kommt“.
21.
Vers 4, 5: Und Gott sah das Licht, daß es gut, und Gott
schied zwischen dem Licht und zwischen der Finsternis. Und Gott nannte das Licht
Tag, und die Finsternis nannte Er Nacht.
Das
Licht heißt gut, weil es vom Herrn kommt, der das Gute selbst ist. Finsternis
ist, was, ehe der Mensch von neuem empfangen und geboren wird, erschien wie
Licht, weil das Böse wie Gutes und das Falsche wie Wahres er(scheint), aber es
ist Finsternis, und das Eigene des Menschen, das bleibt. Alles, was des Herrn
ist, wird dem Tage verglichen, weil es dem Licht angehört, und alles Eigene des
Menschen wird der Nacht verglichen, weil es der Finsternis angehört; so häufig
im Worte.
22.
Vers 5: Und es war Abend, und es war Morgen, der erste
Tag.
Was
der Abend ist und was der Morgen ist, läßt sich schon aus dem Bisherigen
ersehen. Abend ist jeder vorhergehende Zustand, weil er ein Zustand des
Schattens oder der Falschheit und des Unglaubens ist. Der Morgen ist jeder
folgende Zustand, weil er ein Zustand des Lichtes oder der Wahrheit und der
Glaubenserkenntnisse ist. Abend bedeutet im allgemeinen alles, was Eigenes des
Menschen ist, Morgen aber, was des Herrn ist, wie bei David: 2. Sam. 23/2-4:
„Der Geist Jehovahs redete in mir, und Seine Rede (war) auf meiner Zunge. Es
sprach der Gott Israels, zu mir redete der Fels Israels: Er ist wie das Licht
des Morgens, wenn die Sonne aufgeht, des Morgens ohne Wolken, wenn vom (Sonnen-)
Schein, vom Regen, zartes Kraut aus der Erde (wächst)“. Weil es Abend ist,
wenn kein Glaube, und Morgen, wenn Glaube ist, so wird das Kommen des Herrn in
die Welt der Morgen genannt, und die Zeit, wann Er kommt, wird, weil alsdann
kein Glaube ist, der Abend genannt. Dan. 8/14, 26: „Der Heilige sprach zu mir,
bis zum Abend, wenn es Morgen wird, zweitausend und dreihundert“. In gleicher
Weise wird der Morgen im Worte genommen für jedes Kommen des Herrn, somit ist
es ein Wort der neuen Schöpfung.
23.
Daß der Tag für die Zeit selbst genommen wird, ist sehr gewöhnlich im Wort,
wie bei Jes. 13/6, 9, 13, 22: „Nahe ist der Tag Jehovahs. Siehe, der Tag
Jehovahs kommt. Ich will den Himmel erschüttern, und erbeben wird die Erde von
ihrer Stelle am Tage der Glut Meines Zorns. Nahe gekommen ist ihre Zeit, und
ihre Tage werden nicht verzögert werden“. Jes. 23/7, 15: „In den Tagen des
Altertums ist ihr Altertum. Es wird geschehen an jenem Tage, der Vergessenheit
wird übergeben werden Tyrus siebzig Jahre nach den Tagen eines Königs“. Weil
der Tag für die Zeit (steht), wird er auch für den Zustand derselben Zeit
genommen wie bei Jerem. 6/4: „Wehe uns, weil sich geneigt hat der Tag, weil
sich gedehnt haben die Schatten des Abends“, und Jerem. 33/20, 25: „Wenn ihr
vereitelt meinen Bund des Tages und meinen Bund der Nacht, daß nicht Tag ist
und Nacht zu seiner Zeit“. Jerem. Klagel. 5/21: „Erneuere unsere Tage, wie
vor Alters“.
24.
Vers 6: Und Gott sprach: Es sei
eine Ausbreitung inmitten der
Wasser und sei ein Scheidendes zwischen den Wassern für die Wasser.
Nachdem
der Geist Gottes oder die Barmherzigkeit des Herrn die Erkenntnisse des Wahren
und Guten zutage gefördert und das erste Licht gegeben hat, daß der Herr sei,
und daß der Herr das Gute selbst und das Wahre selbst sei, und daß es kein
Gutes und Wahres gebe außer vom Herrn, dann scheidet Er zwischen dem inneren
und äußeren Menschen, somit zwischen den Erkenntnissen, die bei dem inneren
Menschen sind und dem Wißtümlichen, das Sache des äußeren Menschen ist; der
innere Mensch wird genannt die Ausbreitung; die Erkenntnisse, die beim (inneren)
Menschen sind, werden genannt die Wasser über der Ausbreitung; und das Wißtümliche
des äußeren Menschen wird genannt die Wasser unter der Ausbreitung. Der
Mensch, ehe er wiedergeboren wird, weiß nicht einmal, daß es einen inneren
Menschen gibt, geschweige denn, was der innere ist, indem er meint, sie seien
nicht unterschieden, weil er, ins Fleischliche und Weltliche versunken, auch
das, was des inneren Menschen ist, in dasselbe versenkt hat und aus
Unterschiedenem ein verworrenes Dunkel gemacht hat; darum heißt es zuerst, es
soll sein eine Ausbreitung inmitten der Wasser; dann, sie soll unterscheidend
sein für die Wasser zwischen den Wassern.
Gleich
darauf aber, Vers 7 und 8 also:
Und
Gott machte die Ausbreitung und schied zwischen den Wassern, die unter der
Ausbreitung, und zwischen den Wassern, die über der Ausbreitung, und es ward
so; und Gott nannte die Ausbreitung Himmel.
Das
andere also, was der Mensch, während er wiedergeboren wird, bemerkt, ist, daß
er zu wissen beginnt, es gebe einen inneren Menschen; oder daß, was beim
inneren Menschen ist, Gutes und Wahres sei, das allein dem Herrn angehöre; und
weil der äußere Mensch, wenn er wiedergeboren wird, von der Art ist, daß er
immer noch meint, das Gute, das er tut, tue er aus sich und das Wahre, das er
spricht, spreche er aus sich, und weil er als solcher hierdurch, wie durch
Eigenes, vom Herrn angeleitet wird, Gutes zu tun und Wahres zu sprechen, darum
geht die Unterscheidung von dem, was unter der Ausbreitung ist, voraus, und
folgt jene von dem, was über der Ausbreitung ist, nach. Auch ist es ein
himmlisches Geheimnis, daß der Mensch durch (sein) Eigenes, sowohl durch
Sinnestäuschungen als durch Begierden, vom Herrn geführt und gelenkt wird zu
dem, was wahr und gut ist, und daß so alle und jegliche Momente der
Wiedergeburt vor sich gehen vom Abend zum Morgen sowie vom äußeren Menschen
zum inneren oder von der Erde zum Himmel; daher nun auch
die Ausbreitung oder der innere Mensch der Himmel heißt.
25.
Die Erde ausbreiten und die Himmel ausdehnen ist eine gewöhnliche
Redensart bei den Propheten, wo von der Wiedergeburt des Menschen gehandelt
wird, wie bei Jes. 44/24: „So sprach Jehovah, dein Erlöser und dein
Bildner von Mutterleib an: Ich Jehovah mache alles, dehne die Himmel aus allein,
breite die Erde aus von Mir selbst“. Dann, wo von der Zukunft des Herrn offen
gesprochen wird: Jes. 42/3, 4: „Das zerstoßene Rohr zerbricht Er nicht, und
den glimmen den Docht löscht Er nicht aus, zur Wahrheit führt Er aus das
Gericht“: das ist: die Täuschungen bricht Er nicht und löscht die Begierden
nicht aus, sondern lenkt sie zum Wahren und Guten; so folgt auch Jes. 42/5:
„Gott Jehovah schafft die Himmel und dehnt sie aus; Er breitet aus die Erde
und ihre Erzeugnisse, Er gibt Seele dem Volk auf ihr und Geist den auf ihr
Wandelnden“. Außerdem auch anderswo mehrmals.
26.
Vers 8: Und es war Abend, und es
war Morgen, der zweite Tag“.
Was
Abend, was Morgen und was Tag sei, ist früher Vers 5 (gezeigt worden).
27.
Vers 9: Und Gott sprach, es sammeln
sich die Wasser unter dem Himmel an
einem Ort und es erscheine das Trockene, und es ward so.
Wenn
er weiß, daß es einen inneren und einen äußeren Menschen gibt, und daß das
Wahre und Gute vom inneren Menschen oder durch den inneren Menschen zum äußeren
vom Herrn einfließt, obwohl es nicht so erscheint, alsdann wird jenes oder die
Erkenntnisse des Wahren und Guten, die bei ihm sind, in seinem Gedächtnis
aufbewahrt und unter das Wißtümliche eingereiht; denn alles, was dem Gedächtnis
des äußeren Menschen eingepflanzt wird, sei es nun natürlich oder geistig
oder himmlisch, bleibt daselbst als Wißtümliches und wird vom Herrn
hervorgebracht; jene Erkenntnisse sind die Wasser, gesammelt an einem Ort und
werden Meere genannt. Der äußere Mensch selbst aber wird genannt das Trockene
und gleich darauf Erde, gemäß dem, was folgt.
28.
Vers 10: Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung
der Wasser nannte Er Meere; und Gott sah, daß es gut.
Daß
die Wasser die Erkenntnisse und das Wißtümliche bezeichnen, ist sehr gewöhnlich
im Worte, somit auch, daß die Meere die Sammlung derselben, wie bei Jes. 11/9:
„Voll wird sein das Land von der Erkenntnis Jehovahs, wie die Wasser das Meer
bedecken“. Jes. 19/5, 6, wo vom Mangel der Erkenntnisse und des Wißtümlichen
gehandelt wird: „Versiegen werden die Wasser vom Meer, und der Strom wird
vertrocknen und dürr werden, und zurücktreten werden die Flüsse“. Haggai
2/6, 7, wo von einer neuen Kirche: „Ich bewege die Himmel und die Erde und das
Meer und das Trockene; und Ich will bewegen alle Völkerschaften, und es wird
kommen das Ersehnte aller Völkerschaften, und Ich will erfüllen dieses Haus
mit Herrlichkeit“. Und vom wiederzugebärenden Menschen bei Sach. 14/7, 8:
„Und es wird sein jener eine Tag, bekannt ist er Jehovah, nicht Tag und nicht
Nacht, und es wird geschehen, zur Zeit des Abends wird Licht sein, und es wird
geschehen an jenem Tage, ausgehen werden lebendige Wasser von Jerusalem, ein
Teil derselben dem östlichen Meere zu und ein Teil derselben dem hinteren Meere
zu“. Ps. 69/35, wo beschrieben wird der abgeödete Mensch, der wiedergeboren
werden soll und den Herrn anbeten wird: „Jehovah verachtet Seine Gebundenen
nicht, loben werden Ihn die Himmel und die Erde, die Meere und alles Kriechende
in ihnen“. Daß die Erde ein Behältnis bedeute, bei Sach. 12/1: „Jehovah
dehnt aus die Himmel und gründet die Erde und bildet den Geist des Menschen in
seine Mitte“.
29.
Vers 11, 12: Und Gott sprach, es lasse die Erde hervorsprossen zartes
Kraut, Kraut, das Samen besamt, den Fruchtbaum, der Frucht bringt nach seiner
Art, in der sein Same auf der Erde; und es ward so. Und die Erde brachte hervor
zartes Kraut, Kraut, das Samen besamt nach seiner Art, und den Baum, der Frucht
bringt, in der sein Same nach seiner Art; und Gott sah, daß es gut.
Wenn
die Erde, d.h. der Mensch, so zubereitet ist, daß er vom Herrn den himmlischen
Samen aufnehmen und etwas Gutes und Wahres hervorbringen kann, so läßt der
Herr zuerst hervorsprossen etwas Zartes, das genannt wird zartes Kraut, dann
etwas Nützlicheres, das sich wiederum Samen schafft und genannt wird Kraut, das
Samen besamt. Endlich etwas Gutes, das sich befruchtet und genannt wird Baum,
der Frucht macht, in der sein Same, jegliches nach seiner Art. Der Mensch, der
wiedergeboren wird, ist zuerst von der Art, daß er meint, das Gute, das er tut,
sei aus ihm, und das Wahre, das er spricht, sei aus ihm, da doch die Sache sich
so verhält, daß alles Gute und alles Wahre vom Herrn ist. Wer da meint, es sei
von ihm selbst, der hat noch nicht das Leben des wahren Glaubens, das er jedoch
nachher empfangen kann; denn er kann noch nicht glauben, daß es vom Herrn ist,
weil er im Stande der Vorbereitung zur Aufnahme des Glaubenslebens ist. Dieser
Stand wird hier vorgestellt durch Unbeseeltes, und der Stand des Glaubenslebens
nachher durch Beseeltes. Daß der Herr der Sämann sei, der Same Sein Wort und
die Erde der Mensch, beliebte Er selbst zu sagen: Matth. 13/19-24, 37-39; Mark.
4/14-21; Luk. 8/11-16. Er beschreibt es auch auf ähnliche Weise bei Mark.
4/26-28: „So ist das Reich Gottes, wie wenn ein Mensch den Samen in die Erde
wirft und schläft und aufsteht bei Nacht und Tag und der Same aufkeimt und
aufsproßt, er weiß nicht wie, denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst
die Saat, dann die Ähre, hernach den vollen Weizen in der Ähre“:
Unter
dem Reich Gottes wird im allgemeinen Sinne verstanden der gesamte Himmel, im
weniger allgemeinen Sinne die wahre Kirche des Herrn, im besonderen ein jeder,
der des wahren Glaubens ist, oder durch des Glaubens Leben wiedergeboren; daher
er auch genannt wird ein Himmel, weil in ihm der Himmel ist. Dann auch Reich
Gottes, weil in ihm das Reich Gottes ist, was der Herr selbst lehrt durch Luk.
17/20, 21: „Als Jesus gefragt wurde von den Pharisäern, wann kommt das Reich
Gottes, antwortete Er ihnen, und sprach: ‚Das Reich Gottes kommt nicht
sichtbar (cum observantione), auch wird man nicht sagen, siehe hier oder siehe
dort, denn siehe, das Reich Gottes ist inwendig in euch‘. “ Dies ist die
dritte Stufe der Wiedergeburt des Menschen, es ist der Stand seiner Buße, in
gleicher Weise vom Schatten fortschreitend zum Licht oder vom Abend zum Morgen,
daher es heißt, Vers 13: Und es war Abend, und es war Morgen, der dritte Tag.
30.
Vers 14-17: Und Gott sprach, es seien Lichter an der Ausbreitung
der Himmel, zu scheiden zwischen dem Tag und zwischen der Nacht, und sie sollen
sein zu Zeichen und zu bestimmten Zeiten und zu Tagen und Jahren. Und sie sollen
sein zu Lichtern an der Ausbreitung der Himmel, Licht zu geben auf der Erde; und
es ward so. Und Gott machte die zwei großen Lichter, das große Licht zu
herrschen des Tages, und das kleine Licht zu herrschen des Nachts, und die
Sterne. Und Gott setzte sie an die Ausbreitung der Himmel, Licht zu geben auf
der Erde.
Was
die großen Lichter sind, kann nicht recht verstanden werden, wenn man nicht
zuerst weiß, was das Wesen des Glaubens, dann wie sein Fortgang ist bei denen,
die von neuem geschaffen werden. Das eigentliche Wesen und Leben des Glaubens
ist allein der Herr, denn wer nicht an den Herrn glaubt, kann nicht das Leben
haben, wie Er selbst gesagt hat bei Joh. 3/36: „Wer an den Sohn glaubt, hat
das ewige Leben, wer aber dem Sohne nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen,
sondern der Zorn Gottes wird über ihm bleiben“.
Der
Fortgang des Glaubens bei denen, die von neuem geschaffen werden, ist der:
zuerst haben sie kein Leben, denn im Bösen und Falschen ist nicht Leben,
sondern im Guten und Wahren. Dann empfangen sie Leben vom Herrn durch den
Glauben. Zuerst durch den Gedächtnisglauben, welcher der wißtümliche Glaube
ist, dann durch den Glauben mit dem Verstande, welcher der verständige Glaube
ist, dann durch den Glauben mit dem Herzen, welcher der Glaube der Liebe oder
der seligmachende ist. Der wißtümliche und der verständige Glaube ist
vorgebildet von 1. Mose 1/3-13 durch Unbeseeltes; der durch die Liebe belebte
Glaube aber wird vorgebildet von 1. Mose 1/20-25 durch Beseeltes; daher nun hier
zuerst gehandelt wird von der Liebe und vom Glauben aus ihr, welche Lichter
genannt werden.
Die
Liebe ist das große Licht, das herrscht des Tages. Der Glaube aus der Liebe ist
das kleinere Licht, das herrscht bei Nacht; und weil sie eins ausmachen sollen,
wird von ihnen in der Einzahl gesagt, es sei, nicht aber es seien Lichter. Die
Liebe und der Glauben verhalten sich im inneren Menschen, wie die Wärme und das
Licht im äußeren leiblichen, daher jene durch diese vorgebildet werden. Darum
wird von den Lichtern gesagt, sie seien gesetzt worden an die Ausbreitung der
Himmel oder in den inneren Menschen, das große Licht in seinen Willen, und das
kleinere in seinen Verstand, aber sie erscheinen im Willen und im Verstand nur
wie das Sonnenlicht an den Gegenständen; es ist allein des Herrn
Barmherzigkeit, die mit der Liebe den Willen und mit der Wahrheit oder dem
Glauben den Verstand anregt.
31. Daß die großen Lichter die Liebe und den Glauben bedeuten, und auch genannt werden Sonne, Mond und Sterne, erhellt hie und da bei den Propheten, wie bei Hes. 32/7, 8: „Bedecken werde Ich, wenn Ich dich ausgelöscht, die Himmel und verdunkeln ihre Sterne; die Sonne werde Ich mit einer Wolke bedecken, und der Mond wird nicht leuchten lassen sein Licht; alle Leuchten des Lichtes an den Himmeln will Ich verdunkeln über dir und will Finsternis geben auf deiner Erde“: Wo gehandelt wird von Pharao und dem Ägypter, unter denen im Worte verstanden wird das Sinnliche und Wißtümliche; hier, daß sie durch Sinnliches und Wißtümliches die Liebe und den Glauben ausgelöscht haben. Jes. 13/9, 10: „Der Tag Jehovahs, zu setzen die Erde in Verödung; denn die Sterne der Himmel und ihre Orione werden nicht leuchten lassen ihr Licht, verfinstert ist die Sonne in ihrem Aufgang, und der Mond wird nicht scheinen lassen sein Licht“. Joel 2/2, 10: „Es kommt der Tag Jehovahs, der Tag der Finsternis und des Dunkels; vor Ihm erbebt die Erde, werden erschüttert die Himmel; Sonne und Mond werden verdunkelt, und die Sterne ziehen zurück ihren Glanz. Jes. 60/1-3, 19, 20, wo gehandelt wird von der Ankunft des Herrn und von der Erleuchtung der Heiden, somit von einer neuen Kirche, im besonderen von allen, die in Finsternis sind und Licht empfangen und wiedergeboren werden: „Mache dich auf, werde licht, weil gekommen ist dein Licht; siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, und über dir wird aufgehen Jehovah, und wandeln werden die Völkerschaften zu deinem Licht und Könige zu dem Glanze deines Aufgangs; Jehovah wird dir sein zum Licht der Ewigkeit; nicht mehr wird untergehen deine Sonne und dein Mond sich nicht zurückziehen, weil Jehovah dir sein wird zum Licht der Ewigkeit“. Ps. 136/5-9: „Jehovah macht die Himmel in Einsicht, breitet aus die Erde über den Wassern, Er macht große Lichter: die Sonne, zu herrschen bei Tage und den Mond und die Sterne, zu herrschen bei Nacht“. Ps. 148/3, 4: „Verherrlichet Jehovah, Sonne und Mond, verherrlichet Ihn, alle Sterne des Lichts; verherrlichet Ihn, ihr Himmel der Himmel und ihr Wasser, die über den Himmeln“. In allen diesen Stellen bedeuten die Lichter Liebe und Glauben. Weil die Lichter vorbildeten und bezeichneten die Liebe und den Glauben an den Herrn, so war in der jüdischen Kirche geboten, daß ein beständiges Licht angezündet sein sollte vom Abend zum Morgen; denn alles, was jener Kirche geboten war, das war ein Vorbild auf den Herrn; von diesem Licht heißt es bei 2. Mose 27/20, 21: „Gebiete den Söhnen Israels, daß sie Öl nehmen sollen zum Licht, um die Leuchte allezeit aufsteigen zu machen. Im Zelte der Zusammenkunft außerhalb des Vorhangs, der über dem Zeugnis ist, soll sie zurichten Aharon und seine Söhne, von Abend bis zum Morgen vor Jehovah“. Daß dies bedeute die Liebe und den Glauben, die der Herr anzündet und leuchten läßt im inneren Menschen und durch den inneren Menschen im äußeren, wird an dortiger Stelle, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn, gezeigt werden.
32.
Die Liebe und der Glaube werden zuerst genannt große Lichter; hernach die Liebe
das große Licht und der Glaube das kleinere Licht; und von der Liebe wird
gesagt, daß sie herrschen solle am Tage und vom Glauben, daß er herrschen
solle bei Nacht. Weil dies Geheimnisse sind und verborgen besonders am gegenwärtigen
Ende der Tage, so darf, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn, eröffnet
werden, wie sich es damit verhält: Daß sie verborgen sind besonders am gegenwärtigen
Ende der Tage, hat zum Grund, weil jetzt die Vollendung des Zeitlaufs ist und
beinahe keine Liebe und infolge hiervon auch kein Glaube (da ist), wie der Herr
selbst vorhergesagt hat bei Matth. 24/29: „Die Sonne wird verfinstert werden,
und der Mond sein Licht nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen,
und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden“: unter Sonne wird hier
verstanden die Liebe, die verdunkelt worden; unter dem Mond der Glaube, der sein
Licht nicht gibt. Unter den Sternen die Glaubenserkenntnisse, die vom Himmel
fallen und welche sind die Kräfte und Mächte der Himmel.
Die
Älteste Kirche erkannte keinen anderen Glauben an als die Liebe selbst. Auch
wissen die himmlischen Engel nicht, was Glaube ist, außer dem, welcher der
Liebe angehört. Der gesamte Himmel ist (ein Himmel) der Liebe, denn in den
Himmeln gibt es kein anderes Leben als das Leben der Liebe; daher kommt alle
Seligkeit, die so groß ist, daß nicht etwas von ihr beschrieben noch mit
irgendeiner menschlichen Vorstellung gefaßt werden kann. Die in der Liebe sind,
lieben den Herrn von Herzen, aber sie wissen, sagen und werden inne, daß alle
Liebe, somit alles Leben, das allein der Liebe angehört, und eben damit alle
Seligkeit einzig vom Herrn kommt, und daß sie nichts von Liebe, Leben und
Seligkeit aus sich selbst haben.
Daß
es der Herr ist, von dem alle Liebe kommt, ist auch vorgebildet worden durch das
große Licht oder die Sonne, da Er verklärt war, denn „Sein Angesicht glänzte
wie die Sonne, Seine Kleider aber wurden wie das Licht“ – Matth. 17/2. Durch
das Angesicht wird das Innerste bezeichnet, und was vom Innersten ausgeht durch
die Kleider, somit Sein Göttliches durch die Sonne oder die Liebe, und Sein
Menschliches durch das Licht oder die Weisheit aus der Liebe.
33.
Es kann einem jeden ganz bekannt sein, daß es durchaus kein Leben gibt ohne
eine Liebe, und daß es durchaus keine Freude gibt als die ausfließt aus der
Liebe. Aber wie die Liebe ist, so ist das Leben
und so die Freude. Entfernst du die Liebesneigungen oder was dasselbe ist, die
Begierden, weil diese der Liebe angehören, so würde das Denken sogleich aufhören,
und du wärest wie ein Toter. Dies wurde mir auf lebendige Weise gezeigt.
Die
Selbstliebe und die Weltliebe stellen etwas Lebensähnliches und etwas Freudenähnliches
dar, aber weil sie völlig entgegen sind
der wahren Liebe, die darin besteht, daß man den Herrn liebt über alles und
den Nächsten wie sich selbst, so kann erhellen, daß sie nicht Liebe sind,
sondern Haß. Denn je mehr einer sich selbst und die Welt liebt, desto mehr haßt
er den Nächsten und so auch den Herrn.
Daher
ist die wahre Liebe Liebe zum Herrn, und das wahre Leben ist das Leben der Liebe
von Ihm, und die wahre Freude ist die Freude solchen Lebens. Wahre Liebe kann es
nur eine geben, somit auch wahres Leben nur eines; woraus wahre Freuden und
wahre Seligkeiten, wie sie die Engel in den Himmeln haben.
34.
Liebe und Glaube können niemals getrennt werden, weil sie eines und dasselbe
bilden. Sobald daher die Rede ist von den Lichtern, werden sie auch als eines
genommen und wird gesagt, es sei Lichter an der Ausbreitung der Himmel.
Wunderbares läßt sich hiervon berichten.
Weil
die himmlischen Engel vom Herrn in einer solchen Liebe sind, so sind sie auch
vermöge der Liebe in allen Glaubenserkenntnissen und aus der Liebe in einem
solchen Leben und Licht der Einsicht, daß es kaum in etwas beschrieben werden
kann. Dagegen aber sind die Geister, die im Wissen der Glaubenslehren ohne Liebe
sind, in einem so kalten Leben und dunklen Lichte, daß sie sich nicht einmal
der ersten Schwelle des Vorhofes der Himmel nähern können, vielmehr zurückfliehen.
Sie sagen zwar, sie haben an den Herrn geglaubt, aber sie haben nicht gelebt,
was Er gelehrt hat. Von diesen sagt der Herr also bei Matth. 7/21-28: „Nicht
jeder, der zu Mir spricht: Herr, Herr, wird in das Himmelreich kommen, sondern
wer Meinen Willen tut. Viele werden zu Mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr,
haben wir nicht durch Deinen Namen geweissagt“, und so fort.
Hieraus
erhellt, daß die, welche in der Liebe auch im Glauben sind und so im
himmlischen Leben; nicht aber, die sagen, sie seien im Glauben und nicht im
Leben der Liebe sind. Das Leben des Glaubens ohne Liebe verhält sich wie das
Licht der Sonne ohne Wärme, wie der Winter, wo nichts wächst, sondern alles
und jedes erstarrt und erstirbt. Aber der Glaube aus der Liebe verhält sich wie
das Licht der Sonne zur Zeit des Frühlings, wo alles wächst und blüht, denn
die Sonnenwärme ist es, die es hervorbringt. Ebenso im Geistigen und
Himmlischen, das im Wort dargestellt zu werden pflegt durch solches, was der
Welt und auf Erden ist. Der Unglaube und der Glaube ohne Liebe wird auch vom
Herrn dem Winter verglichen, wo er von der Vollendung des Zeitlaufs geweissagt
hat: Mark. 13/18, 19: „Betet, daß eure Flucht nicht geschehe im Winter, denn
jene Tage werden eine Trübsal sein“: Die Flucht ist die letzte Zeit auch
eines jeden Menschen, wenn er stirbt; der Winter ist das Leben ohne Liebe; der
Tag der Trübsal ist der klägliche Zustand desselben im anderen Leben.
35.
Der Mensch hat zwei Vermögen: Willen und Verstand. Wenn
der Verstand vom Willen regiert wird, dann bilden sie zusammen ein Gemüt, somit
ein Leben, denn was als dann der Mensch will und
tut, denkt und beabsichtigt er auch. Wenn
aber der Verstand mit dem Willen nicht übereinstimmt, wie bei denen, die
Glauben zu haben vorgeben, aber anders leben, alsdann wird das eine Gemüt in
zwei zerrissen. Das eine will sich in den Himmel erheben, und das andere strebt
zur Hölle, und weil der Wille alles betätigt, so würde der ganze Mensch, wie
er leibt und lebt zur Hölle stürzen, wenn der Herr Sich nicht seiner erbarmt.
36.
Diejenigen, die den Glauben von der Liebe getrennt haben, wissen nicht einmal,
was Glaube ist; einige, wenn sie sich den Glauben vorstellen, wissen nicht
anders, als daß er ein bloßes Denken sei; andere, daß er ein Denken an den
Herrn sei; wenige, daß es die Glaubenslehre sei. Der Glaube ist jedoch nicht
allein die Erkenntnis alles dessen, was die Glaubenslehre in sich begreift und
dessen Anerkennung, sondern hauptsächlich die Befolgung alles dessen, was sie
lehrt; und das erste, was sie lehrt, das man befolgen soll, ist die Liebe des
Herrn und die Liebe des Nächsten; wer nicht in dieser ist, der ist nicht im
Glauben; was der Herr so deutlich lehrt, daß man es gar nicht bezweifeln kann,
und zwar bei Mark. 12/28-35: „Das erste von allen Geboten ist: höre Israel,
der Herr unser Gott ist ein Herr, darum sollst du lieben den Herrn, deinen Gott
von deinem ganzen Gemüt, und aus allen deinen Kräften; dies ist das erste
Gebot; das andere aber ist dies ähnliche: du sollst lieben deinen Nächsten wie
dich selbst; größer als diese ist kein anderes Gebot“. Bei Matth. 22/34-39
nennt Er es das erste und große Gebot, und daß von diesen Geboten das Gesetz
und die Propheten abhängen. Das Gesetz und die Propheten sind die gesamte
Glaubenslehre und das ganze Wort (Matth. 22/40).
37.
Es heißt, die Lichter sollen sein zu Zeichen und zu bestimmten Zeiten und zu
Tagen und zu Jahren; dies enthält zu viele Geheimnisse, als daß sie für jetzt
gesagt werden könnten, obwohl im Sinne des Buchstabens nichts von einem
Geheimnis erscheint. Hier bloß dies, daß es Wechsel des Geistigen und
Himmlischen gibt im allgemeinen und einzelnen, die verglichen werden den
Wechseln der Tage und Jahre. Die der Tage von Morgen zum Mittag, von diesem zum
Abend, und durch die Nacht zum Morgen; die der Jahre sind ähnlich, vom Frühling
zum Sommer, von diesem zum Herbst, und durch den Winter zum Frühling; daher die
Wechsel der Wärme und des Lichts, dann der Befruchtungen der Erde; diesen
Wechseln werden verglichen die Wechsel des Geistigen und Himmlischen. Ein Leben
ohne Wechsel und Mannigfaltigkeiten wäre einförmig und somit keines; das Gute
und Wahre würde man weder erkennen noch unterscheiden, geschweige denn inne
werden. Sie werden bei den Propheten Satzungen (statuta) genannt, wie bei Jerem.
31/35, 36: „Es sprach Jehovah, der die Sonne gibt zum Licht des Tages, die
Satzungen des Mondes und der Sterne zum Licht des Nachts, nicht sollen diese
Ordnungen abweichen vor Mir“. Jerem. 33/25: „So sprach Jehovah, wenn Ich
nicht Meinen Bund des Tages und der Nacht, nicht die Satzungen des Himmels und
der Erde gesetzt habe!“ Hiervon jedoch vermöge der göttlichen Barmherzigkeit
des Herrn bei 1. Mose 8/22.
38.
Vers 18: Und zu herrschen bei Tag und bei Nacht und zu scheiden
zwischen dem Licht und zwischen der Finsternis; und Gott sah, daß es gut.
Unter dem Tag wird verstanden das Gute, unter der Nacht das Böse; daher das Gute genannt wird Werke des Tages, das Böse aber Werke der Nacht; unter dem Lichte wird verstanden das Wahre und unter der Finsternis das Falsche, wie der Herr spricht bei Joh. 3/19-21: „Die Menschen liebten die Finsternis mehr, denn das Licht; wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht“.
Vers
19: Und es war Abend, und es war Morgen, der vierte Tag.
39.
Vers 20: Und Gott sprach, es lassen
die Wasser hervorwimmeln das
Kriechtier, eine lebende Seele; und der Vogel fliege über der Erde, über den
Angesichtern der Ausbreitung der Himmel.
Wenn
die großen Lichter angezündet und in den inneren Menschen gesetzt sind und der
äußere von da Licht empfängt, dann erst fängt er an zu leben; vorher kann
man kaum sagen, daß er gelebt hatte, denn er meinte, das Gute, das er getan,
habe er aus sich getan und das Wahre, das er gesprochen, habe er aus sich
gesprochen. Und weil der Mensch tot ist aus sich und in ihm nichts als Böses
und Falsches, deswegen ist auch alles, was er aus sich hervorbringt, nicht
lebendig, so wenig, daß er nicht einmal Gutes, das in sich gut ist, aus sich
tun kann.
Daß
der Mensch nicht einmal Gutes denken und nicht Gutes wollen, folglich auch nicht
Gutes tun kann, außer aus dem Herrn, weiß ein jeder aus der Glaubenslehre,
denn der Herr spricht bei Matth. 13/37: „Der, welcher guten Samen sät, ist
der Sohn des Menschen“. Auch kann das Gute nur aus seiner eigentlichen Quelle
kommen, die eine einzige ist, wie Er gleichfalls spricht: „Niemand ist gut,
als Einer, Gott“: Luk. 18/19. Immerhin aber, wenn der Herr den Menschen ins
Leben auferweckt oder wiedergebiert, läßt Er zuerst zu, daß er so meine, denn
der Mensch kann es alsdann nicht anders fassen, auch nicht anders angeleitet
werden zu glauben und nachher inne zu werden, daß vom Herrn allein alles Gute
und Wahre kommt. Während er so meinte, ward sein Wahres und Gutes verglichen
dem zarten Kraut, dann dem Samen tragenden Kraut, dann dem Fruchtbaum, die
Unbeseeltes sind. Jetzt aber, da er von der Liebe und dem Glauben belebt ist und
glaubt, daß der Herr alles Gute wirke, das er tut und das Wahre, das er
spricht, jetzt wird er verglichen den Kriechtieren des Wassers und den Vögeln,
die fliegen über der Erde; dann den Tieren (Bestiis), die alle Beseeltes sind
und genannt werden lebende Seelen.
40.
Durch die Kriechtiere, welche die Wasser hervorbringen, wird bezeichnet Wißtümliches,
das dem äußern Menschen angehört. Durch Vögel im allgemeinen Vernünftiges,
dann Verständiges, von welchen letzteres dem inneren Menschen angehört. Daß
die Kriechtiere der Wasser oder die Fische Wißtümliches bedeuten, erhellt bei
Jes. 50/2, 3: „Ich kam, und kein Mann war da; mit Meinem Schelten werde Ich
austrocknen lassen das Meer, werde die Ströme zur Wüste machen, stinken wird
ihr Fisch, darum daß kein Wasser da, und wird sterben vor Durst; Ich werde die
Himmel kleiden mit Schwärze“.
Noch
deutlicher bei Hes. 47/8-10, wo der Herr beschreibt einen neuen Tempel oder im
allgemeinen eine neue Kirche und den Menschen der Kirche oder den
Wiedergeborenen, denn jeder Wiedergeborene ist ein Tempel des Herrn, also:
„Der Herr Jehovah sprach zu mir, diese Wasser, die ausgehen werden zur Grenze
gegen Aufgang, und sie werden dem Meere zugehen, ins Meer abgeleitet, und es
werden gesund werden die Wasser, und es wird geschehen, daß jede lebende Seele,
welche wird hervorkriechen, überall wohin das Wasser der Flüsse kommt, leben
wird, und des Fisches wird sehr viel sein, weil dahin kommen diese Wasser und
gesund machen werden, und es wird leben alles, wohin der Fluß kommt; und es
wird geschehen, stehen werden auf ihm die Fischer von Engedi bis En-Eglaim, mit
Ausspannung der Netze werden sie (da) sein; nach seiner Art wird sein ihr Fisch
wie der Fisch des großen Meeres, sehr viel“: die Fischer von Engedi bis
En-Eglaim, mit Ausspannung der Netze bedeuten diejenigen, die den natürlichen
Menschen belehren sollen über die Glaubenswahrheiten. Daß die Vögel das Vernünftige
und Verständige bezeichnen, ist stehend bei den Propheten, wie bei Jes. 46/11:
„Der da ruft vom Aufgang her einen Vogel, aus fernem Lande den Mann seines
Rates“. Jerem. 4/25: „Ich sah, und siehe kein Mensch, und aller Vogel der
Himmel ist entflohen“. Hes. 17/23: „Ich pflanze das Reis einer hohen Zeder,
und sie wird den Ast erheben und Frucht machen, und sie wird werden zu einer
herrlichen Zeder, und wohnen werden unter ihr jeder Vogel jeden Fittichs, im
Schatten ihrer Zweige werden sie wohnen“. Hos. 2/18, wo gehandelt wird von
einer neuen Kirche oder vom Wiedergeborenen: „Und Ich will ihnen schließen
einen Bund an jenem Tage mit dem Wild des Feldes und mit dem Vogel der Himmel
und mit dem, was sich regt auf dem Boden“: daß das Wild nicht bedeutet Wild
noch der Vogel Vogel, kann einem jeden klar sein, da der Herr einen neuen Bund
mit ihnen schließt.
41.
Alles, was Eigenes des Menschen ist,
das hat kein Leben in sich, und wenn es sichtbar dargestellt wird, erscheint es
hart wie knöchern und schwarz, aber alles, was vom Herrn Leben hat, in dem ist
Geistiges und Himmlisches, und wenn es sich sichtbar darstellt, erscheint es als
menschlich lebendig und, was vielleicht unglaublich, dennoch aber gewisse
Wahrheit ist: ein jedes Wort, eine jede Vorstellung und ein jedes Kleinste von
einem Gedanken eines Engelgeistes lebt; in dem allereinzelnsten desselben ist
eine Regung, ausgehend vom Herrn, der das Leben selbst ist, daher was vom Herrn
ist, Leben in sich hat, weil Glauben an Ihn, hier bezeichnet durch lebende
Seele, sodann hat es eine Leibesgestalt (speciem corporis), die hier durch das
Regende und Kriechende bezeichnet wird; dies sind aber für den Menschen noch
Geheimnisse, weil jedoch hier gehandelt wird von der lebenden Seele und von dem
sich Regenden, so ist es hier bloß zu erwähnen.
42.
Vers 21: Und Gott schuf die großen
Seeungeheuer und jede lebende
kriechende Seele, welche die Wasser hervorwimmeln ließen nach ihren Arten, und
jeden Vogel des Fittichs nach seiner Art; und Gott sah, daß es gut.
Die
Fische bedeuten, wie gesagt, Wißtümliches, hier durch den Glauben vom Herrn
beseeltes und so lebendiges; die Seeungeheuer bedeuten dessen Allgemeines, unter
dem und aus dem das Besondere ist. Es gibt nichts im Weltall, das nicht unter
einem Gemeinsamen wäre, um zu entstehen und zu bestehen. Daher werden bei den
Propheten einige Male Seeungeheuer (Citi) oder Walfische (Balaenae) genannt und
bedeuten dort das Allgemeine des Wißtümlichen. Pharao, der König von Ägypten,
durch den vorgebildet wird die menschliche Weisheit, wird genannt ein großes
Seeungeheuer wie bei Hes. 29/3: „Siehe, Ich bin wider dich, Pharao, König Ägyptens,
großes Seeungeheuer, der du liegst inmitten deiner Flüsse und sprachst, mein
ist der Strom, und ich habe mich gemacht“.
Hes.
32/2: „Erhebe eine Wehklage über Pharao, den König Ägyptens, und sprich zu
ihm, und du bist wie ein Seeungeheuer in den Meeren und bist hervorgegangen in
deinen Strömen, und hast getrübt die Wasser mit deinen Füßen“: wodurch
diejenigen bezeichnet werden, die durch Wißtümliches, somit aus sich, eingehen
wollen in die Geheimnisse des Glaubens.
Jes.
27/1: „An jenem Tage wird heimsuchen Jehovah mit Seinem harten und großen und
starken Schwerte den Leviathan, die längliche Schlange, und den Leviathan, die
gewundene Schlange, und wird töten die Seeungeheuer, die im Meere“: durch töten
die Ungeheuer im Meere wird bezeichnet, man werde nicht einmal das Allgemeine
wissen.
Jerem.
51/34: „Gefressen hat mich, verwirret Nebukadnezar, der König Babels, er hat
mich hingestellt als ein leeres Gefäß, mich verschlungen, wie ein Seeungeheuer
gefüllt seinen Bauch mit meinen Köstlichkeiten, mich ausgetrieben“: für: daß
er die Glaubenserkenntnisse, die hier die Köstlichkeiten sind, so verschlungen
habe, wie das Seeungeheuer den Jonas, wo Seeungeheuer für diejenigen steht, die
das Allgemeine der Glaubenserkenntnisse als Wißtümliches besitzen und so tun.
43.
Vers 22: Und Gott segnete sie
sprechend: befruchtet und mehret
euch und füllet die Wasser in den Meeren, und der Vogel soll sich mehren auf
Erden.
Alles,
was vom Herrn Leben in sich hat, befruchtet und vermehrt sich ins Unermeßliche;
solange der Mensch im Leibe lebt nicht so sehr, aber im anderen Leben zum
Erstaunen. Befruchten wird im Wort ausgesagt von dem, was Sache der Liebe, und
mehren von dem, was Sache des Glaubens ist; die Frucht, welche Sache der Liebe
ist, hat Samen, durch den sie sich so stark vermehrt; der Segen des Herrn
bedeutet auch im Worte Befruchtung und Vermehrung, weil diese von jenem kommen.
Vers
23: Und es war Abend, und es war Morgen, der fünfte Tag.
44.
Vers 24, 25: Und Gott sprach, es
bringe die Erde hervor die lebende
Seele, nach ihrer Art; das Tier und was sich regt, und sein Wild der Erde nach
seiner Art; und es ward so. Und Gott machte das Wild der Erde nach seiner Art
und das Tier nach seiner Art und alles Kriechende des Bodens nach seiner Art;
und Gott sah, daß es gut.
Der
Mensch, wie die Erde, kann nichts Gutes hervorbringen, wenn ihm nicht zuvor
eingesät sind die Glaubenserkenntnisse, aus denen er wissen kann, was er
glauben und tun soll. Sache des Verstandes ist, das Wort
zu hören und Sache des Willens, es zu tun. Das Wort zu hören und nicht
tun, heißt sagen, daß man glaube, während man doch nicht so lebt. Ein solcher
zertrennt diese und zerreißt das Gemüt und wird vom Herrn ein Tor genannt,
Matth.
7/24, 26: „Jeder der Meine Worte hört, und sie tut, den vergleiche Ich einem
klugen Manne, der sein Haus auf den Felsen gebaut hat; dagegen den, der Meine
Worte hört, sie aber nicht tut, vergleiche Ich einem törichten Manne, der sein
Haus auf den Sand gebaut hat“. Was dem Verstand angehört, wurde, wie gezeigt
worden, bezeichnet durch die Kriechtiere, welche die Wasser hervorwimmeln
lassen, und durch den Vogel über der Erde und über den Angesichten der
Ausbreitung. Was dem Willen angehört, wird hier bezeichnet durch die lebende
Seele, welche die Erde hervorbringen soll, und durch das Tier und das
Kriechende, dann durch das Wild dieser Erde.
45.
Diejenigen, die in den ältesten
Zeiten lebten, bezeichneten so das, was Sache des Verstandes ist und was Sache
des Willens ist; daher wird bei den Propheten und allenthalben im Worte des
Alten Testaments ähnliches durch die Gattung der Tiere (Animalium) vorgebildet.
Die Tiere (Bestiae) sind von zweierlei Art; es sind böse, weil sie schädlich,
und es sind gute, weil sie sanft sind; was böse ist im Menschen, wurde durch
solcherlei Tiere bezeichnet, wie durch Bären, Wölfe, Hunde; das Gute und
Sanfte auch durch solcherlei Tiere, wie durch Stiere, Schafe und Lämmer; die
Tiere (Bestiae) (weil hier von denen gehandelt wird, die wiedergeboren werden
sollen, so sind es gute und sanfte) bedeuten die Neigungen (Affectiones); die,
welche niedriger sind und mehr vom Körper an sich haben, werden genannt wilde
Tiere jener Erde und sind Begierden und Wollüste.
46.
Daß die Tiere (Bestia) die Neigungen
beim Menschen bedeuten, böse bei den Bösen und gute bei den Guten, kann aus
vielen Stellen des Wortes erhellen, wie bei Hes. 36/9-11: „Siehe, Ich bin bei
euch und will hinblicken zu euch, daß ihr bebaut und besäet werdet und will
mehren über euch den Menschen und das Tier, und sie werden sich mehren und
Frucht bringen, und Ich will euch wohnen lassen wie in euren alten Zeiten“:wo
von der Wiedergeburt die Rede ist.
Joel
2/22: „Fürchtet euch nicht, ihr Tiere Meines Feldes, denn grasreich sind
geworden die Wohnungen der Wüste“.
Ps.
73/22: „Ich war ein Tor, (wie) die Tiere war ich bei Gott“.
Jerem.
31/27, 28: „Siehe, die Tage kommen, und Ich will besamen das Haus Israels und
das Haus Jehudahs mit Menschen-Samen und mit Tieres-Samen und will wachen über
ihnen, um aufzubauen und zu pflanzen“: hier ist von der Wiedergeburt die Rede.
Daß die wilden Tiere ähnliches bedeuten, wie bei Hos. 2/18: „Ich will ihnen
schließen einen Bund an jenem Tage, mit dem Wild des Feldes und mit dem Vogel
der Himmel und dem Kriechtier des Landes“.
Hiob
5/22, 23: „Vor dem Wild der Erde wirst du dich nicht fürchten, denn mit den
Steinen des Feldes ist dein Bund, und das Wild des Feldes wird dir friedlich
sein“.
Hes.
34/25: „Ich will schließen mit euch einen Bund des Friedens und will
entfernen das böse Wild von der Erde, daß sie wohnen mögen in der Wüste
zuversichtlich“.
Jes.
43/20: „Ehren wird mich das Wild des Feldes, weil Ich in der Wüste Wasser
gegeben“.
Hes.
31/6: „In seinen Ästen nisteten alle Vögel der Himmel, und unter seinen Ästen
gebar alles Wild des Feldes, und in seinem Schatten wohnten alle großen Völkerschaften“;
so von dem Assyrer, durch den der geistige Mensch bezeichnet und dem Garten
Edens verglichen wird.
Ps.
148/2-4, 7, 9, 10: „Verherrlichet Jehovah alle Seine Engel, verherrlichet von
der Erde her, ihr Seeungeheuer, du Fruchtbaum, du Wild und alles Tier, das
Kriechende und der Vogel des Fittichs“: hier wird ganz dasselbe genannt, wie
Seeungeheuer, Fruchtbaum, Wild, Tier, Kriechendes, Vogel; wenn nicht durch diese
Lebendiges beim Menschen bezeichnet würde, so könnte durchaus nicht von ihnen
gesagt werden, sie sollten Jehovah verherrlichen. Bei den Propheten wird genau
unterschieden zwischen den Tieren und wilden Tieren der Erde und zwischen den
Tieren (Bestiis) und wilden Tieren (Feris) des Feldes. Das Gute wird sogar in
der Weise Tier (Bestiae) genannt, daß, die dem Herrn im Himmel am nächsten
sind, Tiere (Animalia) heißen, sowohl bei Hesekiel, als Joh. Offenb. 7/11;
19/4: „Alle Engel standen um den Thron und die Ältesten und die vier Tiere
und fielen vor dem Thron auf ihre Angesichte und beteten das Lamm an“. Sie
werden auch Geschöpfe genannt, denen das Evangelium gepredigt werden soll, weil
sie neu zu schaffen sind, Mark. 16/15: „Gehet hin in alle Welt und prediget
das Evangelium allem Geschöpf“.
47.
Daß die Worte Geheimnisse der
Wiedergeburt enthalten, kann auch daraus erhellen, daß es im vorigen Vers hieß,
„die Erde solle hervorbringen die lebende Seele, das Tier und das Wild der
Erde“. Im folgenden Vers aber in anderer Ordnung „Gott habe gemacht das Wild
der Erde, dann das Tier“. Denn zuerst bringt der Mensch wie von sich hervor,
auch nachher, ehe er himmlisch wird; und so fängt die Wiedergeburt vom äußeren
Menschen an und schreitet fort zum inneren, darum ist nun hier eine andere
Ordnung, und das Äußere geht voran.
48.
Hieraus erhellt
nun, daß der fünfte Zustand ist, daß der Mensch aus dem Glauben, der dem
Verstand angehört, spricht und sich aus ihm im Wahren und Guten bestärkt, und
was er alsdann hervorbringt, Beseeltes ist, das genannt wird Fische des Meeres
und Vögel der Himmel. Und daß der sechste Zustand ist, wenn er aus dem
Glauben, der dem Verstand angehört, und infolgedessen aus der Liebe, die
dem Willen angehört, Wahres spricht und Gutes tut. Was er jetzt hervorbringt,
wird genannt lebende Seele und Tier. Und weil er jetzt anfängt, wie aus dem
Glauben, so zugleich auch aus Liebe zu handeln, wird er ein geistiger Mensch,
der Bild heißt, wovon nun mehr.
49.
Vers 26: Und Gott sprach: lasset
uns machen einen Menschen in unser
Bild, nach unserer Ähnlichkeit; und sie sollen herrschen über die Fische des
Meeres und über den Vogel der Himmel und über das Tier und über die ganze
Erde und über alles Kriechende, das kriecht auf der Erde.
In
der Ältesten Kirche, mit welcher der Herr von Angesicht zu Angesicht sprach,
erschien der Herr wie ein Mensch (wovon vieles berichtet werden kann, aber es
ist noch nicht Zeit). Darum nannten sie niemand einen Menschen als Ihn und was
Ihm angehörte und nicht sich selbst, außer das eine, von dem sie inne wurden,
daß sie es vom Herrn hatten, wie alles Gute der Liebe und Wahre des Glaubens;
dies nannten sie Sache des Menschen, weil des Herrn. Bei den Propheten wird
daher im höchsten Sinn unter dem Menschen und dem Sohn des Menschen verstanden
der Herr und im inneren Sinn die Weisheit und Einsicht und infolge hiervon
jeder, der wiedergeboren ist, wie bei Jerem. 4/23, 25: „Ich sah die Erde an,
und siehe, Leere und Öde, und zu den Himmeln auf, und kein Licht derselben. Ich
sah, und siehe, kein Mensch. Und alle Vögel der Himmel sind entflohen“.
Jes.
45/11-13, wo im inneren Sinn unter dem Menschen verstanden wird der
Wiedergeborene, im höchsten der Herr selbst, als der Eine: „So sprach Jehovah,
der Heilige Israels, und sein Bildner, Ich habe gemacht die Erde, und den
Menschen auf ihr habe Ich geschaffen, Meine Hände haben ausgedehnt die Himmel,
und all ihrem Heer habe Ich geboten“.
Der
Herr erschien daher den Propheten als Mensch, wie dem Hes. 1/26: „Über der
Ausbreitung war wie das Aussehen eines Saphirsteines die Ähnlichkeit eines
Stuhles, und über der Ähnlichkeit des Stuhles eine Ähnlichkeit wie das
Aussehen eines Menschen oben darauf“. Und dem Daniel erschien Einer, genannt
der Menschensohn oder der Mensch, was dasselbe ist, Dan. 7/13, 14: „Ich sah,
und siehe, mit den Wolken des Himmels kam wie ein Menschensohn und gelangte bis
zu dem Alten der Tage, und vor Ihn ließen sie ihn nahen, und Ihm ward gegeben
die Herrschaft, und die Herrlichkeit und das Reich; und alle Völker, Völkerschaften
und Zungen werden Ihm dienen. Seine Herrschaft ist eine Herrschaft des
Zeitlaufs, die nicht vorübergehen, und Sein Reich, das nicht vergehen wird“.
Der
Herr nennt Sich auch öfter den Menschensohn oder den Menschen, und wie bei
Daniel weissagt Er bei Matth. 24/23, 30 von Seinem Kommen in die Herrlichkeit:
„Sie werden sehen den Menschensohn kommen in den Wolken des Himmels mit Kraft
und Herrlichkeit“: Wolken der Himmel wird genannt der buchstäbliche Sinn des
Wortes, Kraft und Herrlichkeit der innere Sinn des Wortes, der einzig sich
bezieht auf den Herrn und Sein Reich im ganzen und einzelnen. In diesem Sinne
ist daher die Kraft und Herrlichkeit.
50.
Was die Älteste
Kirche unter dem Bilde Gottes verstand, ist mehr, als daß es gesagt werden könnte;
der Mensch weiß gar nicht, daß er vom Herrn durch Engel und Geister regiert
wird, und daß bei jedem Menschen wenigstens zwei Geister und zwei Engel sind;
durch die Geister entsteht eine Gemeinschaft des Menschen mit der Geisterwelt
und durch Engel mit dem Himmel. Ohne die Gemeinschaft des Menschen durch die
Geister mit der Geisterwelt und durch die Engel mit dem Himmel und so durch den
Himmel mit dem Herrn kann er (der Mensch) durchaus nicht leben, sein Leben hängt
ganz von dieser Verbindung ab; würden die Geister und Engel zurücktreten, so
ginge er im Augenblick zugrunde. Solange der Mensch nicht wiedergeboren ist,
wird er ganz anders regiert, als wenn er wiedergeboren ist; wenn er nicht
wiedergeboren ist, sind bei ihm böse Geister, die so sehr über ihn herrschen,
daß die Engel, obwohl sie gegenwärtig sind, kaum etwas Weiteres bewirken können,
als ihm die Richtung geben, daß er sich nicht in das äußerste Böse stürze
und ihn zu einigem Guten lenken, und zwar durch seine eigenen Begierden zum
Guten und durch Sinnestäuschungen zum Wahren; dann hat er Verbindung mit der
Geisterwelt durch die Geister, die bei ihm sind, aber nicht so mit dem Himmel,
weil die bösen Geister herrschen und die Engel bloß ablenken; wenn er aber
wiedergeboren ist, dann herrschen die Engel und flößen ihm alles Gute und
Wahre ein, und Schauder und Furcht vor Bösem und Falschem. Die Engel führen
zwar, aber sie dienen bloß, denn der Herr allein ist es, der den Menschen durch
die Engel und Geister regiert; und weil es geschieht durch den Dienst der Engel,
so heißt es hier zuerst in der Mehrzahl: „Laßt uns machen einen Menschen in
unser Bild“; weil Er aber immerhin allein regiert und leitet, so heißt es im
darauf folgenden Vers in der Einzahl: „Gott schuf ihn in sein Bild“;
was der Herr auch deutlich sagt bei Jes. 44/24: „So sprach Jehovah, dein Erlöser
und dein Bildner von Mutterleib an, Ich Jehovah mache alles, dehne die Himmel
aus allein, breite aus die Erde von Mir selbst“. Die Engel gestehen auch
selbst, daß nichts von Macht bei ihnen sei, sondern daß sie allein von dem
Herrn handeln.
51.
Was das Bild anbetrifft, so ist das
Bild nicht Ähnlichkeit, sondern es ist nach der Ähnlichkeit; daher es heißt,
„laßt uns machen einen Menschen in unser Bild, nach unserer Ähnlichkeit“. Der
geistige Mensch ist Bild, der himmlische Mensch aber ist Ähnlichkeit oder
Ebenbild; in diesem Kapitel wird gehandelt vom geistigen Menschen, im
folgenden vom himmlischen. Der geistige Mensch, der Bild
ist, wird vom Herrn ein Sohn des Lichtes genannt, wie bei Joh. 12/35, 36:
„Wer in der Finsternis wandelt, weiß nicht, wohin er geht; solange ihr das
Licht habt, glaubet an das Licht, damit ihr Söhne des Lichtes seid“. Er wird
auch Freund genannt, Joh. 15/14, 15: „Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut,
was Ich euch gebiete“. Aber der himmlische Mensch, der
Ähnlichkeit ist, wird genannt ein Kind Gottes, Joh. 1/12, 13: „So
viele Ihn aufnahmen, denen gab Er Macht, Kinder Gottes zu sein, denen, die an
Seinen Namen glauben, die nicht aus dem Geblüt, noch aus dem Willen des
Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern aus Gott geboren sind“.
52.
Solange der Mensch ein geistiger ist,
geht seine Herrschaft aus vom äußeren Menschen zum inneren, wie es hier heißt,
„sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, und über den Vogel der
Himmel und über das Tier und über die ganze Erde und über alles Kriechende,
das kriecht auf der Erde“. Wenn er aber ein himmlischer wird und aus Liebe
Gutes tut, dann geht die Herrschaft aus vom inneren Menschen zum äußeren, wie
der Herr Sich selbst und so zugleich den himmlischen Menschen, der Seine Ähnlichkeit
ist, beschreibt bei Ps. 8/7-9: „Du hast ihn herrschen lassen über die Werke
Deiner Hände, alles hast Du unter seine Füße gelegt, die Herde und die Rinder
allzumal und auch die Tiere der Felder, den Vogel der Himmel und die Fische des
Meeres, was da geht über die Pfade der Meere“. Es werden hier darum zuerst
die Tiere, hernach der Vogel, dann die Fische des Meeres genannt, weil der
himmlische Mensch von der Liebe, die dem Willen angehört, ausgeht, anders als
beim geistigen Menschen, bei dem vorausgehen die Fische und Vögel, die in das
Gebiet des Verstandes, der des Glaubens ist, gehören, und die Tiere folgen.
53.
Vers 27: Und Gott schuf den
Menschen in Sein Bild, in das Bild
Gottes schuf Er ihn.
Daß
hier zweimal das Bild steht, kommt daher, daß der Glaube,
der dem Verstand angehört, genannt wird „Sein Bild“; die Liebe aber, die
dem Willen angehört, „Bild Gottes“; diese folgt im geistigen Menschen, aber
im himmlischen Menschen geht sie voran.
54.
Vers 27: Mann und Weib schuf Er
sie.
Was
unter Mann und Weib (Foemina) im inneren Sinne verstanden wird, war der Ältesten
Kirche sehr wohl bekannt, dagegen aber bei den Nachkommen ging mit dem
inwendigeren Sinn des Wortes auch dieses Geheimnis verloren. Ihre höchsten
Seligkeiten und Freuden waren die Ehen, und alles, was nur je den Ehen
nachgebildet werden konnte, bildeten sie nach, um daraus die Seligkeit der Ehe
inne zu werden; und weil sie innerliche Menschen waren, hatten sie nur Freude am
Innern. Das Äußere sahen sie bloß mit den Augen, dachten aber an das, was es
vorbildete, so daß das Äußere ihnen nichts war, nur daß sie etwas von
demselben zurückbeziehen konnten auf das Innere und vom Innern auf das
Himmlische und so auf den Herrn, der ihnen alles war, folglich auf die
himmlische Ehe, von der, wie sie inne wurden, die Seligkeit ihrer Ehen herkam; darum
nannten sie im geistigen Menschen den Verstand das Männliche und den Willen das
Weibliche, die sie, wenn sie übereinwirkten, eine Ehe nannten.
Von
dieser Kirche stammt jene Redensart her, die nachher gewöhnlich wurde, daß die
Kirche selbst von ihrem Trieb zum Guten genannt wurde Tochter, dann Jungfrau,
wie: Tochter Zion, Jungfrau Jerusalem, wie auch Weib (Uxor). Doch hierüber sehe
man 1. Mose 2/23 (Nr. 151-156) und 1. Mose 3/15 (Nr. 250-253).
55.
Vers 28: Und Gott segnete sie und
sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und
mehret euch und erfüllet die Erde und machet sie untertan und herrschet über
die Fische des Meeres und über den Vogel der Himmel und über alles Lebendige,
das kriecht auf der Erde.
Weil
die Uralten die Verbindung des Verstandes und des Willens oder des Glaubens und
der Liebe eine Ehe hießen, so nannten sie alles Gute, das aus dieser Ehe
erzeugt wurde, Befruchtungen und alles Wahre Vermehrungen. Daher bei den
Propheten ähnliches steht, wie bei Hes. 36/8-11: „Ich will mehren über euch
den Menschen und das Tier, und sie werden sich mehren und befruchten, und Ich
will euch wohnen lassen, wie in euren alten Zeiten und wohltun, mehr denn bei
euren Anfängen, und ihr werdet erkennen, daß Ich Jehovah bin, und Ich will über
euch wandeln machen den Menschen, Mein Volk Israel“: unter
dem Menschen wird hier verstanden der geistige Mensch, der auch Israel genannt
wird, unter den alten Zeiten die Älteste Kirche und unter den Anfängen die
Alte Kirche nach der Flut. Daß die Vermehrung, die dem Wahren angehört, und
die Befruchtung, die dem Guten angehört, nachfolgt, kommt daher, daß vom
Wiederzugebärenden, nicht vom schon Wiedergeborenen die Rede ist. Wenn der
Verstand mit dem Willen oder der Glaube mit der Liebe vermählt (copulatus) ist,
so wird der Mensch vom Herrn ein vermähltes (maritata) Land genannt.
Jes.
62/4: „Nicht mehr wird man sagen zu deinem Land: Wüste; sondern dich wird man
nennen: Mein Wohlgefallen an ihr, und dein Land: vermählt, weil Wohlgefallen
hat Jehovah an dir und dein Land vermählt werden wird“.
Die
Früchte hiervon, die dem Wahren angehören, werden genannt Söhne und die Früchte,
die dem Guten angehören, Töchter, und dies sehr oft im Worte. Die Erde
wird erfüllt, wenn viel Wahres und Gutes da ist, denn wenn der Herr segnet und
spricht, das ist wirkt, so wächst das Gute und Wahre ins Unermeßliche, wie der
Herr sagt bei Matth. 13/31, 32: „Ähnlich ist das Himmelreich einem Senfkorn,
das ein Mensch nahm und in seinen Acker säte, das zwar kleiner ist denn alle
Samen, wenn es aber gewachsen ist, so ist es größer als alle Kohlkräuter und
wird ein Baum, so daß die Vögel des Himmels kommen und nisten in seinen
Zweigen“: das Senfkorn ist das Gute des Menschen, ehe er geistig ist, welches
das kleinste ist von allen Samen, weil er meint, aus sich Gutes zu tun. Was von
ihm selbst ist, ist nichts als Böses, weil er jedoch im Stande der Wiedergeburt
ist, so ist es etwas Gutes, aber das kleinste von allen. Später, sowie der
Glaube verbunden wird mit der Liebe, wird es größer und ein Kohl. Zuletzt,
wenn er verbunden ist, wird es ein Baum, und dann nisten die Vögel der Himmel,
die auch hier Wahres oder Verständiges sind, in seinen Zweigen, die Wißtümliches
sind. Wenn der Mensch geistig ist, sowie wenn er geistig wird, ist er im Kampf,
daher es heißt, machet die Erde untertan und herrschet.
56.
Vers 29: Und Gott sprach: Siehe,
Ich gebe euch alles Samen besamende
Kraut, das auf den Angesichten der ganzen Erde; und allen Baum, an dem Frucht;
der Baum, der Samen besamt, soll euch zur Speise sein.
Der
himmlische Mensch ergötzt sich einzig an Himmlischem, das, weil es mit seinem
Leben übereinstimmt, himmlische Speise genannt wird. Der geistige Mensch ergötzt
sich an Geistigem, das, weil es mit seinem Leben übereinstimmt, geistige Speise
heißt. Der natürliche ebenso an Natürlichem, das, weil es seinem Leben
zusagt, Speise genannt wird und hauptsächlich Wißtümliches ist. Weil
hier vom geistigen Menschen gehandelt wird, so werden seine geistigen Speisen
durch Vorbildliches beschrieben. Die geistigen durch Kraut, das Samen besamt,
und durch den Baum, an dem Frucht, die im allgemeinen genannt werden Baum, der
Samen hervorbringt. Seine natürlichen Speisen werden im folgenden Vers
beschrieben.
57.
„Kraut, das Samen besamt“, ist
alles Wahre, das auf Nutzen abzweckt; „der Baum, an dem Frucht“, ist das
Gute des Glaubens, „die Frucht“ ist das, was der Herr dem himmlischen
Menschen gibt, aber der Same, aus dem Frucht (kommt), das, was Er dem geistigen
Menschen (gibt). Daher gesagt wird der Baum, der Samen hervorbringt, soll euch
zur Speise sein. Daß die himmlische Speise Frucht vom Baume heißt, erhellt aus
dem folgenden Kapitel, wo gehandelt wird vom himmlischen Menschen. Hier bloß
das, was der Herr redete durch Hes. 47/12: „An dem Flusse erhebt sich über
seinem Ufer auf dieser und jener Seite jeglicher Baum der Speise; nicht wird
abfallen sein Blatt und nicht verzehret werden seine Frucht, in ihre Monate wächst
sie wieder, weil ihre Wasser aus dem Heiligtum ausgehen, und seine Frucht wird
sein zur Speise und sein Blatt zur Arznei“: die Wasser aus dem Heiligtum
bedeuten das Leben und die Barmherzigkeit des Herrn, der das Heiligtum ist. Die
Frucht die Weisheit, die ihnen als Speise dient. Das Blatt ist die Einsicht, die
ihnen der Anwendung wegen wird, welche die Arznei heißt. Daß aber die geistige
Speise Kraut genannt werde, wird gesagt durch Ps. 23/1, 2: „Mein Hirt, ich
werde keinen Mangel leiden, in den Auen des Krautes lässest Du mich lagern“.
58.
Vers 30: Und allem Wild der Erde
und allem Vogel der Himmel und
allem Kriechenden auf der Erde, in dem eine lebende Seele, alles Grün des
Krautes zur Speise; und es ward so.
Es
wird hier die natürliche Speise desselben beschrieben. Sein Natürliches ist
hier bezeichnet durch das Wild der Erde und durch den Vogel der Himmel, denen
zur Speise gegeben ist der Kohl und das Grün des Krautes. Von beiderlei Speise
desselben, sowohl der natürlichen als der geistigen heißt es bei Ps. 104/14
also: „Jehovah läßt sprossen Gras für das Tier und Kraut zum Dienste des
Menschen, um Brot zu bringen aus der Erde“: wo Tier steht für Wild der Erde
und zugleich für den Vogel der Himmel, welche nennt Ps. 104/11, 12.
59.
Daß hier bloß Kohl und das Grün des
Krautes zur Speise für den natürlichen Menschen sein soll, damit verhält es
sich so: Während der Mensch wiedergeboren und geistig wird, ist er beständig
im Kampfe, daher die Kirche des Herrn eine kämpfende heißt. Denn zuvor
herrschen die Begierden, weil der Mensch aus lauter Begierden und infolgedessen
aus Falschheiten zusammengesetzt ist. Wenn er wiedergeboren wird, können seine
Begierden und Falschheiten nicht augenblicklich ausgetilgt werden, denn dies hieße
den ganzen Menschen zerstören, da er sich kein anderes Leben erworben hat. Es
werden daher lange böse Geister bei ihm gelassen, daß sie seine Begierden
aufregen und sie so auf unzählige Arten sich herausstellen, und zwar so, daß
sie vom Herrn zum Guten gelenkt werden können und der Mensch wiedergeboren
werden möge. Die bösen Geister, die den größten Haß haben gegen alles Gute
und Wahre, das ist gegen alles, was zur Liebe und zum Glauben an den Herrn gehört
(was einzig gut und wahr ist, weil es in sich ewiges Leben hat), lassen ihm zur
Zeit des Kampfes nichts anderes zur Speise, als was verglichen wird dem Kohl und
dem Grün des Krautes. Aber der Herr gibt ihm auch eine Speise, die verglichen
wird dem Kraut, das Samen besamt, und dem Baum, an dem Frucht, was der Ruhe und
dem Frieden mit deren Reizendem und Seligem angehört; und dies in Zwischenräumen.
Wenn
der Herr dem Menschen nicht in jedem Augenblick, auch dem allerkleinsten, schützte,
ginge er plötzlich zugrunde. Denn ein solch tödlicher Haß herrscht in der
Geisterwelt gegen das, was zur Liebe und zum Glauben an den Herrn gehört, daß
er gar nicht beschrieben werden kann. Daß dem so ist, kann ich als gewiß
versichern, weil ich nun schon einige Jahre hindurch bei den Geistern, obwohl
zugleich im Leibe, im anderen Leben war, und zwar von bösen, ja den schlimmsten
und zuweilen von tausenden umringt. Diesen war zugelassen, ihre Gifte
auszulassen und mich auf alle mögliche Weise anzufechten. Sie konnten mir
jedoch nicht den kleinsten Teil eines Haares verletzen, so bin ich vom Herrn
geschützt worden.
Durch
die Erfahrung so vieler Jahre bin ich sehr wohl unterrichtet über
die Beschaffenheit der Geisterwelt. Dann auch über den Kampf, den die, welche
wiedergeboren werden, notwendig bestehen müssen, um die Seligkeit des ewigen
Lebens zu erlangen. Weil aber durch eine allgemeine Schilderung niemand so
belehrt werden kann, daß er zweifelsfreien Glauben hat, darum soll hiervon,
vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn, im Folgenden das Besondere
erwähnt werden.
60.
Vers 31: Und Gott sah alles, was Er
gemacht, und siehe, (es war) sehr
gut. Und es war Abend, und es war Morgen, der sechste Tag.
Hier
heißt es sehr gut, im Vorhergehenden nur gut; weil jetzt das, was Sache des
Glaubens ist, eins ausmacht mit dem, was Sache der Liebe ist. So hat sich eine
Ehe gebildet zwischen dem Geistigen und Himmlischen.
61.
Geistig heißt
alles, was den Glaubenserkenntnissen angehört, und himmlisch alles, was der
Liebe zum Herrn und gegen den Nächsten angehört; jenes bezieht sich auf den
Verstand des Menschen, dieses auf den Willen.
62.
Die Zeiten und
Zustände der Wiedergeburt des Menschen werden im allgemeinen und besonderen
unterschieden in sechs und heißen die Tage seiner Schöpfung, denn es wird
stufenweise aus einem Nicht-Menschen zuerst etwas, aber wenig, dann mehr bis zum
sechsten Tag, wo er zum Bilde wird.
63.
Indessen kämpft
der Herr beständig für ihn gegen das Böse und Falsche und bestärkt ihn durch
die Kämpfe im Wahren und Guten. Die Zeit des Kampfes ist die Zeit des Wirkens
des Herrn, weshalb der Wiedergeborene bei den Propheten ein Werk der Finger
Gottes heißt. Er ruht auch nicht, bis die Liebe die oberste Stelle eingenommen
hat, dann hört Er auf. Wenn das Werk so weit gediehen ist, daß der Glaube
verbunden ist mit der Liebe, dann heißt es sehr gut, weil der Herr alsdann ihn
treibt, als eine Ähnlichkeit von Sich. Gegen das Ende des sechsten Tages
weichen die bösen Geister, und es treten gute an ihre Stelle, und er wird
eingeführt in den Himmel oder ins himmlische Paradies, von welchem im folgenden
Kapitel.
64.
Dies nun ist der innere Sinn des
Wortes, sein eigenstes Leben, das aus dem Buchstabensinne nirgends sichtbar ist.
Der Geheimnisse aber sind so viele, daß nicht Bände hinreichen würden für
ihre Erklärung. Hier ist nur sehr weniges gesagt worden, und zwar solches, das
zur Bestätigung dafür dienen kann, daß hier von der Wiedergeburt gehandelt
wird, und daß diese vor sich geht vom äußersten Menschen zum inneren. So
fassen die Engel das Wort auf. Sie wissen gar nicht, was dem Buchstaben angehört,
nicht einmal ein Wort nach seiner nächsten Bedeutung, noch weniger die Namen
der Länder, Städte, Flüsse, Personen, die so oft in den geschichtlichen und
prophetischen Schriften vorkommen, sie haben bloß die Idee der durch die Wörter
und durch die Namen bezeichneten Sachen; z.B. unter Adam im Paradies verstehen
sie die Älteste Kirche, und selbst nicht die Kirche, sondern den Glauben der Ältesten
Kirche an den Herrn. Unter Noach die Kirche, die bei den Nachkommen übrigblieb
und fortbestand bis zu Abrahams Zeit. Unter Abraham keineswegs den, der gelebt
hat, sondern den seligmachenden Glauben, den er vorbildete, und so fort. Somit
geistige und himmlische Dinge, ganz ohne Absehen auf Wörter und Namen.
65.
Einige, die in den ersten Vorhof des
Himmels erhoben worden waren, sprachen, als ich das Wort las, von da aus mit mir
und sagten, sie verstünden auch nicht ein Wort oder einen Buchstaben darin,
sondern nur, was diese in dem nächstliegenden inwendigeren Sinne bezeichnen;
dies schilderten sie als so schön und in einer solchen Ordnung
aufeinanderfolgend und sie anregend, daß sie es eine Herrlichkeit nannten.
66. Es sind im allgemeinen vier verschiedene Stile im Wort,
der erste ist der, den die Älteste Kirche hatte; ihre Ausdrucksweise war von der Art, daß sie, wenn sie Irdisches und Weltliches nannten, sich das Geistige und Himmlische dabei dachten, das es vorbildete, daher sie es nicht nur durch Vorbildliches ausdrückten, sondern es auch in einen geschichtartigen Zusammenhang brachten, damit es lebendiger würde, woran sie überaus große Freude hatten. Dieser Stil war gemeint, als Channa weissagte und sprach: „Redet Hohes, Hohes, es gehe Altes aus von eurem Munde“, 1. Sam. 2/3. Jene Vorbildungen werden bei David genannt Rätsel aus dem Altertum, Ps. 78/2-4. Von den Nachkommen der Ältesten Kirche hatte Moses dieses von der Schöpfung, vom Garten Eden bis zu Abrahams Zeit.
er zweite Stil ist der geschichtliche, der in den Büchern Mose von Abrams Zeit an und weiterhin, und in denen Josuas, der Richter, Samuels, und der Könige sich findet, in denen das Geschichtliche ganz so ist, wie es im Sinne des Buchstabens erscheint, aber immerhin enthält alles und jedes ganz anderes im inneren Sinne, wovon vermöge der göttlichen Barmherzigkeit des Herrn seiner Ordnung nach im Folgenden.
Der
dritte ist der prophetische, der herstammt von dem Stil der Ältesten
Kirche, den man hoch verehrte; allein er ist nicht stetig fortlaufend und
geschichtartig, wie der älteste war, sondern er ist abgerissen, kaum je verständlich,
außer im inneren Sinne, in dem die tiefsten Geheimnisse liegen, die in schöner
Ordnung unter sich verbunden einander folgen und sich beziehen auf den äußeren
und den inneren Menschen, auf die mehrfachen Zustände der Kirche, auf den
Himmel selbst und im Innersten auf den Herrn.
Der vierte ist der der Psalmen Davids, der die Mitte hält zwischen dem prophetischen und der Sprache des gemeinen Lebens; es wird hier unter der Person Davids als König im inneren Sinne vom Herrn gehandelt.